Hilfspaket für Griechenland – Warum zahlen wir und wofür?

Als wäre es ein Steckenpferd der eruopäischen Politik - wenn auch ein teures - kommt Griechenland immer neu auf die Agenda. Warum nur?

„Die Kanzlerin wiederholte ihre Darlegungen, Europa stehe vor der „schwersten Bewährungsprobe“ des Einigungsprozesses. … Ausdrücklich sprach sie sich gegen ein Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone aus. „Ich halte diese Position für unkalkulierbar und deshalb nicht verantwortbar.“

Das könnte ein Zitat aus der Bundestagsdebatte über das dritte Hilfspaket für Griechenland sein. Ist es aber nicht. Die Sätze sprach Angela Merkel im Februar 2012 (zitiert in der F.A.Z.) vor der Abstimmung über das zweite Hilfspaket. Im Schnüren allerletzter, alternativloser Hilfspakete hat der Bundestag inzwischen Übung. Das Parlament nickt ab. Zum Glück sind die Abstände, die sich Europa mit den vielen Milliarden erkauft, so bemessen, dass sie jeweils bis über den nächsten Wahltermin hinaus reichen. Und zum Glück präsentiert sich das deutsche Volk nicht nur vergesslich, sondern zur Hälfte auch als Griechenversteher und gibt sich großzügig – mal abgesehen von so harten Brocken wie dem Finanzminister. Wolfgang Schäuble scheint der einzige zu sein, der begreift, dass

–          die Griechen ihre Schulen NIE zurückzahlen werden

–          aus Griechenland weder ein Land der Maschinenbauer noch der Internetzauberer wird

–          die griechische Verwaltung (inklusive der Finanzbehörden) nicht über Nacht schlank, unbestechlich und effektiv wird – auch nicht über 1000 Nächte

Vor allen Dingen begreift Schäuble – anders als der digitale Stammtisch, der von Medien ohne nachzudenken gerne als „das Netz“ zur nationalen Instanz überhöht wird –, dass die Rettungsaktion irgendwann in Euro und Cent abgerechnet wird. Dürfen wir wirklich sagen: Geht mich nichts an; damit sollen sich unsere Kinder und Enkel befassen. Auf Deutschland können dann bis zu 100 Milliarden Euro lasten. Damit die Zahl angesichts der Nullen-Inflation greifbar bleibt: Damit könnte man die Ausgaben des Bundes für Bildung und Forschung gut fünf Jahre lang komplett bezahlen. Oder 2800 Kilometer Autobahn neu bauen – von Berlin nach Athen beispielsweise.

Und das alles, um sich von linken Politik-Amateuren in Athen beschimpfen und verunglimpfen zu lassen, die es in wenigen Monaten geschafft haben, die Entwicklung ihres Landes umzukehren von einem zaghaften Erholungskurs an den Abgrund? Um Griechenland die Erkenntnis zu ersparen, dass sein Wohlstand weit überwiegend auf Pump gebaut ist und jetzt die ersten Raten fällig sind? Was sagen die Griechenversteher den wirklich armen Bulgaren?

Die einzigen Argumente für die Griechenlandrettung, die ich akzeptieren würde, habe ich nicht gehört. Zum Beispiel:

Weil Griechenland unsere Außengrenze bewacht und dort gerade Flüchtlingsströme anbranden.

Weil Griechenland an die Türkei grenzt, die IS-Terroristen freie Durchreise gewährt und Terrororganisationen mit Waffen ausstattet.

Weil Griechenland an die Meerenge grenzt, die seit ewigen Zeiten von Russland als strategischer Zugang der Schwarzmeerflotte zum Mittelmeer begehrt wird, und wir Putin nicht trauen können.

Weil Griechenland den Balkan zur islamischen Welt hin abschottet – wo es im Bosnienkrieg nicht nur zum schrecklichen Völkermord von Srebrenica gekommen ist, sondern wo unter anderem auch pakistanische Terrormilizen an der Seite der einheimischen Sunniten gegen die Serben gekämpft haben; wo nach wie vor Menschen, Waffen und Material in Richtung Irak und Syrien unterwegs sind.

Und weil die Amerikaner dieses Land aus ihrer Adlersicht geostrategisch als so wichtig  erachten, dass einige Milliarden Euro für seine Stabilisierung wie ein Sonderangebot wirken.

Aber so lange uns keiner sagt, dass wir mit den Milliarden an Athen auch für Frieden und Sicherheit bezahlen, können wir die Hilfspakete nur ablehnen. Und das ist alternativlos.

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