Zuckerberg und Peitsche: WhatsApp und die Welt-Strategie

Keine Sorge, Facebook wird seine Neuerwerbung WhatsApp sicher ebenso selbstständig lassen wie seine  Tochter Instagram – denn das ist die blaue Strategie zur Eroberung der Welt: Jeder Zielgruppe die passende Plattform. Und Facebook ist (und bleibt) die Plattform der Etablierten, nicht der Jugend. Da ist WhatsApp Marktführer und soll sich im Auftrag des neuen Herrn gegen Threema (Schweizer Daten-Bankgeheimnis) und Line (japanische Offensive) behaupten im Messengermarkt – und gegen Snapchat, wo Zuckerberg vergebens Milliarden geboten hat (vielleicht hat er deshalb dieses Mal so hoch geboten). Was allerdings garantiert passieren wird mit und bei WhatsApp: Sie werden Werbung platzieren, nachdem Facebook ja so tolle Ergebnisse gerade mit mobiler Werbung erzielt. Und sie werden unsere Profile abgreifen. Wer es sicherer haben will, benutzt ohnehin nicht WhatsApp, sondern Threema – aber das ist eine Minderheit, noch kleiner als die der fremdenfreundlichen Schweizer.

Facebook kauft (und braucht) keine Verjüngungskur – so tickt WhatsApp auch wahrhaftig nicht. Beim ersten Anzeichen dafür, dass die App zur Jugendabteilung des alternden Riesen gewandelt wird, laufen ihr die jungen Abonnenten in Scharen weg. Die Alternativen sind nur einen Klick entfernt und haben durchaus eine Menge an Extras zu bieten: Threema die Sicherheit, Line (wie das noch viel kleinere Viber) die Skype-Funktionalitäten.

Nein. Facebook nutzt seine ungeheure Monetenmacht nicht zum Facelift, sondern um sein Dickschiff mit einer Flotte schlanker, schneller, junger Beiboote zu umgeben. Das hat zwei Gründe: Instagram und WhatsApp nehmen jene dankend auf, die Facebook verlassen, weil sie sich langweilen und es öde finden, dass sich die Eltern und Großeltern ebenfalls dort tummeln. Außerdem rufen die Beiboote „hier!“, wenn die Werbewirtschaft die Zielgruppe unter 24 Jahren beschallen will.

Facebook, unangefochten führend bei den Menschen, die älter sind als 24 Jahre und rasant wachsend bei den über 55-Jährigen, liegt voll im Trend: Den Babyboomern gehört in Europa und den USA die Aufmerksamkeit der Märkte. Heute und in den nächsten Jahren. Aber ohne ein Angebot an die Jugend würde die Erfolgsgeschichte von Facebook mit der unvermeidlichen Vergreisung der Babyboomer enden.

Facebook hat das lange übersehen – wahrscheinlich im Überschwang des Glaubens an die eigene ewige Jugend. Aber das Unternehmen kann sich solche Fehler noch erlauben, weil die Kassen mit Milliarden gefüllt sind. So lässt sich die alte Geschäftsweisheit locker umsetzen: Kaufe, was Du nicht platt machen kannst. So lange Facebook die richtigen Beiboote kauft und mit gnadenlosem Management à la  Zuckerberg und Peitsche zum Erfolg steuert, kommt der blaue Riese seinem Ziel näher, die gesamte Internet-Menschheit mit eigenen Diensten zu vernetzen.

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