EU verschärft Regeln – Bio-Lebensmittel müssen teurer werden

Tatsächlich aus der Region, gleich um die Ecke. Aber nicht alles, was als "öko" oder "bio" deklariert ist, führt das Siegel zu Recht. Die EU will schärfere Regeln.

Bio ist gesund, bio ist trendig, bio ist häufig Betrug. Seit Jahren wächst der Verkauf von angeblich korrekt erzeugtem Essen deutlich schneller als die Größe der Felder für den Öko-Anbau. Das macht nicht nur die Verbraucher stutzig, sondern inzwischen auch die EU-Kommission. Sie will endlich die Regeln für die Vergabe des Bio-Siegels und die Kontrollen verschärfen. Wenn deshalb die Preise für Lebensmittel steigen, dann ist das sehr erfreulich. Es kann kein ökologisch korrekt erzeugtes Essen geben, das nach heutigen Maßstäben billig ist.

Das sollten sich auch jene 74 Prozent der EU-Bürger vor Augen halten, die sich laut einer Umfrage im vergangenen Jahr für schärfere Regeln und Kontrollen ausgesprochen haben. In Deutschland ist das den Kunden jedenfalls kaum bewusst – sie verlangen billige Bioprodukte und wollen zu jeder Jahreszeit jedes Obst und Gemüse wider die Natur, aber reinen Gewissens kaufen können.

Wie soll das funktionieren ohne Zugeständnisse an die Qualität? Schon heute müssen die Supermärkte immer mehr Bio-Waren aus dem Ausland einführen – was die Umweltbilanz dieser Lebensmittel gründlich verdirbt. Und was Betrüger anzieht wie jene Italiener, die vor wenigen Jahren Hunderttausende Tonnen gefälschter Bio-Lebensmittel exportierten.

Die Nachfrage nach der angeblich so gesunden Nahrung wächst rasant – viel schneller als die Öko-Felder. In Deutschland nehmen die Öko-Ackerflächen kaum noch zu, von 2012 bis 2013 um lediglich ein Prozent. Große Schuld daran hat die Förderung von Öko-Energie. Die Nachfrage nach Feldern zum Anbau von Energiepflanzen (Mais, Raps) ist ebenfalls stark gestiegen – und die Energie-Agrar-Investoren können dank staatlicher Subventionen ein Mehrfaches dessen an Pacht bezahlen, was ein Ökobauer pro Hektar überhaupt erwirtschaften kann.

Die Konsequenz dieser Entwicklung: Auch die Biolandwirtschaft organisiert sich industriell, Saatgut und Futtermittel kommen häufig aus dem ganz normalen Sortiment. Während die Eierwerbung ein Dutzend Hennen und ihren stolzen Hahn auf saftiger Wiese zeigt, legen Tausende Hennen in riesigen Ställen pro Kopf mehr als 250 Eier im Jahr. Für das Prädikat „Freilandhaltung“ genügt ein ausreichender Auslauf (mehr als vier Quadratmeter pro Tier) – ob er genutzt wird oder nicht.

In Deutschland leben ständig gut 60 Millionen Masthühner – darunter 40 Millionen Legehennen, von denen nicht einmal zehn Prozent ihre Eier in Bio-Betrieben legen. Da ist es angesichts der höheren Verkaufspreise verlockend, normale Eier in Bio-Eier umzuwidmen. Kein Wunder, dass die Bio-Branche schon etliche Skandale aushalten musste.

Daran werden auch die schärferen Regeln wenig ändern, die jetzt in Brüssel auf den etwa ein Jahr langen Weg durch die Instanzen geschickt wurden. Sie richten sich naturgemäß vor allem an die Großbetriebe und die Industrie, weil dort die Supermarkt-Versorgung der Massen organisiert wird – bis hin zur Perversion angeblich ökologisch korrekter Fertiggerichte. Für das Überleben der kleinen Öko-Bauernhöfe werden die wirklich wählerischen Verbraucher selbst sorgen, indem sie Obst und Gemüse der Saison im Hofladen kaufen oder in Regionalläden. Und indem sie das Supermarktpersonal nerven, wenn es ihnen mal wieder in Koblenz Obst aus Norddeutschland oder Gemüse vom Bodensee als „aus der Region“ andrehen will.

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