Gen-Hähnchen gibt es (fast) überall – nicht nur bei McDonald‘s

Als ob es bisher ein reiner Bio-Öko-Genuss war, sich bei McDondald’s mit Chicken McNuggets vollzustopfen. Diese goldgelb frittierten Stückchen süß-fettiger Panade mit dem irgendwie an Hühnerfleisch erinnernden Presskern waren nie ein Paradebeispiel für gesunde, nachhaltige Ernährung. Trotzdem fällt Greenpeace über die Burger-Kette her, weil sie künftig nicht mehr garantieren kann/will, dass ihre Hühnerprodukte von Tieren stammen, die ohne gentechnisch verändertes Futter gemästet worden sind. Ohne die Fastfood-Lieferanten in Schutz zu nehmen: Da ist es wenigstens klar, dass Gentechnik in die Fritteuse kommt, und man kann den Laden meiden. Im Supermarkt sieht das anders aus. Die meisten Händler bekommen ihre Hähnchen, Hähnchenteile, Nuggets ja auch aus den Riesenmästereien – und da wird fast durch die Bank Gensoja verfüttert. Aber das steht nicht auf der Verpackung.

Schon vor zwei Monaten haben die größten deutschen Lieferanten von Geflügelfleisch (Wiesenhof und Rothkötter) kundgetan, dass sie wieder Gensoja in die Futterrinnen kippen. Damit endeten 14 Jahre der freiwilligen Enthaltsamkeit – naja: die war nicht lupenrein, aber wenigstens wurde das meiste Geflügel in Deutschland mit genetisch unverändertem Futter gemästet. Das ist nun vorbei.

Die Mastbetriebe sagen, dass sie auf dem Weltmarkt nicht mehr genug gentechnisch unverändertes Soja kaufen können. Das mag sein – immerhin erleichtert der Anbau der Reißbrett-Pflanzen die industrielle Landwirtschaft ungemein; 80 Prozent der Welternte stammen von Kunstpflanzen. Vor allem in Südamerika werden immer mehr Weiden in Ackerland verwandelt, um die Mastbetriebe (und zunehmend die Tanks) der Welt mit Soja zu versorgen. Billigem Soja. Gensoja. Alleine für den deutschen Markt werden Soja-Felder benötigt, die zusammen die Größe von Rheinland-Pfalz übertreffen. Mag also sein, dass „sauberes“ Soja knapper wird und auf den Handelswegen um den Globus eine Verunreinigung mit Gensoja nicht 100% zu vermeiden ist.

Nicht auszuschließen ist aber auch, dass der Preis die Hauptrolle spielt. Soja (= Sojaextraktionsschrot) von gentechnisch veränderten Pflanzen ist viel billiger, und zwar um die 130 Euro pro Tonne. Weil aber ein Hähnchen pro Kilo Lebendgewicht zwei bis drei Kilo Futter frisst, könnte das im Pfennigfuchserkrieg der Supermärkte und Burgerbrätereien durchaus auch eine Rolle spielen.

Wie dem auch sei: McDonald’s hat es nicht verdient, den Schwarzen Peter alleine zu bekommen. Fast alle Supermarktketten bieten jetzt Fleisch und/oder Eier von Hühnern an, die gentechnisch verändertes Soja gefressen haben. Nach Angaben von Greenpeace garantieren nur REWE und tegut (noch) gentechnikfreie Hühnerprodukte; Real verspricht zumindest „saubere“ Eier. Wie man sieht: weder ALDI noch Lidl reihen sich in diese Ausnahmeliste ein.

Was jede/r tun kann: Bei den Politikern ihres/seines Vertrauens eine Kennzeichnungspflicht für Produkte von Tieren einfordern, die mit gentechnisch verändertem Futter versorgt worden sind. Und sich vor dem Einkauf darüber informieren, welcher Laden sich (noch) an die Selbstverpflichtung hält. Hilfreich wäre auch: Maß halten. Jeder Deutsche isst im seinem Leben knapp 1000 Hühner; Deutschland ist mit 600 Millionen Hähnchen pro Jahr der Schlachthof Nr. 1 in Europa.

Wir wollen billige Nuggets, die Mäster wollen billiges Futter: Das für die Ernährung der Masthähnchen und Legehennen nötige Soja kommt aus Brasilien, Argentinien und den USA – allesamt Länder, deren Soja-Ernte zu 90 Prozent und mehr von genetisch veränderten Pflanzen stammt. Ach ja: 75 Prozent der deutschen Verbraucher wünschen sich ein Siegel „ohne Gentechnik“ auf Hähnchen und Eiern. Aber wen kümmert das schon. Noch Fragen?

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