ADAC-Skandal: Den „Gelben Engel“ zum Papagei gemacht

 „Zweck des Clubs ist die Wahrnehmung und Förderung der

Interessen des Kraftfahrwesens, des Motorsports und des

Tourismus.“ (Satzung des ADAC, §2)

Keine begehrte Trophäe mehr - nach dem Skandal um den ADAC-Wettbewerb ist der "Gelbe Engel" abgestürzt. Foto: ADAC

Da ist im Laufe der Jahrzehnte einiges unter die Räder gekommen beim Allgemeinen Deutschen Automobil-Club e.V. (ADAC). Trunken von der Macht, die mehr als 18 Millionen Mitglieder verleihen, hat der Club abgehoben und seinen Vereinszweck aus den Augen verloren. Zweck des Clubs heute scheint die Führung eines Milliarden-Konzerns zu sein, der sich um das Thema Mobilität rankt und eine große Nähe zur Autoindustrie entwickelt hat. Und wenn die Wahrheit dem Geschäft abträglich ist, wird sie gebeugt. Aus der Interessensvertretung des deutschen Kraftfahrwesens ist eine Lobby-Truppe in eigener Mission geworden.

Mehr als 18,6 Millionen Mitglieder weist die ADAC-Statistik aus. Sie sind das Herz des Automobilclubs, sie verleihen ihm die Autorität und manchmal das Recht, im Namen der deutschen Autofahrer zu sprechen. Was die ADAC-Bosse auch häufig und lautstark praktizieren. Mit klarer Richtung: gegen alles, was Bleifuß und Temporausch bremsen könnte.

In wessen Namen dieser gewaltige Club tatsächlich spricht, enttarnt der Skandal um den „Gelben Engel“. Von den knapp 19 Millionen treuen Mitgliedern stimmten wohl nicht einmal 3500 für den VW Golf. Die Einwohnerzahl einer kleinen Kleinstadt genügt dem ADAC, das „Lieblingsauto der Deutschen“ auszurufen. Da hätte das Kraftfahrtbundesamt überzeugender helfen können: Fast eine Viertelmillion Neuwagen stammten 2013 aus der Golf-Familie. Das ist mit weitem Abstand der Spitzenplatz. Da braucht es keinen ADAC.

Also warum wird gewählt? Und warum wird dann die traurige Wahrheit um den Faktor zehn schön gelogen? Aus Geltungssucht. Weil der ADAC-Überbau mal wieder die Fürsten der Autoindustrie zu sich zitieren wollte – und denen das tatsächliche (Fliegen-)Gewicht des Preises die Anreise verleidet hätte. Also wird gelogen. Im Dienste der Mitglieder? Sicher nicht. Im Dienste der eigenen Eitelkeit, der Umsätze mit der Autoindustrie und der Verbrüderung mit den PS-Vorständen. Und im Dienste des eigenen Konzerngeschäfts.

Der ADAC ist ein Verein, der wie ein Unternehmen geführt wird. (Zitat aus dem Online-Auftritt)

Genau da steckt das Problem, das der ADAC jetzt hat: Dieser Club spricht künftig nicht mehr automatisch für 18 Millionen Mitglieder. Wir trauen ihm nicht mehr. Was wollen „die ADAC-Mitglieder“ – oder noch verwegener: „die deutschen Autofahrer“ wirklich? Ob das die ADAC-Spitze weiß? Ob sie es wissen will? Oder ob die Wahrheit am Ende das Business-Modell des ADAC-Konzerns stören würde – und deshalb verbogen wird?

Denn Pannenhilfe und Luftrettung sind der Deckmantel für einen ganz normalen, am Gewinn orientierten Konzern. Mit Krediten, Versicherungen, Autovermietung, Reisen usw. nimmt der ADAC-Moloch mehr als eine Milliarde Euro ein und erzielte einen Gewinn von 85 Millionen. Hinter der Maske des gemeinnützigen, hilfsbereiten Engels steckt der Boss. Und wir haben sein wahres Gesicht gesehen.

Der ADAC muss mehr tun, als seinen Kommunikationschefredakteur als alleinigen Täter rauswerfen. Um das erheblich zerdepperte Vertrauen zu reparieren, muss der Verein das System aufgeben, das Lug und Trug hervorgebracht hat. Nicht die Autobosse, sondern die einfachen Mitglieder müssen wieder im Mittelpunkt stehen – dass sie sich nicht einmal an der Wahl des Lieblingsautos beteiligen, belegt eine erheblich gestörte Beziehung.  Vor allem muss der Verein sich von seinen gewerblichen Unternehmen distanzieren und die undurchschaubare Mixtur aus „Engel“  und Geschäftsmann, Moralapostel und Manager beenden.

Der Karren steckt tief im Sumpf, aber der „Gelbe Engel“ kommt nicht – er wurde als  Konzern-Papagei missbraucht.

Großer Gewinner der diesjährigen Veranstaltung war Volkswagen. Die Wolfsburger Autobauer stellten mit ihrem Erfolgsmodell Golf nicht nur das – von den Lesern der ADAC Motorwelt in einem manipulationssicheren Verfahren via Coupon und im Internet ermittelte – »Lieblingsauto der Deutschen«, sondern auch das beste »Eco-Auto« (e-up!) und das beste »Familienauto« (Sharan). (Pressemitteilung des ADAC)

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