Törööö! Musikcassette wird 50 und erlebt Wiedergeburt

50 Jahre wird sie alt in diesen Tagen: die Musikcassette. Ihre besten Zeiten hat sie längst hinter sich (Mitte der 1990er Jahre wurde sie schon von der CD überholt). Aber sie gewinnt neue Freunde.

Es werden wieder mehr Schallplatten gekauft! Für alle, die nicht wissen, was das ist, hier der Link. Die gute alte Vinylscheibe hat ihre Nische gefunden – und die ist nach einem Plus von 30 Prozent immerhin auf 1,8 Prozent am gesamten deutschen Musikmarkt gewachsen. Und das ist noch nicht der letzte Wiedergänger in der Branche: Pünktlich zu ihrem 50. Geburtstag kommt die Meldung: Auch die Musikcassette ist nicht tot. In Deutschland haben zwar nur „Die drei ???“ auf Band überlebt, aber die USA als Trendsetter melden einen deutlichen Anstieg im Verkauf von Musikcassetten. In Schwellen- und Entwicklungsländern ist das kleine Tonband ohnehin noch nicht vom Musikmarkt wegzudenken. Also: Herzlichen (Wieder-)Geburtstag!

Mit Begeisterung feiert der Bundesverband Musikindustrie (BVMI) das erste Umsatzplus der Branche seit mehr als einem Jahrzehnt (der BVMI vertritt rund 90 % des Marktes). Der Umsatz mit „Tonträgern“ stieg im ersten Halbjahr 2013 im Vergleich zum ersten Halbjahr 2012 um 1,5 Prozent auf 660 Millionen Euro (ohne Konzerterlöse – die sind deutlich höher). Es geht also wieder aufwärts, nachdem Digitalisierung und Kostenlosmentalität die Signale auf Niedergang gestellt hatten. Inzwischen treibt das Digitale den Markt an mit einem Anteil von immerhin 24,5 Prozent: Um 16 Prozent ging es aufwärts für Erlöse aus Download (Anteil: 19,9 %) und Streaming (4,6 %). Jeder vierte Euro wird also digital erwirtschaftet.

Die gute (und irgendwie schon alte) CD besetzt zwar immer noch den größten Anteil am Musikmarkt mit 67,5 Prozent; aber der Abwärtstrend hält an, im ersten Halbjahr mit einem Minus von 2,7 Prozent. Neben der Musik-DVD (Anteil: 5,2 Prozent) strahlt ein Oldie hell hervor: Seit 2006 verkaufen sich Schallplatten immer besser; das aktuelle Plus beträgt gut 30 Prozent.

Während die Schallplatte damit einen Marktanteil von 1,8 Prozent besetzt, geht die Musikcassette im 1-Prozent-Segment der anfassbaren Musikträger (neben Singles und Audio-DVDs) unter. Ein halbes Jahrhundert nach ihrer Weltpremiere durch Philips auf der Funkausstellung 1963 führt sie in Deutschland nur noch ein Schattendasein; von Benjamin-Blümchen- und Bibi-Blocksberg-Fans und Sammlern heiß geliebt (die auch die Produktion der „Drei ???“ als Compact Cassette am Leben halten – so lange der Cassettenvorrat bei EUROPA reicht.

Unterdessen deutet sich in den USA eine Wiedergeburt der Cassette an, die der Renaissance der Schallplatte ähnelt. Der Absatz von Alben auf Musikcassetten ist im vergangenen Jahr um 645 Prozent gestiegen, meldet TIME – das klingt zunächst mehr als es ist, nämlich nur ein Promille-Anteil am gesamten Albenverkauf von 316 Millionen – in absoluten Zahlen: 200.000. Aber es geht aufwärts. Das sagt auch der letzte Hersteller bespielbarer Cassetten in den USA, die Firma National Audio in Springfield. Hier verlassen zurzeit durchschnittlich 100.000 Cassetten die Produktionslinien – pro Tag.

Was treibt die Käufer? Zum einen dieselben Gründe wie die Käufer in Schwellen- und Entwicklungsländern: Cassetten sind billig, leicht zu bedienen, robust, und die Rekorder können einfach repariert werden. Außerdem: Kassettenaufnahmen vermitteln das besondere Audio-Feeling, das schon die Vinyl-Fraktion begeistert. Und die Aufnahmen lassen sich mixen – wir erinnern uns ein bisschen wehmütig an diese frühe Form der Play List.

Mal sehen, wann die Musikcassette auch in Deutschland den Trend umkehrt, weil DJs und Audio-Freaks sie zum analogen Mixen wiederentdecken. Gute Aussichten für die 50-Jährige zum runden Geburtstag. Happy Birthday.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Ökonologie abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

I accept that my given data and my IP address is sent to a server in the USA only for the purpose of spam prevention through the Akismet program.More information on Akismet and GDPR.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.