Happy Birthday! Facebook ist älter geworden – gut so!

Gratulanten, die Facebook zum zehnten Geburtstag besonders loben wollen, sagen: Das riesige soziale Netzwerk ist in der Normalität angekommen. Was so liebevoll gemeint ist, beschreibt aber keinen Wandel, sondern ein Geheimnis des Erfolgs: Facebook ist im Herzen immer noch analog geprägt – es hat „die Normalität“ nie verlassen. Um überleben und weiter wachsen zu können, muss der Riese so weitermachen, gleichzeitig altern und neue, unnormale Wege gehen. Facebook hat diese Kraft, mehrgleisig zu fahren.

Sich scheinbar widersprechende Nachrichten haben Facebook auf dem Weg zur Geburtstagsparty begleitet: dass die Jugend dem Dienst in Scharen den Rücken kehrt, aber auch, dass Facebook weiter wächst und höchst profitabel ist. Beides stimmt, und das liegt genau an der „Normalität“, von der zum zehnten Geburtstag häufig die Rede ist.

Facebook war eine Revolution, weil es das Internet der öffentlichen Gemeinschaften und der Eitelkeit erfand. Dabei ist es aber im Grunde immer noch das Gesichts-Buch geblieben, das Fotoalbum einer Internetgeneration, die sich der Welt mitteilen will. Fotos/Videos und Texte an eine Wand heften, Freunde und Bekannte finden, angeben – das alles ist vertraut genug, um neben der älter werdenden Generation von Mark Zuckerberg auch deren Eltern und Großeltern zu faszinieren. In den USA stellen die 25- bis 54-Jährigen weit mehr als die Hälfte der Facebook-Nutzer, und die Generation 55-plus holt mächtig auf, die Jüngeren finden es langweilig.

Wer darin ein Problem sieht, verkennt die Lage. Facebook lebt vom Verkauf seiner Reichweite für Werbung und Marketing, und die Werbebranche der alten Industrienationen orientiert sich immer mehr an den Älteren, den heute 50-jährigen Babyboomern, der künftigen Mehrheit wohlhabender Rentner. Was die Kids lästig finden: dass jetzt auch Oma und Opa „Likes“ verteilen, freut die Reichweitenverkäufer von Facebook – kein Wunder, dass Umsatz und Gewinn rasant steigen.

Und Facebook pflegt seine treuen, alten Freunde. Jetzt bekommen sie zum Buch die Zeitung. „Paper“ heißt die App, die fast wie das gedruckte Vorbild daher kommt und sich aus dem gewaltigen Inhalteangebot von Facebook die für den Abonnenten passenden Stücke heraus fischen soll. Facebook verspricht sogar, dass es dabei nicht allzu banal zugeht. Die Algorithmen werden auf Qualitätsinhalt dressiert. Professionelle Nachrichtenanbieter, von denen einige bereits stärker von Facebook als von Google als Traffic-Lieferant profitieren, dürfen sich freuen – obwohl der blaue Riese natürlich zuerst gewinnt, und sich manch einer mit dem Informationsbruchstück auf dem Handy zufrieden geben wird. Oder doch lieber nicht auf die politische Nachricht, sondern auf das x-te Tiervideo oder Banalitäten vom Boulevard klickt.

Buch und Zeitung – Facebook richtet sich als Begleiter der alternden Babyboomer ein. Aber Zuckerberg wäre nicht innerhalb einer Dekade 30-facher Milliardär geworden, wenn er nur ein Eisen im Feuer hätte. Der Jugend, die sich mit Postings nicht mehr Mühe geben will als einen Klick auf den Kameraknopf, hat er schon Instagram gekauft und seinen Messenger nach dem Vorbild (ja auch Facebook kupfert schon mal ab) des Marktführers WhatsApp aufgehübscht und verselbstständigt. Dass es mit dem Flüchtigkeit versprechenden Snapchat nicht auf Anhieb geklappt hat, ist nicht weiter schlimm. Geld ist genug da, um dem Dickschiff Facebook in den kommenden zehn Jahren jede Menge unabhängiger junger Beiboote zu finanzieren. Wer weiß? Vielleicht verlieren auch eingefleischte Snapchatter mal die Lust am schnellen Selfie (Selbstporträt) und suchen was Seriöses, Solides – dann wird Facebook bereit sein.

In diesem Sinne: Herzlichen Glückwunsch. Und auf eine neue Dekade!

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