Krank durch Essen: Übergewicht kostet Billionen

Am Weltnichtrauchertag geht mir eine andere Nachricht der Woche nicht aus dem Kopf, die weit weniger Aufmerksamkeit gefunden hat: Mehr als die Hälfte der Deutschen sind zu dick. Während der Kampf gegen die Zigaretten lautstark und mit schönem Erfolg geführt wird, wälzt sich das Problem der Fettleibigkeit leise auf uns zu. Es wird das nächste große Megathema der Volksgesundheit. Bei den Männern bringt schon fast eine Zwei-Drittel-Mehrheit zu viel Gewicht auf die Waage. Weit mehr als das Rauchen macht uns das Essen krank. Höchste Zeit, dass das Thema Ernährung auf den Lehrplänen nach oben rückt und der Lebensmittelindustrie schärfer auf die Finger geschaut wird.

Falsche Ernährung wird für 40 Prozent der Krebserkrankungen verantwortlich gemacht. Auch Diabetes und Herz-Kreislauf-Krankheiten können direkt mit Übergewicht in Verbindung gebracht werden. Vor diesem Hintergrund zeigt die aktuelle Studie eine alarmierende Entwicklung auf. Der Anteil der Dicken nimmt weltweit zu; in Deutschland sind 49 Prozent der Frauen und sage und schreibe 64 Prozent der Männer zu dick. Immer mehr Kinder und Jugendliche haben Übergewicht.

Nun kann man über einige Kilo rauf oder runter und den Body-Mass-Index (BMI) als Maßstab streiten. Aber dass die allgemeine Gewichtszunahme keine Erfindung magersüchtiger Statistiker ist, belegt ein wacher Blick in die Fußgängerzonen.  Und dass längst nicht alle Dicken reine Wonneproppen sind, beweisen die Milliardenumsätze der Diät-Industrie und die explodierende Zahl der Magenverkleinerungen.

Woher kommt die Zunahme? Die Forscher haben wohl nicht rein zufällig das Jahr 1980 als Vergleichszeitraum gewählt: Weltweit gelten die 1970er und 1980er Jahre als Ernährungswende. In diesen Jahrzehnten begann die flächendeckende Versorgung mit Fertigessen zu günstigen Preisen in Supermärkten und Schnellrestaurants.

Das an sich wäre kein Problem, wenn die Hersteller nicht gleichzeitig das Geheimnis des Geschmacks entschlüsselt hätten: Es ist eine Kombination von Zucker und Fett, die Essen unwiderstehlich macht – mit Suchtpotenzial. Zum Glück für die weltweite Industrie sind das billige Zutaten, und sie lassen sich auch in Deutschland auf der Liste der Inhaltsstoffe gut verstecken. Den Rest übernimmt die Werbung.

Und schon schaufelt man guten Gewissens beim Frühstück genügend Kalorien für einen ganzen Tag in sich hinein, ohne es zu merken. Vor allem die industriell gefertigten Getränke, Mahlzeiten und Snacks liefern eine unnatürliche Energiedichte. Gleichzeitig wird daheim seltener gekocht – es scheint, als dienten Kochsendungen und Kochbücherbestseller lediglich als Anregung für den nächsten Gang zum Kühlregal.

Schon heute belasten die von Übergewicht ausgelösten Krankheiten die Gesundheits- und Sozialsysteme stärker als die Folgen des Rauchens. Aber im Gegenteil zum Rauchen ist Übergewicht gesellschaftlich akzeptiert („ein Mann ohne Bauch ist ein Krüppel“). Das macht es so schwer, den Trend umzukehren. Aber es gibt keine Alternative. Falsche Ernährung verursacht weltweit Kosten in Höhe von 2,5 Billionen Euro pro Jahr. Das kann sich keine Gesellschaft leisten.

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