Freude und Hoffnung, gerecht verteilt

Der Stern. Die Krippe. Weihnachten ist auch ein Fest der Bescheidenheit. Und Gerechtigkeit. Wir begreifen: Gerecht zu sein, macht froh.

Es ist eine Kunst, die besonders zu Weihnachten gepflegt wird: Die Geschenke so auszutarieren, dass  keiner benachteiligt wird, weder eines der Kinder, Enkelkinder, weder Vater noch Mutter, Schwieger- noch Großvater und -mutter. Neben der Hoffnung auf den Erlöser prägt das Streben nach Gerechtigkeit die Weihnachtstage und die turbulenten Kauftage davor (bis hin zum alljährlichen Versprechen von Eheleuten, sich nichts oder nur eine Kleinigkeit zu schenken, das dann gerechterweise von beiden gebrochen wird). Das ist auch so am Ende dieses Jahres, das hin- und hergerissen war zwischen Gier und Gerechtigkeitssinn, Verschwendung und Verteilung.

Es ist gut möglich, dass das vergangene Jahr in die Geschichte eingeht als der Anfang vom Ende des Turbo-Finanz-Kapitalismus‘: In den Jahren der Krise ist eine junge Generation heran gewachsen, die arbeiten möchte, um zu leben. Und nicht umgekehrt. Sie wird die Arbeitswelt der nahen Zukunft prägen. Der neue Papst traut sich, das weltweit dominierende System des Kapitalismus laut zu kritisieren – und stößt nicht nur auf heftigen Widerstand, sondern findet auch prominente Unterstützer. Oekonomen philosophieren über eine ausgeglichenere Verteilung des Wohlstands, über nachhaltiges Wirtschaften und Wohlergehen ohne Wachstum.

Dieser Trend steht trotz der anhaltenden Krise immer noch bösen Beispielen ungebremster Gier gegenüber. Das vergangene Jahr war geprägt von solchen Gegensätzen. Am deutlichsten ist diese Zerrissenheit da sichtbar geworden, wo man eigentlich den Hort von Demut und Bescheidenheit vermutet: in der Amtskirche. Zwischen dem Protz-Bischof von Limburg und dem Volks-Papst Franziskus besteht eine himmelweite geistige Distanz, die nicht zu überbrücken, sondern nur dadurch zu beenden ist, dass man den Protzflügel stutzt.

Wasser gepredigt und Wein getrunken haben auch die Banken. Sie hüllten sich nach der Finanzkrise in Sack und Asche. Und zocken weiter. Gewinne werden eingesackt, Verluste der Gesellschaft aufgebürdet. So wird es bleiben, aller Hoffnungen auf eine „Bankenunion“ zum Trotz. Dass die ehrenwerten Banker auch noch Kurse manipuliert und betrogen haben, beschädigt das Vertrauen in die Sicherheit unserer Konten ebenso massiv wie der Limburger Bischof das Vertrauen in die kirchlichen Hilfswerke zerstört. Banker und Bischof – hier wie da wird vertuscht, geschönt und weltfremd mit fremden Millionen jongliert. Kein Wunder, dass Gerechtigkeit einer der größten Wünsche der Menschheit ist.

Und dann kommt Weihnachten; wieder wird das Kind in eine Krippe auf Stroh gebettet, wieder neigen ansonsten Kirchenresistente das Haupt vor einer Familie im Stall. Neidlos wünschen wir allen eine frohe, gesegnete Weihnachtszeit. Und meinen das so. Freude und Hoffnung werden so reich gespendet, dass für alle genug da ist. Glück ist halt unabhängig vom Kontostand, sondern ein Zustand, der aus vielen kosten(aber nicht mühe-)losen Quellen gespeist wird. Gerechtigkeit mag unmöglich sein; aber das Streben danach ist eine dieser Quellen des Glücks.

Fröhliche Weihnachten

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Ökonologie abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

I accept that my given data and my IP address is sent to a server in the USA only for the purpose of spam prevention through the Akismet program.More information on Akismet and GDPR.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.