Hätte Euro-Land nur auf die Griechen gehört. Die alten.

Lange hat sie nicht gehalten, die dünne Hoffnung, dass Griechenland sich wie Portugal und Irland von der Krise erholt. Ausgerechnet in Athen, der Wiege der Demokratie, werden uns die Unwägbarkeiten von Volkes Stimme vor Augen geführt. Gut möglich, dass die linke Wellness-Abteilung mit ihrem unhaltbaren Versprechen, die Lasten zu erleichtern, die nahen Wahlen gewinnt und irgendwie den Euro-Schwur bricht. Das kann uns nicht ganz egal sein, wahrscheinlich kostet so ein ebenso ungeplantes wie unrühmliches Ende die deutschen Steuerzahler etliche Milliarden, aber das wäre ein unterm Strich noch erträgliches Ende mit Schrecken. Wie vermutete schon Heraklit: „Alles fließt“. Aber auf die alten Weisen hört ja eh keiner mehr.

Sonst wäre Griechenland erst gar nicht an den Euro gekommen – mit geschönten Bilanzen und Prognosen wie im Retsina-Rausch. Homer hätte das so kommentiert: „Zum Lügen gehören immer zwei: einer, der lügt, und einer, der es glaubt.“ Mit dem Euro-Segen in der Tasche vergaßen die Griechen auch ihren geliebten Plutarch: „Wer wenig bedarf, kommt nicht in die Lage, auf vieles verzichten zu müssen.“

Zu spät. Sie lebten weit über ihre Verhältnisse und schlugen alle Warnungen in den Wind – und mit ihnen erneut des Plutarchs Worte: „Ich brauche keinen Freund, der sich jedes Mal mit mir verändert und mein Kopfnicken erwidert, denn das tut mein Schatten besser.“ Die Strafe für diese Missachtung folgte als Beinahe-Pleite auf dem Fuß. Aber die Griechen waren ja nicht allein: „Ohne Freunde möchte niemand leben, auch wenn er alle übrigen Güter besäße.“ (Aristoteles)

Aber die Freunde aus dem Euro-Raum hatten nicht nur Rettungsschirme und Kredite im Gepäck, sondern knüpften die Hilfe an ein hartes Sparprogramm. Eine Weile glaubte Athen ja noch an Demokrit: „Mut steht am Anfang des Handelns, Glück am Ende.“ Aber jetzt scheint der Mut zur Neige gegangen zu sein. Man hätte ahnen können, wohin das führt: „Der Mangel ist ein Fluch, er reißt, ein schlimmer Lehrer, uns zum Bösen fort“, warnte schon Euripides. Da hilft auch keine Drohung aus dem Kanzlerinnenamt: „Wen das Wort nicht schlägt, den schlägt auch der Stock nicht“, sagt Sokrates, und er ergänzt treffend: „Es ist keine Schande, nichts zu wissen, wohl aber, nichts lernen zu wollen.“

Offenkundig geht eine Mehrheit der griechischen Wähler jetzt den Linken auf den Leim, die eine Genesung ohne weiteres Leiden versprechen. Ach, würdet ihr doch auf Euripides hören: „Der Eifer der Toren ist schlimmer denn der Zorn der Götter“. Nach fetten Jahren mit hohen Ansprüchen und hohem Tempo landet Griechenland dann wieder in einer anderen Welt, oder wie Plutarch es so schön formuliert: „Wer bei einem Lahmen wohnt, lernt das Hinken.“

Ob die lahmen Linken es tatsächlich auf einen wie auch immer gearteten Abschied vom Euro anlegen, haben sie noch in der Hand. Vielleicht hören sie ja dieses eine Mal wenigstens auf Pythagoras: „Die ältesten und kürzesten Wörter, nämlich JA und NEIN erfordern das meiste Nachdenken.“

Ich fürchte, dass die Griechen trotz aller Weisheit ihrer Ahnen den Wahlkampfparolen folgen statt dem Hirn und damit Heraklit bestätigen: „Viel Wissen bedeutet noch nicht Verstand.“

Mir bleibt angesichts dieser offenkundigen Umnachtung nichts anderes übrig, als vorbildlich auf Xenokrates zu hören: „Ich habe schon oft bereut gesprochen, aber noch nie, geschwiegen zu haben“ – und diesen Text zu beenden.

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