Wo Cranberries in Erdbeeren oder Kirschen verwandelt werden

Garantiert echte Kirschen. Was hingegen in manchen Lebensmitteln als Kirsche daher kommt, könnte eine Cranberry sein.

Wer sich mit industriell erzeugtem Essen befasst (wie ich dieser Tage für ein Seminar), erlebt immer wieder Überraschungen. Die hier muss ich einfach teilen. Die Hersteller legen eine bewundernswerte Kreativität an den Tag, um uns Kunden zu jeder Zeit preiswert und komfortabel mit schmackhaften Lebensmitteln zu versorgen. Dazu gehören aber auch Täuschungen wie diese:

Wir lieben Früchte wie Kirschen und Erdbeeren und Mangos und Apfelsinen. Aber die sind zum einen nur schwer in einen industriellen Fertigungsprozess einzubauen und zum andern nicht in ausreichender Menge verfügbar. Alle Erdbeeren der Welt genügen nicht einmal, um zehn Prozent der Nachfrage in den USA zu befriedigen – selbst wenn der Rest der Welt leer ausgeht. Dass wir trotzdem nicht auf diesen wunderbaren Geschmack verzichten müssen, haben wir zwei Tricks zu verdanken: Der erste ist der Trick mit dem Aroma, das zum Beispiel von Mikroben erzeugt wird, die Rinde vertilgen. Das beschert Erdbeergeschmack ganz ohne Erdbeeren.

Aber wir wollen auch was zu beißen haben. Stückchen. Frucht. Dabei hilft zum Beispiel eine Firma aus den USA, auf die ich bei Recherchen gestoßen bin. Wer im Internet deren Namen eingibt: Ocean Spray (Massachusetts), der landet in einer Familienwelt der Säfte und Beeren. Die Firma befasst sich mit Cranberries. Die Kranbeere wird in Neuengland auf riesigen Flächen angebaut, und sie kann komplett von Maschinen geerntet und sortiert werden. Eigentlich ist die Kranbeere herb und sauer. Aber trotzdem kann sie sich prima als Kirsche verkleiden. Oder als Apfelsine. Dabei hilft ebenfalls die Cranberry-Firma Ocean Spray.

Oder besser gesagt: die Ocean Spray Ingredient Technology Group. Die beliefert unter anderem auch deutsche Lebensmittelhersteller mit innovativen Produkten. Zum Beispiel mit Cranberries, die wie Erdbeeren schmecken. Die Produktpalette umfasst auch Cranberries, maskiert als Mango oder Apfelsine oder Blaubeere, Granatapfel oder Himbeere. Die Herstellung: Süßer Sirup wird in die Frucht gespritzt. Dazu Geschmack. Und ein Ölspray.

Diese Ersatzfrüchtchen haben einige tolle Eigenschaften, die sie für die maschinelle Verarbeitung besonders attraktiv machen: Sie haben nicht nur den Geschmack der jeweiligen Frucht, sie verfügen auch über eine robuste Stabilität, wie der Hersteller verspricht. Während der Verarbeitung verlieren sie weder Geschmack noch Farbe oder Form. Und: Sie halten im Regal zwei Jahre, ohne zu verderben. Ihr wichtigster Bestandteil ist (neben Aromastoffen natürlich) der Zucker – mit etwa zwei Drittel des Gesamtgewichts.

Wer sich über Fertigessen „mit Fruchtstückchen“ freut, sollte also mal genau darauf herum kauen. Es kann gut sein, dass nicht die auf dem Etikett bunt abgebildeten Obstsorten serviert werden, sondern verkleidete Cranberries aus Amerika.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Ökonologie abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

I accept that my given data and my IP address is sent to a server in the USA only for the purpose of spam prevention through the Akismet program.More information on Akismet and GDPR.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.