Energiewende RLP: Lässt sich Erfolg in Quoten messen?

Obwohl in Rheinland-Pfalz fleißig Windkraftwerke gebaut werden - aus Sicht der EEG-Förderung ist das Land ein Verlierer: Eine halbe Milliarde Euro fließen über den Strompreis in andere Bundesländer ab.

Rheinland-Pfalz ist ein Energiewende-Musterland mit großen Ambitionen: Spätestens 2030 soll die Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien rechnerisch dem Gesamtverbrauch entsprechen. Die Unternehmer im Land glauben zwar nicht, dass das gelingt, und sie haben das dieser Tage erst deutlich gemacht. Aber die rot-grüne Landesregierung hat bereits große Schritte hinter sich gebracht: Fast ein Viertel des Stromverbrauchs im Land wird schon in Anlagen erzeugt, die durch das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) gefördert werden. Aber ist diese auch im Vergleich mit Bundesländern wie Hessen oder Baden-Württemberg beachtliche Quote schon ein Erfolg? Lässt sich der Erfolg der Energiewende (abseits von Umweltgesichtspunkten) in Quoten messen? Betrachten wir andere Benchmarks – die Grundlage dafür hat gerade der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (bdew) mit seiner Jahresanalyse geliefert.

23 Prozent

Diesen Anteil am Stromverbrauch in Rheinland-Pfalz liefern einheimische Erneuerbare. Oder – um genau zu sein – Erneuerbare, die Geld aus dem EEG beziehen (es gibt ja auch „saubere“ Anlagen, die nicht EEG-gefördert werden). Das ist selbstredend eine rein theoretische Messzahl – Strom kennt keine Landesgrenzen.

23 Prozent

– das klingt schon recht gut, und bis zur angestrebten 100 sind noch 15 Jahre Zeit. Im Vergleich mit Nachbar-Bundesländern steht das Land mit seiner Quote prima da – Baden-Württemberg kommt auf 20, Hessen auf 17 und das Saarland auf 9 Prozent. Bundesweit summiert sich der Anteil der Erneuerbaren am Stromverbrauch jedoch auf mehr als 27 Prozent. Ziel für 2025: 40 bis 45 Prozent.

Wie kommt’s? Bei dieser Quote spielt natürlich auch der Verbrauch eine große Rolle (in Wirtschaftskrisen steigt die Quote ganz von allein, weil die Unternehmen weniger Strom benötigen). Kein Wunder, dass bevölkerungs- und gewerbeschwache Länder wie Mecklenburg-Vorpommern auf ganz andere Werte kommen: Meck-Pomm produziert mit 134 Prozent des verbrauchten Stroms aus Wind  (Onshore) & Co. sogar einen Überschuss, Schleswig-Holstein kommt auf 93 % und Brandenburg auf 88 %. Aber auch Bundesländer mit einer ähnlichen Struktur wie unser Rheinland-Pfalz kommen auf hohe Quoten: Thüringen erreicht 43 und Niedersachsen 48 Prozent (EEG-) Ökostromanteil am Gesamtverbrauch.

Die Quote allein, das merken wir schon, ist politisch griffig und gut zu transportieren, eignet sich als Richtungsweiser, hat aber ihre Tücken. Aus diesen Zahlen ließe sich auch die Erkenntnis ableiten, dass es Bundesländer gibt, die rein geografisch und klimatisch für die Produktion von Strom aus Sonne und Wind bevorzugt geeignet sind – und nebenbei auch noch eine Menge Biomasse für zB Biogasanlagen erzeugen. Wie Mecklenburg-Vorpommern. Wäre es da nicht ökonomisch sinnvoll, solche Spezialisten zu fördern und im Süden lieber Leitungen zu bauen?

Einen anderen recht guten Anhaltspunkt dafür, ob ein Land sich richtig gut eignet für die Erzeugung von Ökostrom liefern die so genannten Jahresvolllaststunden – die geben an, wie lange alle vorhandenen Anlagen unter Volllast laufen müssten, um die Menge des in einem Jahr tatsächlich erzeugten Stromes zu produzieren. Denn: Windräder drehen sich nur selten mit maximalem Tempo. Und manchmal stehen sie still. Die Summe der Jahresvolllaststunden von Windrädern und Photovoltaikanlagen ist also viel niedriger als die Zahl der Stunden, die ein Jahr hat, nämlich 365×24 = 8760. Die Windräder in Rheinland-Pfalz müssten sich unter besten Bedingungen nur 1443 Stunden lang drehen, um unter Volllast den Strom zu erzeugen, den sie tatsächlich 2014 abgeliefert haben. Das sind gut 60 Tage und Nächte. Einen schlechteren Wert liefert nur noch Baden-Württemberg ab: 1193 Stunden bzw. knapp 50 Tage. Im Bundesdurchschnitt liegt der Wert (alles nur Anlagen an Land!) bei gut 66 Tagen oder 1590 Stunden.

Die EEG-Bilanz: negativ

Vielleicht lässt sich der Erfolg der Energiewende im Land auch danach bewerten, ob unterm Strich mehr EEG-Geld ins Land fließt als seine Firmen und Bürger im Gegenzug über den Strompreis bezahlen müssen. Da hat der starke Anstieg der EEG-Umlage im vergangenen Jahr manchem Bundesland die Bilanz verhagelt. In Rheinland-Pfalz hat sich das Ergebnis, das ohnehin negativ war, weiter verschlechtert. Die Rheinland-Pfälzer zahlen mehr als 1,3 Milliarden Euro in den EEG-Topf. Die Ökostrom-Produzenten im Land bekommen aber nur 787 Millionen Euro zurück. Aus Rheinland-Pfalz fließen im Zuge der Energiewende also unterm Strich 536 Millionen Euro ab in andere Bundesländer. Selbst wenn man die Windenergie isoliert betrachtet, bleibt ein Minus: 31 Millionen Euro. Das Land ist in Sachen EEG-Förderung schon seit Jahren ein Verlierer. Die Gewinner 2014 liegen alle im windverwöhnten Norden (wobei Offshore-Anlagen nicht mitgerechnet werden) und kassieren unterm Strich zwischen 838 Millionen (Brandenburg) und 435 Millionen Euro (Niedersachsen). Die größten Verlierer bei dieser Betrachtungsweise sind übrigens die bevölkerungs- und gewerbereichen  Nordrhein-Westfalen (- 3,1 Milliarden) und Baden-Württemberg (- 1,57 Milliarden). Auch Hessen steht schlechter da als Rheinland-Pfalz (- 1,15 Milliarden).

Ein Trost zum Schluss: Bayern, wo die Bauern ihre Scheunen und Ställe und zum Teil ihre Wiesen mit Photovoltaik-Modulen bepflastern, ist erstmals ins EEG-Minus gerutscht. Die Bayern-Bauern kassieren zwar nach wie vor knapp drei Milliarden aus dem EEG für Sonnenstrom (für den die bayerischen Stromkunden knapp zwei Milliarden bezahlen). Aber bei Wind und Biomasse macht Bayern ein so gewaltiges Minus, dass aus dem Bundesland immerhin 115 Millionen Euro abfließen. Ob die CSU sich deshalb gegen neue Trassen und noch mehr „fremden“ Windstrom wehrt?

 

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