Warum Investment-Banker das Klima retten könnten

Es wird wärmer. Aller Konferenzen zum Trotz heizt sich unser Klima auf. Ob Investment-Banker helfen können?

Es sind noch sechs Monate bis zur UN-Klimakonferenz in Paris, aber schon in sechs Tagen steht der Klimawandel auf der Tagesordnung des G7-Gipfels in Bayern – die Welt bringt sich in Position. Es ist das alte Spiel: Große Worte finden für kleine Taten, die eigene Weste sauber halten – oder sie wie Deutschland mit einigen Milliarden Euro für Länder in Afrika rein waschen, wenn die Emissionen leider doch nicht sinken wie versprochen. Hauptsache, die Erwärmung unseres Planeten kann immer noch auf die magischen zwei Grad begrenzt werden, auch wenn dazu von Jahr zu Jahr mehr Rechenkunst, noch mehr Optimismus und ganz viel Magie nötig ist. Gut möglich, dass der Zauber gerade begonnen hat. Entfesselt hat ihn eine Berufsgruppe, die eigentlich nicht für Wohltaten gerühmt wird: Fondsmanager.

Das hehre Ziel, den von Menschen verursachten Temperaturanstieg auf zwei Grad zu begrenzen, ist durch Klimagipfel nicht mehr zu schaffen. Denn die Emissionen steigen, statt zu sinken. Die Verschmutzung beschleunigt sich; es wird immer teurer – und damit unwahrscheinlicher – entsprechend kräftiger auf die Bremse zu treten. Wenn das so weitergeht, hat die Menschheit spätestens in 35 Jahren so viel Kohlendioxid (CO2) in die Atmosphäre gepustet, dass die Erwärmung um (mindestens) zwei Grad nicht zu verhindern ist – mit den hinlänglich bekannten Folgen bis hin zu noch mehr Völkerwanderung und Kriegen um Wasser und Äcker.

Die einzige Chance, die Erwärmung zu stoppen, und nicht in einer der nächsten Klimakonferenzen das 3-Grad-Ziel auszurufen oder gleich das 4-Grad-Ziel und dazu Neuauflagen der Klimarisikoversicherung (G7-Vorstoß) zu vereinbaren, ist der schnelle Abschied von den fossilen Brennstoffen, von Kohle, Gas und Öl. Aber wie soll der gelingen? Gerade scheitert in Deutschland die Energiewende im Boom der Braunkohle.

Fest steht: Es muss über den Preis gehen. Noch läuft der Versuch, den CO2-Ausstoß durch den Handel mit Emissionsrechten zu verteuern. Es gibt auch Ansätze, die Energieträger direkt mit Strafsteuern (Ökosteuer) zu belegen. Klappt alles nicht so recht, weil dazu enormer politischer Mut nötig ist. Aber wie durch Magie öffnet sich gerade ein anderer Weg: Den Rohstofffirmen den Geldhahn abdrehen.

Dass das wirklich passieren könnte, lässt sich aus einer Nachricht ablesen, die in der vergangenen Woche leider zu wenig mediale Resonanz gefunden hat: Norwegen verbietet seinem Staatsfonds, dem größten der Welt, seine Milliarden in Unternehmen zu investieren, deren Geschäft zu mehr als 30 Prozent durch Kohle geprägt ist. Wenn dieses Beispiel Schule macht, kann das dem Klima mehr nutzen als die vergangenen 23 Jahre Umwelt- und Klimagipfel zusammen. Und es wird Schule machen, weil die Fondmanager nur zum Schein als Gutmenschen handeln, in Wirklichkeit aber knallharten kaufmännischen Fakten folgen.

Und zwar diesen:

Die Atmosphäre kann noch 565 Gigatonnen CO2 aufnehmen, dann kippt das Klima. Wenn die Menschheit all ihre Vorräte an Erdöl, Gas und Kohle verbrennt, pustet sie aber knapp das Fünffache in die Luft: fast 2800 Gigatonnen. Es liegt auf der Hand, dass das niemals passieren wird. Die meisten dieser wunderbaren Reserven, die Öl- und Gasfelder und Kohleminen, die die Bilanzen der Energie- und Rohstoffkonzerne und ihren Börsenwert so aufpolieren, können nicht mehr verbrannt werden. Eine Welt, die auf Brennstoffe verzichtet – auch wenn sie den Zeitplan und das 2-Grad-Ziel verfehlt – treibt die Kohle-Firmen in den Ruin.

Deshalb zieht der norwegische Staatsfonds sein Geld ab, er will nicht als Verlierer dastehen. Aber die Konzerne brauchen das Geld der Fonds, um immer neue Lagerstätten zu finden und erschließen – sie tun so, als gäbe es weder Klimawandel noch Klimapolitik. Und bisher sind die großen Kapitalgeber ihnen in diesen Wahn gefolgt, haben Jahr für Jahr Hunderte Milliarden Euro bereitgestellt, weil verlockende Geldanlagen knapp sind. Jetzt haben die Norweger den ersten Schritt getan, und sie könnten eine Kettenreaktion auslösen. Wenn weitere Fonds folgen, werden die Konzerne gezwungen, ihre Bilanzen der Wirklichkeit anzupassen, einen großen Teil ihrer Lagerstätten abzuwerten – viele werden das nicht überstehen. Nicht die Kunden und Politiker bauen dann den Energiemarkt um, sondern die großen Geldanleger.

Vielleicht könnte der G 7-Gipfel aus Bayern das Signal senden, dass der größte Staatsfonds der Welt weitsichtig handelt. Und dass die großen Nationen ernsthaft und zügig aus der fossilen Energiewirtschaft aussteigen wollen. Und dass dazu auch Erdöl und Gas gehören, die Norwegen ausklammert, weil die eigenen Öl- und Gasfelder den Fonds ja erst so mächtig machen. Hilfreich wäre auch, wenn die Anleger selbst darauf achten, dass ihre Fonds nicht in fossilen Energiequellen investiert sind – private ebenso wie Versicherungen. Denn ihr Geld ist da nicht mehr sicher.

Indem die Anleger ihre Milliarden retten, könnten sie die Rettung des Klimas einleiten.

Und dürfen dann gerne so tun, als sei das schon immer ihr Ziel gewesen.

Als Nachtrag ein Text aus ZEIT Online vom 1. Juni über die Lage und die Lobbyarbeit der Kohleindustrie.

 

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