EGK und IBAN: Am Ende steckt auch im Unsinn ein Vorteil

Manchmal gehen im neuen Jahr Wünsche in Erfüllung, die sich keiner gewünscht hat. Häufig nennen wir das: positive Überraschung. Aber nicht immer. Sogar auf der offiziellen Liste der bedeutsamen Neuerungen zum Jahreswechsel steht mancher Unfug. In diesem Jahr ganz weit vorne: SEPA und EGK. Das sind zwei Erfindungen von Bürokratenhirnen, die gewaltige Kosten verursachen und deren Nutzen der Bevölkerung dauerhaft verborgen bleiben dürfte.

Nicht einmal Bankangestellte können der SEPA bzw. ihrem Zögling IBAN Positives abgewinnen, der „Single European Payment Area“, mit der Europa endlich auch kontotechnisch zusammenwächst – böse Zungen behaupten, damit soll es den Deutschen leichter gemacht werden, die Hilfszahlungen in den Süden zu überweisen. Alles andere jedenfalls wird nicht leichter, sondern komplizierter.

Das lässt sich ablesen am Versuch, uns Bankkunden dieses Bürokratie-Monster als nützliches Haustier zu verkaufen: Es hat schon vor Wochen angefangen, mit einer Flut von Briefen, in denen alle Versicherungen, Automobilclubs, Vereine, Vermieter, Spendensammler, Wasserwerke, Stromversorger, Gaslieferanten und das Finanzamt die Deutschen jeder für sich und jeder in einem Brief pro Versicherungspolice darauf hingewiesen haben, dass sie künftig ihre Beiträge und Vorauszahlungen mit Vorwarnung einziehen. Und natürlich wird versprochen: Für Sie ändert sich nichts. Und: Sie müssen nichts tun.

Warum dann der Brief? War das lediglich ein Konjunkturprogramm für die Post? Natürlich nicht. Es ändert sich eine Menge: Aus 9 mach 22. Die Kontonummer wird zur IBAN, und auf dem Weg dahin wird sie mehr als verdoppelt. Wer soll sich das noch merken? Bisher hat SEPA wenig Klarheit geschaffen. Im Gegenteil: Die Verwirrung ist groß, wie eine kleine Umfrage im Bekanntenkreis und bei den von Nachfragen überhäuften Bankangestellten beweist.

Na gut. Es gibt auch Vorteile: Überweisungen ins Ausland sind schneller da. Toll. Wie oft kommt so was vor? Die Statistik sagt, dass nicht mal ein Prozent der Überweisungen in Deutschland das Land verlassen. Die Gebühren für Auslandsüberweisungen werden gesenkt – aber dafür  wäre ich gerne bereit, in diesen ein, zwei Fällen pro Jahr den Zettel mit der langen IBAN hervor zu holen und die Auslandsüberweisungskontonummer einzutragen. Aber warum muss ich alle anderen Überweisungen auch mit diesem Monstrum ausfüllen?

Ganz ähnlich, aber noch teurer, ist es mit der Elektronischen Gesundheitskarte (EGK). An der wird seit mehr als zehn Jahren geschraubt, der erste gesetzliche Einführungstermin ist schon acht Jahre verstrichen. Die Absichten waren den Schweiß der Edlen wert – wenn auch nicht unbedingt die vielen Milliarden Euro, die das Projekt bisher gekostet hat: Auf der Karte sollten in der elektronischen Patientenakte unter anderem die aktuellen Medikamente vermerkt werden, um gefährliche Wechselwirkungen zu vermeiden (der Ursprung des Projekts). Und die Karte sollte als elektronisches Rezept dienen. Ach ja: Ein Passbild sollte auch drauf sein – vor allem um Missbrauch zu verhindern.

Jetzt kommt die EGK, und auf dem Speicher-Chip steht genau das, was auch auf der alten Karte stand. Mehr nicht. Ob die grandiosen weiteren Funktionen irgendwann aktiviert werden, soll nach neuen Feldversuchen entschieden werden. Wenigstens ist auf den Karten das Passfoto drauf – falls jemand beim Versuch, sich die neue Mammut-Kontonummer zu merken, vergessen hat, wie er – oder sie – aussieht. So steckt auch in teurem Unsinn ein kleiner Vorteil.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Ökonologie abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

I accept that my given data and my IP address is sent to a server in the USA only for the purpose of spam prevention through the Akismet program.More information on Akismet and GDPR.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.