Klimawandel: Noch eine Konferenz als Rettungs-Show

Was denn nun: Klimakatastrophe oder Beruhigungspille? Auch von der Konferenz in Lima ist allenfalls ein Kompromiss zu erwaten.

Kopenhagen, Cancún, Durban, Doha, Warschau. Erinnern oder vergessen? Seit Kopenhagen hat es nicht mehr gelohnt, sich einen der Tagungsorte der Klimakonferenz zu merken – und Kopenhagen ist als grandioser Misserfolg im Gedächtnis geblieben. Kyoto steht kurz vorm 18. Geburtstag, darf aber nicht erwachsen werden. Jetzt also Lima. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt – aber vorher schrumpft sie. Und schrumpft. Es wäre ein Wunder, wenn der Welt in Lima ein großer Wurf gelänge. Oder nächstes Jahr in Paris. In einer Zeit, in der weltweit die Wirtschaft schwächelt, und ausgerechnet  ein sinkender Ölpreis den einzigen nennenswerten Konjunkturimpuls verspricht, wird keine der auf Wachstum ausgerichteten Nationen die radikale Abkehr von fossilen Brennstoffen versprechen. Und dieses Versprechen dann auch halten.

Dabei gibt es im Grunde nur zwei Optionen:

  1. Wir sind sicher, dass sich das Klima verändert mit all den schrecklichen Folgen, die der Wandel mit sich bringt, von Hungerkatastrophen über Epidemien bis zu Völkerwanderungen. Einiges spricht dafür; eine große Mehrheit der Wissenschaftler vertritt diese Überzeugung. Dann müssen verantwortungsbewusste Politiker sofort und radikal handeln: Viel weniger Öl verbrauchen, statt durch Fracking letzte Reserven anzuzapfen. Öl und Gas verteuern, statt sich über Preissenkungen zu freuen. Kohlekraftwerke abschalten.
  2. Der Klimawandel hat seit Kopenhagen seinen Schrecken verloren. Die Menschen sind nur eine von mehreren möglichen Verursachern des Temperaturanstiegs; ihr Beitrag ist zu vernachlässigen. Und: So schlimm wird es schon nicht werden, allen Anzeichen zum Trotz. Und wenn doch: Wir übernehmen die Verantwortung. Deshalb setzen wir alle Klimakonferenzen aus und stoppen die Energiewende, die unsere Bürger schon genug belastet hat.

Weitere Interpretationsmöglichkeiten gibt es nicht. Der Klimawandel lässt keinen Mittelweg zum Durchwursteln.

Dass Welt-Klimakonferenzen stattfinden, dass Legionen von Forschern und Instituten in aller Welt den Klimawandel vermessen, erkunden und prognostizieren, dass Deutschland in jedem Jahr mehr als 20 Milliarden Euro von seinen Bürgern einzieht und in Windräder oder Photovoltaik investiert – das alles spricht im Grunde für die erste Überzeugung. Aber was wir da erleben, ist bei weitem nicht genug, um den Anstieg der globalen Temperaturen auch nur zu bremsen. Wir erleben Kosmetik-Politik mit Rücksicht auf mächtige Lobbys. Momentan startet der zum Genossen der Bosse gewandelte  Umweltminister in Deutschland sogar den Versuch, gleichzeitig die Kohlekumpels und die Windradbetreiber im Geschäft zu halten. Und der CO2-Ausstoß steigt, statt zu sinken.

Konsequent wäre, die Teilnahme an der Konferenz in Lima abzusagen.  Sie findet nicht statt, um die Welt zu retten, sondern das Ansehen der Regierenden. Sie ist eine Show-Veranstaltung mit absehbarem Ergebnis: Irgendein Kompromiss, der den armen Nationen Milliarden in Aussicht stellt, um die Folgen des Klimawandels zu bekämpfen; als Schweigegeld, von dem ein ordentlicher Anteil irgendwie in die Taschen korrupter Beamter und regierender Clans fließt. Dazu gibt es einen Wust von Prozentzahlen und Prozentzielen, deren Sinn allenfalls die Erfinder der Tricksereien verstehen. Man sucht sich die passenden Vergleichswerte aus, damit selbst ein Anstieg noch wie eine Reduktion aussieht. Wie das bisher funktioniert hat, veranschaulicht diese ZEIT-Grafik perfekt.

Wenn uns wirklich ein Klimawandel ins Haus steht, wie ihn die Mehrheit der Forscher vorhersagt, haben wir von solchen Konferenzen nichts zu erwarten. Die Regierungen der wohlhabenden Länder haben das eingesehen. Während sie uns vorgaukeln, den Klimawandel bekämpfen zu wollen, haben sie längst vor der Wirtschaft und dem Diktat des Wachstums kapituliert. Sie bereiten sich auf die Katastrophe vor mit Dämmen, neuem Saatgut, mit Impfstoffen und dem Erwerb gewaltiger Ackerflächen in flutsicheren Ländern. Aber auch mit Mauern und Zäunen gegen zu erwartende Flüchtlingsströme: wie die USA an der Grenze zu Mexiko oder Indien an der Grenze zu Bangladesch. Oder dem virtuellen Zaun, den die EU im Süden aufbaut.

Die Konferenz in Lima verspricht weniger Hoffnung als Anlass zur Sorge.

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