Energiewende leidet unter ihrem Erfolg – mal zu wenig Strom, mal zu wenig Geld

Ob die Energiewende jemals abhebt? Gut möglich, dass sie gerade wegen des Erfolgs der Erneuerbaren nie preiswerter und nie ohne Zuschüsse funktionieren wird.

Für die Energiewende muss das Wort „Erfolgsdruck“ neu definiert werden. Denn hier entsteht der Druck nicht in Erwartung künftigen Erfolgs, sondern durch den Erfolg selbst. Gute Nachrichten sind bei näherem Hinsehen kein Grund zur Freude. Aktuelles Beispiel: Die erneuerbaren Energien haben im ersten Halbjahr 2017 erstmals 35 Prozent des Stromverbrauchs in Deutschland gedeckt: Das ist ein Anstieg um zwei Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr. Aber die Erneuerbaren erzeugen nicht nur immer mehr Strom, sondern auch größer werdende Probleme.

Das wird in der ersten Halbjahresbilanz 2017 deutlich , die der Branchenverband BDEW gerade vorgelegt hat. Am stärksten hat im Vergleich zu 2016 die Windkraft vor den Küsten zugelegt – sie erzeugte satte 47,5 Prozent mehr Strom. Dumm nur, dass die deutschen Küsten allesamt im Norden unseres Landes liegen, und der Offshore-Strom so weit transportiert werden muss. Der Ausbau der großen Transportnetze lahmt jedoch; Windkraftanlagen müssen ab und an abgeschaltet werden, um sie nicht zu überlasten. Dann gibt es Geld für den Stillstand.

Schlimm? Ja! Aber es kommt schlimmer. So in gut zwei Jahren. Der größte Teil der Kapazitäten, die der Atomausstieg stilllegt, wird zwischen 2020 und 2022 vom Netz gehen: acht der zwölf Gigawatt. Und zwar aus der Basisversorgung. Wenn man auf die konventionelle Stromerzeugung schaut, sind die beiden verlässlichsten Quellen das Auslaufmodell Kernenergie und die schmutzige Braunkohle. Sie liefern die Grundlast und sind im Schnitt und recht konstant mit einer Leistung von 25 Gigawatt an der Stromerzeugung beteiligt. Die Steinkohle deckt halbwegs planbare Spitzen ab, und Erdgas-Kraftwerke sind als äußerst flexible Reserven gefragt. Die Frage bleibt: Wer ersetzt die bislang von den Atommeilern gelieferte Grundlast? Sie ist noch nicht beantwortet.

Der Stromverbrauch an sich ist ein weiteres Problem, weil er schrecklich starr ist. So starr, dass die Einkäufer bei den Versorgungsunternehmen ihre Kontingente recht sicher auf Jahre im Voraus ordern können. Der Verbrauch ist kaum zu verändern, aber die Erneuerbaren, Wind und Sonne, sind so launisch wie das Wetter. Immer wieder fallen Windkraft- und Photovoltaikanlagen deutschlandweit als Stromerzeuger fast völlig aus (am 24. Januar trugen Wind und Sonne zum Beispiel nur um die zwei Prozent zur nötigen Leistung bei). Deshalb müssen konventionelle Kraftwerke in Reserve gehalten werden. Aber die kosten eine Menge Geld, selbst wenn sie stillstehen. Der Strommarkt wird umgebaut: Nicht nur Angebot und Nachfrage regeln den Preis, sondern auch der Bereitschaftsdienst. Die Kunden zahlen für beide Systeme: für den Wende-Strom und für eine konventionelle Versorgungsversicherung, auch wenn sie nur wenige Stunden pro Jahr in Anspruch genommen wird. Das macht die Energiewende so teuer. Auf der einen Seite.

Auf der anderen Seite macht sie sich die Preise kaputt: Während konventionelle Kraftwerke den Betrieb ziemlich genau dem Verbrauch anpassen konnten (mit nur ganz wenigen Anlagen als eiserner Reserve für plötzliche Ausfälle und unvorhersehbare Verbrauchsspitzen), bleiben Windräder und Photovoltaikanlagen ständig im Einsatz – und sägen im besten Fall den Ast ab, auf dem sie sitzen. Denn wenn die Sonne scheint und der Wind bläst, dann entsteht ein Überangebot und drückt den Strompreis. Manchmal gegen Null, manchmal sogar darunter – dann muss ein Abnehmer bezahlt werden dafür, dass er den Strom verbraucht.

Wenn die teure EEG-Förderung irgendwann entfällt, können wohl nur die kleinen Photovoltaikanlagen auf Wohnhausdächern profitabel betrieben werden – weil sie Strom für den Eigenbedarf billig herstellen. Aber die großen Anlagen werden auf absehbare Zeit nicht ohne Zuschüsse überleben. Sie werden Verluste produzieren, weil sie (manchmal) so erfolgreich sind. Oder müssen auf Dauer von den Stromkunden alimentiert werden

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Ein Kommentar zu Energiewende leidet unter ihrem Erfolg – mal zu wenig Strom, mal zu wenig Geld

  1. Anonymous sagt:

    Unsere schlauen Volksvertreter sind so blöd das stinkt schon zum Himmel.
    In unserem Land funktioniert ja fast nichts mehr, siehe BER Berlin.
    Verkauf vom Flugplatz Hahn für 11 Mio, ind dann schmeisst man den Chinesen noch 70 Mio hinterher damit sie überhaupt kaufen.
    Nürburgring !!.
    Aber ein Minister ist ja universell hat von alles Ahnung.
    Armes Deutschland.

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