Griechenland: Lasst uns die Rechnung bezahlen und gehen

Alte Kultur, Urlaubswetter, leere Kassen. Ferienstimmung allein zahlt leider keine Zinsen.

Wie leicht wir doch zu beruhigen sind. Die wichtigste Nachricht der Woche: Griechenland zahlt pünktlich 450 Millionen Euro zurück. Was für eine Erleichterung – man hätte sich über eine Sondersendung nach der Tagesschau nicht gewundert. Schon durchströmt eine Welle neuer Sympathie für Ouzo-Land die Bundesrepublik – alles wird gut? Deutschlands Steuerzahler, bei denen Athen mit Milliarden in der Kreide steht, freuen sich über kleinste Funken Hoffnung. Es geht ja ums Ganze, hat die Bundeskanzlerin gesagt: Ohne Griechenland kein Euro, ohne Euro kein Europa. So schnell wird ein armes, kleines, korruptes Land zur Schicksalsgöttin eines Kontinents. So schnell lässt sich die mächtigste Nation eines Kontinents von einer Laienspielregierung erpressen.

In wenigen Tagen verlangt Athen von den Euro-Finanzministern weitere 7,5 Milliarden Euro – mehr als das 15-Fache der Rückzahlung an den Internationalen Währungsfonds. Alles, was die Kassenwächter Europas im Gegenzug haben wollen, ist eine halbwegs verlässliche Zusicherung, dass das Geld nicht sofort auf Nimmerwiedersehen verschwindet. Doch die ist nicht zu haben.

Weil Griechenland weit davon entfernt ist, ein nach europäischen Durchschnitts-Maßstäben funktionierender Staat zu sein. Weil es sogar für hoch motivierte und ungewöhnlich fähige Verwaltungsspezialisten eine Sisyphus-Aufgabe wäre, daran etwas zu ändern – an diesem Augiasstall würde selbst ein Herakles scheitern. Und weil die neue Regierung weder ungewöhnlich fähig ist, noch hoch motoviert.

Dass die deutsche Bundeskanzlerin das Schicksal Europas an eine solche Truppe bindet, ist ein großer Fehler, der hoffentlich bald korrigiert wird. Ich vermute, es ist auch das schlechte Gewissen, das den Griechen mehr Sympathie, Bedeutung und Milliarden zubilligt, als sie verdient haben. Schließlich haben die großen Euro-Länder Griechenland trotz schlampiger Finanzpläne und offenkundig geschönter Bilanzen in den edlen Währungs-Club aufgenommen. Schließlich haben Deutschland und Frankreich damit angefangen, über ihre Verhältnisse zu leben und die Euro-Regeln zu brechen. Schließlich sind die Milliarden Euro, die Athen sich bei uns geliehen hat, auch in die Kassen der deutschen Wirtschaft zurück geflossen.

Der Preis für die Fehler der Vergangenheit ist inzwischen hoch genug; lasst uns die Rechnung bezahlen und gehen. Wenn Griechenland den Euro verlässt und die Kredite platzen lässt, wird der Zahltag lediglich vorgezogen – dass Athen seine Schulden jemals in voller Höhe zurückzahlt, gehört ins Reich der Fantasie. Also zahlen wir lieber sofort, als mit weiteren Milliarden schmerzhafte Verlängerungsmonate zu kaufen. Das wäre dann wirklich eine Erleichterung.

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