Strompreis: Klingt absurd. Ist absurd. Aber nicht zu ändern.

Bereit machen zur Energiewende? Segler nutzen nur so viel Wind wie sie brauchen. Die Energiewende erzieht zum Überschuss - weil die Stromkunden das Risiko tragen.

Eine Überraschung ist es nicht, trotzdem ist die Aufregung groß. Zu Recht. Die Ökostrom-Umlage steigt auf mehr als sieben Cent (inklusive Mehrwertsteuer) pro Kilowattstunde. Das ist zwar nur ein Cent-Betrag, aber damit liegt die Umlage weit über dem Preis, der an der Leipziger Börse für den Einkauf des Stroms bezahlt werden muss – häufig kostet das eigentliche Produkt sogar nur die Hälfte des Ökoaufschlags. Und Besserung ist nicht in Sicht, auch wenn alle potenziellen Regierungsparteien das Thema ganz oben auf ihre Agenda gesetzt haben. Strom in Deutschland bleibt extrem teuer. Tendenz: steigend.

Im kommenden Jahr zahlen die Stromkunden hierzulande fast 24 Milliarden Euro für den Ausbau der Erneuerbaren Energien; die privaten Haushalte tragen davon gut 10 Milliarden. Und das sind nur die Umlagekosten. Hinzu kommen der Risikoaufschlag für nicht anschließbare Hochsee-Windräder, die Kosten für den Betrieb konventioneller Kraftwerke als Ausfallversicherung, der Netzausbau, die Zahlungen an Windkraftwerke, die wegen des Überangebots bei starkem Wind und an Fabriken, die künftig bei Flaute abgestellt werden, und die Zuschüsse an Abnehmer, die in Zeiten der Überlast den Strom gegen Bezahlung verbrauchen. Es könnte sich fast schon lohnen, Stromfresser ohne weitere Funktion nur zu betreiben, um das Überangebot an Strom zu vergeuden.

Eine Abgabe, die den Wert des Produkts um das Doppelte übersteigt, und eine Überschussproduktion, die verschleudert und manchmal gegen Bezahlung verbraucht wird (und damit die Stromkunden der Nachbarländer mit drei Milliarden Euro im Jahr subventioniert, wie die F.A.S. vorrechnet). Das klingt nicht nur absurd. Es ist absurd. Das passiert, wenn der Staat mit besten Absichten die Fördermaschine anwirft und sie mit Milliarden füttert.

Dass die Maschine garantiert 20 Jahre läuft, betoniert den Fehler im System. Nachträglich ist da nix zu korrigieren: pacta sunt servanda – Verträge müssen eingehalten werden. Auch die neue Bundesregierung kann den Windstromerzeugern, den Fotovoltaik-Investoren und Biogasbauern nicht einfach die bestehenden Vereinbarungen kündigen. Sie kann lediglich dafür sorgen, dass die Umlage künftig weniger stark steigt: Indem sie den Aufpreis für Ökostrom vom Börsenpreis entkoppelt – es ist doch widersinnig, dass die Umlage steigt, je niedriger der Strompreis ist. Also lasst uns den Preis für Ökostrom festlegen – mit weniger als zehn Cent pro Kilowattstunde sind die sinnvollen Investitionen heute schon gut zu bezahlen: Windräder an exponierten Standorten auf dem Festland und Sonnenenergie auf ertragreichen Flächen. Da müsste natürlich eine Reduktion eingebaut werden, so lange neue Anlagen und deren Betrieb Jahr für Jahr günstiger werden. Im Gegenzug könnte man die regionale Vermarktung noch deutlicher belohnen.

Die Versorger müssten per Quote gezwungen werden, ihr Angebot zunehmend mit Ökostrom zu mischen – im Gegenzug sollten sie sich an der Finanzierung neuer Netzinfrastruktur und am Bau von Stromspeichern beteiligen.

Die Ausnahmen für stromintensive Betriebe müssen zumindest drastisch beschnitten werden – das ist zwar nur eine einmalige Entlastung. Aber bei einer Halbierung der Ausnahmen wird etwa ein Cent pro Kilowattstunde gespart. Die von der SPD favorisierte Kappung der Stromsteuer klingt sinnvoll, dürfte aber an der Gefräßigkeit der Staatskasse scheitern – immerhin beträgt allein die Mehrwertsteuer auf die Ökoumlage für private Haushalte fast zwei Milliarden Euro im Jahr. Und die wird ja auch dankbar kassiert.

Es ist also – leider – völlig egal, was die neue Bundesregierung sich als Strompreisbremse ausdenkt – sie wird nicht den Strompreis bremsen, sondern allenfalls dessen weiteren Anstieg. Der Kernfehler eines Systems, das je nach Wetterlage massiv am Bedarf vorbei produziert und die Kosten dieser Misswirtschaft auf die Stromkunden umlegt, ist rückwirkend nicht zu beheben. Ob es für die Zukunft gelingt?

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