Öko-Strom verdirbt die Preise und die Klimabilanz

Vor allem die Windenergie hat den einst so stabilen, berechenbaren Strompreis durcheinander gewirbelt. Bei Flauten sind Rekordpreise zu zahlen, bei Sturm wird Strom verschenkt.

Preise, die innerhalb eines Monats um fast das Hundertfache schwanken. Die Energiewende mit ihrem hohen Anteil an wetterabhängigen Stromerzeugern hat die Kalkulation der Versorgungsunternehmen mächtig durcheinander gewirbelt. Ein Paradebeispiel dafür ist der Dezember, den der Spezialinformationsdienst Platts (New York) gerade ausgewertet hat.

Es war relativ mild, aber häufig stürmisch – Rekorde bei der Einspeisung von Windenergie trafen auf ungewöhnlich geringe Nachfrage. Kein Wunder, dass die Strompreise ihren Sinkflug fortgesetzt haben. Platts wertet dabei nicht die stabileren langfristigen Verträge aus, sondern die Preise für kurzfristigen Bedarf von Tag zu Tag.

Demnach ist der Preisindex für Kontinentaleuropa (Platts Continental Power Index) zwischen  November und Dezember 2013 um 0,4 Prozent gesunken, von 47 auf 46,80 Euro pro Megawattstunde (MWh). Im Vergleich zum Dezember 2012 lag der Preis sogar um knapp 9 Prozent niedriger.

Noch deutlicher war der Preisverfall in Deutschland: Hier ging es alleine von November auf Dezember im Grundlastbereich um zehn Prozent in den Keller (auf 35,71 Euro pro MWh). Dabei fuhren das Wetter und mit ihm die Preise in Deutschland Achterbahn: Am 10. und 11. Dezember kostete die kurzfristige Stromlieferung knapp 60 Euro pro MWh – ein Jahresrekord. An Heiligabend hingegen war dieselbe Menge für weniger als ein Prozent zu haben: für 50 Cent pro Megawattstunde. An solchen Tagen müssen einige Netzbetreiber großen Kunden sogar Geld drauflegen, damit sie Strom abnehmen (negative Preise), bevor das Netz überlastet wird.

Auch im Jahresdurchschnitt ist der Strompreis kräftig gesunken – der Index ging im Vergleich zu 2012 um 13 Prozent zurück, von 50 auf 43,34 Euro pro Megawattstunde. Bei den Verbrauchern kommt das vorerst nicht an. Zum einen gelten meist langfristige Lieferverträge, zum anderen steigen die Abgaben für Erneuerbare Energien aus dem EEG (inklusive Offshore-Aufschlag, Netzausbau, Abschaltkosten und Bezahlung von Standby-Kraftwerken) mindestens in dem Maß, wie die Strompreise sinken.

Diese Entwicklung dürfte sich im laufenden Jahr fortsetzen – inklusive neuer Stromrekorde von Braunkohlekraftwerken. Bei so niedrigen Preisen ist kein anderer fossiler Energieträger im Grundlastbereich konkurrenzfähig. Der als Korrektiv gedachte Zwang, das Recht zur Luftverschmutzung immer teurer zu kaufen, ist mit lachhaften Discounterpreisen quasi außer Kraft gesetzt.

Die Gegenmittel sind bekannt, lassen sich aber europaweit nur müh- bzw. langsam durchsetzen: Der Handel mit Verschmutzungsrechten muss durch ehrgeizigere Emissionsziele und künstliche Verknappung deutlich (etwa um ein Zehnfaches) verteuert werden. Und die Investitionen in Anlagen zur Stromspeicherung müssen ausgeweitet und ernsthafter umgesetzt werden, um der Wind- und Sonnenenergie die Wetterkapriolen auszutreiben.

Bis dies geschieht, verderben die Erfolge der Öko-Energien nicht nur die Preise, sondern auch die Klimabilanz.

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