Trump führt die USA ins Verderben? Aber was, wenn nicht?

Es ist tatsächlich wahr. Auch an diesem Morgen ist Donald, the Trumpinator, nicht nur ein schlechter Traum. Ein böses Erwachen, das uns die einzige Hoffnung lässt, dass der neue US-Präsident auf seinem Ego-Trip recht bald so übel daneben tritt, dass es für ein Amtsenthebungsverfahren reicht. Wirklich die einzige Hoffnung?

Ob Amerika wieder "groß" wird? Und wessen Kosten?

Sie sind ein bisschen blass geworden, die USA. Umso greller wirkt der neue Präsident, der mit dickem Pinsel aufträgt.

Was, wenn Trump trotz allem doch kein so übler Präsident ist? Was, wenn er sich von seinen Vorgängern und anderen Regierungschefs nur dadurch unterscheidet, dass er seine Absichten ungefiltert verkündet? Was, wenn seine Politik genau jene Forderungen auf offener Bühne erhebt, die sich andere hinter verschlossenen Türen an den Kopf werfen – und anschließend vor den Kameras spürbar falsch lächeln und lügen? Was, wenn er wirklich für die USA (und für wen denn sonst?) nur das Beste will – aber auf seine Art – und damit erfolgreich ist?

Dann wird sich Politik weltweit ändern. Vielleicht hat es diese Rosskur gebraucht, um dem Wahlvolk vor allem in den alten Demokratien endlich den Blick auf die Realität zuzumuten. Das ist unbequemer als die Gute-Nacht-Geschichten, die Berufspolitiker so gerne verabreichen. Aber ganz offenkundig gibt es immer mehr Wählerinnen und Wähler, die es leid sind, in Watte gepackt zu werden.

Ob wirklich außer Trump niemand glaubt, dass die Europäische Union und das Euro-Land an einem Scheideweg stehen und der Brexit nicht der erste Ausstieg ist? Auch Wirtschaftswissenschaftler sind der Meinung, dass die Globalisierung nicht in jedem Fall und überall zu Wohlstand führt – und propagieren den Rückzug auf Kernländer (warum feiern wir eigentlich Firmen, die sich aus Auslands-Engagements zurückziehen, die sich mit „Made in Germany“ oder wenigstens „Made in Europe“ schmücken?). Wer kann es einem amerikanischen Präsidenten verdenken, dass er in Sachen NATO eine Kosten-Nutzen-Rechnung aufmacht, die sehr eindeutig zu Gunsten der Europäer und zu Lasten der USA ausfallen muss? Wünscht sich nicht auch hierzulande manch einer kernige Aussagen, die in 140 Twitter-Zeichen passen, statt minutenlanger Statements, die nichts sagen, außer: Alles andere geht euch nichts an?

Zugegeben: Diese unbequemen Erkenntnisse hätte ich lieber von einem anderen gehört und gelesen als von einem Typen wie Trump, am liebsten als Ergebnis eines Reifeprozesses nach breiter gesellschaftlicher Debatte – Gründe dafür gibt es seit Jahren genug. Ich tröste mich damit, dass es oft die schlimmsten Übel sind, die uns klüger machen, nachdem sie überstanden sind.

Wir stehen am Anfang eines ebenso unerwarteten wie unkalkulierbaren Wettstreits: hier die Verfechter der Kommissionen und Kompromisse, dort einer, der verrückt – und mächtig – genug ist, simple Überzeugungen in Weltpolitik umzusetzen. Trump wird die politische Bühne verändern, die Wirtschaftsbeziehungen strapazieren und die Länder Europas militärisch in die Pflicht nehmen. Es ist gut möglich, dass er damit nicht nur die USA gegen die Wand fährt. Aber sicher ist es nicht.

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Ein Kommentar zu Trump führt die USA ins Verderben? Aber was, wenn nicht?

  1. Charly sagt:

    Ich kann nicht so viel saufen . . .

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