Jahresrückblick: Froh und dankbar und optimistisch

So langsam gehen dem Jahr die Tage aus. An ihre Stelle treten die Rückblicke auf vergangene Tage, Listen und Galerien von Taten, Toren und Toten. Erinnern und ehren, sich noch einmal freuen. Aber das ist nicht jedem genug. Es wird abgerechnet mit 2014. Als sei das vergangene Jahr uns Rechenschaft schuldig für Versprechen, die nicht eingelöst, Chancen, die vergeben wurden. Und es wird eine Hypothek aus Erwartungen und düsteren Prognosen übertragen auf das neue Jahr, statt es unbelastet zu beginnen. Dabei haben wir allen Grund, froh und dankbar und optimistisch zu sein.

Die Welt war noch nie ein Hochsicherheitstrakt.

Man muss den Betrachtungsradius nur weit genug ausdehnen, und schon finden wir schlimme Ereignisse. Das Leid der ganzen Welt landet in unserm Wohnzimmer, und es ist eine gewaltige Aufgabe und Anstrengung zu sortieren, was uns wirklich bedroht – oder was lediglich unser Mitgefühl und unsere Hilfe verdient.

Das Sortieren wird erschwert, weil die schlechten Nachrichten penetrant alle Kanäle verstopfen. Weil kaum noch Relevantes ausgewählt, sondern gleich alles getickert und getwittert und dann krachend diskutiert und verschwörungstheoretisch gedeutet wird. Und weil die in Politik und Wirtschaft Verantwortlichen die Angst als Hebel für unbequeme Entscheidungen kultiviert haben. Die Sicherheit Deutschlands wird am Hindukusch verteidigt – aber ist Afghanistan heute, zum Ende der Mission und 3500 tote Isaf-Soldaten später – befriedet? Der Klimawandel? Bedrohlichmal wenigstens, bis wichtigere Themen auf der Agenda stehen. Die Finanzkrise? Stürzt uns in die Armut. Der günstige Ölpreis? Zerstört die ohnehin wackelige Ordnung der Welt. Putin? Hat sich nach der Krim auch Lettland und vielleicht Polen auf die Speisekarte gesetzt. Kein Wunder, dass den Pegida-Deppen auch Otto Normalbürger folgt aus Sorge, dass morgen über Dresden die schwarzen Fahnen der IS wehen.

Unsere ganz persönliche Wirklichkeit am Ende des Jahres 2014 sieht völlig anders aus. Die Einkommen sind gestiegen, in manchen Gegenden herrscht quasi Vollbeschäftigung. Zuwanderer werden integriert; Unternehmen werben Azubis und Fachkräfte aus Südeuropa an. Deutschland kann sich sogar teure Irrtümer wie die Rente mit 63 und den Ausbau der Mütterrente leisten – und trotzdem erstmals seit Jahrzehnten auf neue Schulden verzichten. Der billige Euro wird den Export beflügeln, und das günstige Öl ersetzt ein kleines Konjunkturprogramm. Es sterben zehnmal mehr Menschen bei Verkehrsunfällen als durch Gewaltverbrechen.

Die deutsche Wirklichkeit ist so gut, dass es sich fast verbietet, ein noch besseres Jahr zu wünschen. Sogar mit einigen Prozent weniger Wohlstand wären wir noch besser dran als fast jedes andere Land der Welt.

Wie wäre es, wenigstens am Jahresende mal – bei allem Mitgefühl – das Leid der Welt nicht als Bedrohung zu begreifen, sondern als Beleg dafür, wie unglaublich gut wir es haben. Und dafür einfach mal DANKE zu sagen.

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