Bonus für Daten: Was Generali plant, macht AOK schon lange

Ob es dafür Bonuspunkte gibt? Wer seine Bewegungen protokollieren lässt, hat bei verschiedenen Versicherern gute Aussichten auf Bares und Boni.

War das eine Aufregung. Der Versicherungskonzern Generali gibt bekannt, dass er Rabatte gewährt, wenn Kunden fit sind und gesundheitsbewusst leben und das per App nachweisen, und bekommt dafür jede Menge öffentliches Echo von der Süddeutschen bis zur Tagesschau. Die hauptamtlichen Datenschützer geben sich alarmiert und warnen reflexhaft, als stehe plötzlich der große Bruder des Großen Bruders vor der Tür. Ein bisschen Recherche hätte gezeigt, dass das Thema ziemlich alt und es für Aufgeregtheit und Warnungen schon zu spät ist.

Was die Marketingstrategen von Generali da so erfolgreich als Neuerung verkauft haben – im Marketingsprech: Den Versicherten dabei helfen, gesund zu leben –, ist so neu nicht. Ein Blick auf die Webseiten von AOK und DAK hätte zu dieser wertvollen Erkenntnis ausgereicht. Die AOK Nordost hat seit Monaten eine App im Programm, die sie „mobil vital“ nennt. Dahinter steckt ein Angebot des Schweizer Unternehmens dacadoo AG. Die AOK übernimmt die Lizenzgebühren für ein Jahr und bekommt im Gegenzug anonymisierte Angaben über die Entwicklung des Gesundheitspunktekontos, neudeutsch „health score“ genannt.

Auch die DAK ist schon eine Weile für die Fitness der Versicherten aktiv und lockt – wie Generali – mit Geschenken im Gegenzug fürs Training und Daten abliefern. Wer die DAK FitCheck-App installiert und benutzt, kann mit Jogging und Radfahren Bonuspunkte sammeln und diese in Bargeld umtauschen.

Die Krankenversicherer sind nicht die einzigen, die das Internet der Dinge für sich entdeckt haben. Kunden der Sparkassen-Direktversicherung in Düsseldorf können sich einen kleinen Sender ins Auto einbauen und so prüfen lassen, ob der Fahrstil in Ordnung ist. Auch hier gibt es ein Punktesystem, und am Monatsende wird abgerechnet: Wer im Sinne des Senders gut gefahren ist, zahlt weniger Beitrag. Der Auswertungs- und Telekom-Partner ist die spanische Telefonica.

Genau diesen Weg marschiert jetzt auch die Signal Iduna. Sie verbindet einen kleinen Datensammler im Auto per App mit dem Smartphone und bietet für versicherungsgerechte Fahrweise hohe Rabatte, die sich besonders für Fahranfänger lohnen.

Und das ist erst der Anfang. Die Datensammler haben sich längst auf breiter Front dem realen, wirklichen Leben zugewandt. Wo Boni und Rabatte locken, werfen die Kunden schnell Datenschutzwarnungen über Bord – die Warteliste der Düsseldorfer Sparkassenversicherung ist angeblich lang.

Solche Themen sind immer weniger eine Frage des Datenschutzes. Gerade bei Versicherern in Deutschland können wir davon ausgehen, dass die Profile ausreichend anonymisiert werden. Wichtiger wäre ein gesetzlicher Rahmen, der diese verhaltensabhängigen Geschäftsmodelle regelt. Sonst könnten Krankenversicherer irgendwann Kunden ablehnen, die keinen Fitnesstracker benutzen. Oder Kunden kündigen, die zu schlechte Werte senden – oder von den Auswertungscomputern gar eine üble Prognose gestellt bekommen. Und wer löscht die Daten bei einem Anbieterwechsel?

Auch wenn der Marketing-Coup von Generali den gewünschten Überraschungseffekt ausgelöst hat: Dieser Zug rollt längst, und er hat sowohl Datenschützer als auch Gesetzgeber abgehängt. Es wird Zeit, sich weniger zu entrüsten und sich stattdessen an die Arbeit zu machen. Und die Zukunft zu gestalten.

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