Der Klimarat sät Zweifel – und gewinnt Glaubwürdigkeit

Diese japanische Kirsche können wir auch zu den Neophyten rechnen - Pflanzen, die eingereist sind. Aber den Blütentraum hat uns nicht der Klimawandel beschert, sondern ein Gärtner.

Wer über Jahre hinweg immer lauter davor warnt, dass bald die Welt untergeht, tut sich schwer damit, das eine oder andere „Vielleicht“ einzufügen. Der Weltklimarat hat sich in seinem neuen Bericht spürbar bemüht, zwar immer noch warnend, aber weniger schrill alarmierend zu klingen. Das wirkt anfangs etwas sonderbar vor dem Hintergrund der extrem düsteren Prognosen der Vorjahre, wird der Arbeit des Rates in den nächsten Jahren aber mehr Glaubwürdigkeit und Gewicht verleihen.

Es sind ungewohnte Formulierungen, die in dem Papier zu finden sind, das gerade in Yokohama vorgestellt wurde: Zweifel an den vorliegenden Daten. Zweifel an deren korrekter Interpretation. Die Sicherheit der Vergangenheit ist dahin – dies ist die Folge etlicher Skandale um betrügerische Manipulation von Klimadaten und –modellen. Beispiele für den Klimawandel im Rat: Das Gremium vermutet, dass weltweit die Ernteerträge schrumpfen – hält aber auch positive Überraschungen für möglich (ein Teil der Forscher rechnet sogar mit steigenden Erträgen). Eine Abkehr vom Alarmismus und konkreten Vorhersagen gibt es auch beim Einfluss der Erderwärmung auf das Artensterben: Der Bericht geht zwar davon aus, dass sich viele Pflanzen und Tiere nicht schnell genug an die Veränderungen anpassen können. Aber diesmal verzichtet der Rat auf konkrete Zahlen und weist auf Unsicherheiten und fehlende Belege hin.

Noch erfreulicher als diese neue, wissenschaftlich korrekte Distanz ist, dass auch der Glaube an die Fähigkeiten der Menschen, sich anzupassen und die nötigen technischen Antworten auf den Wandel zu finden, berücksichtigt wird. Das gilt in erster Linie bei der Umstellung des Lebenswandels und der Vorbereitung auf die Folgen der Erwärmung – zumindest die wohlhabenden Staaten sind dabei, auf allen Ebenen Vorkehrungen zu treffen, etwa beim Schutz der Meeresküsten. Die Forscher halten es auch für möglich, dass die Agrarindustrie die Einbußen in der Landwirtschaft durch bessere Anbaumethoden und neue Sorten ausgleichen kann. Vielleicht lässt sich sogar die Klimaerwärmung insgesamt noch bremsen – wenn alle mitziehen. Es ist noch Zeit.

Aber nicht nur im Positiven, auch im Negativen wirkt der Mensch manchmal stärker als der Klimawandel. Auf die Gesundheit beispielsweise haben andere menschliche Faktoren mehr Einfluss – etwa die Lebens- und Essgewohnheiten (aber auch hier verhallen, trotz der wissenschaftlichen Gewissheit, alle Appelle wirkungslos).

Eine deutliche Korrektur gibt es bei der Vorhersage des Schadens für die Weltwirtschaft. Vor acht Jahren schaffte es der Brite Nicholas Stern noch in die Schlagzeilen mit seiner Prognose, dass der Klimawandel ein Fünftel der Wirtschaftsleistung verzehren könne. Jetzt werden aus diesen 20 Prozent nur noch 0,2 bis 2 Prozent. Das ist fast zu vernachlässigen, wenn man vergleicht, wie die Krimkrise oder die Schwäche der Eurozone auf die Konjunktur durchschlagen.

All diese Zweifel und Korrekturen tun dem Bericht und dem Weltklimarat gut. Sie verleihen dem Kern der Botschaft mehr Glaubwürdigkeit: Die Welt erwärmt sich ohne Zweifel. Gletscher schmelzen, Wüsten wachsen, Stürme und Überflutungen nehmen zu; die Natur verändert sich und mit ihr der Lebensraum der Menschheit. Das Ergebnis ist offen – es kann erträglich sein. Oder tödlich. Ob diese Sicherheiten nicht genügen, ernsthaft den Kurs zu korrigieren?

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