Statistik zeigt die Schwächen der Energiewende

Noch hat sie nicht abgehoben, die Energiewende. Auch die neue Verbrauchsstatistik zeigt: Die konventionelle Stromerzeugung entwickelt sich falsch.

Floppt oder funktioniert die Energiewende? Eine Antwort auf diese Frage suchen wir besser nicht in politischen Diskussionen. Denn da wird ausgeschmückt, interpretiert, mal schwarz gemalt, mal rosarot. Über den aktuellen Stand dieses Jahrhundertprojekts, das die meisten Stromkunden in Deutschland mit insgesamt mehr als 20 Milliarden Euro pro Jahr belastet, informiert viel zuverlässiger die Statistik über Stromverbrauch und -erzeugung. Jetzt sind die Zahlen für das erste Halbjahr da. Es berichtet der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW).

Positiv: Der Anteil der erneuerbaren Energien am Brutto-Inlandsstromverbrauch stieg auf einen neuen Rekordwert von 28, 5 Prozent – das sind vier Prozentpunkte mehr als 2013. Windräder lieferten 31 Milliarden Kilowattstunden und damit gut 21 Prozent mehr. Bei der Photovoltaik beträgt der Anstieg sogar mehr als 27 Prozent (auf 22 Milliarden Kilowattstunden). Das hat mit Wind und Wetter zu tun, aber auch mit der immer noch steigenden Zahl der Anlagen.

Dieser Rekord könnte die Hoffnung auf eine sinkende EEG-Zulage zunichtemachen.

Negativ: Während die Erneuerbaren aufdrehten, ging der Anteil der konventionellen Kraftwerke naturgemäß zurück. Aber nicht gleichmäßig. Vor allem die Gasturbinen wurden ausgebremst. Leider. Hier haben wir moderne Anlagen im Stillstand, und Gas ist viel umweltfreundlicher als Kohle. Der Erdgasanteil an der Stromerzeugung ging auf unter 10 Prozent zurück (Vorjahr: 11,4 %), von 36 Milliarden Kilowattstunden auf nur noch 30 Milliarden und damit unter die Lieferung der Windräder – ein Minus von 16 Prozent. Das zeigt, wo es in der Erzeugung bei der Energiewende hakt. Gas ist überproportional auf dem Rückzug. Der Anteil der Steinkohle sank ebenfalls, aber nur von 19,7 auf 18 Prozent, beziehungsweise von 63 auf 56 Milliarden Kilowattstunden – ein Minus von nur ca. 10 Prozent. Ganz fein raus ist die größte Dreckschleuder: Der Anteil der Braunkohle blieb trotz des steigenden Ökostromanteils und des sinkenden Stromverbrauchs mit 25,1 Prozent (77 Milliarden kWh) (Vorjahr: 25,3 % / 81) fast konstant.

Die Kernenergie verteidigt ihre Liefermenge ebenfalls. Sie ging lediglich von 48 auf 47 Milliarden kWh zurück. Damit ist der Anteil der Kernenergie an der Stromerzeugung bei rückläufigem Verbrauch sogar noch leicht gestiegen: von 17 auf 17,5 Prozent. Die Energiewendepolitik schafft es also, das saubere Gas vom Markt zu drängen, die schmutzige Braunkohle zu stabilisieren und die Kernenergie zu fördern. Und das kostet 22 Milliarden Euro im Jahr.

Zur Statistik: Der Stromverbrauch in Deutschland ist dank der warmen Witterung im Vergleich zum 1. Halbjahr 2013 um fünf Prozent von 282 auf 268 Milliarden Kilowattstunden gesunken. Das Wirtschaftswachstum konnte diesen Rückgang nicht ausgleichen –die konjunkturelle Entwicklung war halt nicht in allen Branchen positiv.

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