Der Rente ist mit Rechentricks nicht zu helfen, aber mit Bildung

Rentendiskussion

Finsterer Blick in die Zukunft - der fokussiert sich momentan auf die Sicherheit der Renten und auf die Frage: Müssen alle, die durchgehend gearbeitet haben, eine ausreichende Rente bekommen, auch wenn ihre Beiträge das nicht hergeben? Die Parteien sagen: Ja. Die Mathematik sagt: Nein!

„In Berlin leben 18 Prozent der Kinder unter sechs Jahren in einem bildungsfernen Elternhaus.“ Aus einem Bericht des Amtes für Statistik im Januar 2013

Jeder fünfte Deutsche wird im Alter arm sein. In Ostdeutschland sogar jeder Dritte. Das steht in einer Studie des Arbeits- und Sozialministeriums, die naturgemäß von den Linken ins Licht der Öffentlichkeit gezerrt wird. Der Rest des Bundestags hält sich bedeckt, und die Bundesregierung vertagt das Problem Altersversorgung in jedem Fall bis nach der Bundestagswahl. Die Parteien werden sich im Wahlkampf mit teuren Versprechungen überschlagen, die sie nicht halten können. Und dann wird wahrscheinlich eine Große Koalition die Suppe auslöffeln müssen (so geht es auch mit der Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes EEG). Denn die Rente ist eines der heiklen Themen, bei dem man sich nur die Finger verbrennen kann – weil keine Sach-, sondern eine (Un-)Gerechtigkeitsdebatte geführt wird.

Deshalb heißt eines der Konstrukte, um die es gerade geht, auch „Lebensleistungsrente“ – wie eine Belohnung für die Leistung, bis zur Rente überlebt zu haben. Egal wie. Warum kocht die Debatte heute hoch? Nun: In einer alternden, schrumpfenden Gesellschaft haben Versorgungsthemen natürlich höchste Priorität – Rentner und andere Empfänger staatlicher Leistungen und Bezüge machen ja schon fast die Hälfte der Wähler aus.

Klar, dass da die einen immer neu das Horrorgemälde einer unsicheren Rente auch für den braven, stets seine Beiträge entrichtenden Handwerker an die Wand malen. Und die anderen das Bild mit ihrem „die Renten sind sicher“ übertünchen wollen.

An diese quasi konjunkturellen Schwankungen haben wir uns im bisherigen System bereits gewöhnt. Aber jetzt kommt’s dicke, und das ist deutlich zu spüren (hat lange genug gedauert – die Fakten sind seit Jahren bekannt). Die Rechnung ist einfach und lässt sich durch politische Programme so wenig beeinflussen wie die Tatsache, dass 1+1=2 ist. Immer weniger Menschen müssen immer mehr Rentner finanzieren. Die Alten werden älter, die Jungen werden weniger. Die Renten müssten also sinken, die Beiträge ständig erhöht oder das Rentenalter noch weiter nach hinten geschoben werden. Aber wer will das hören?

Zusätzlich tobt auch noch die Gerechtigkeitsdebatte darüber, dass eigentlich jeder nach 40 oder 45 Arbeitsjahren von der Rente leben können muss. Jeder? Auch diejenigen, die im Laufe ihres Arbeitslebens zu wenig einbezahlt haben? Wer kann da Nein! sagen? Vor allem nicht, wenn eine Bundestagswahl bevorsteht. Also wird das Problem vertagt und gleich nach der Wahl kurz und schmerzhaft (mit einem Jein!) gelöst – am besten von einer Großen Koalition.

Der Handlungsspielraum ist minimal – Wunder sind nicht zu erwarten. Woher soll das zusätzliche Geld auch kommen? Die Antworten sind nicht erfreulich (siehe oben) – egal, was die Wahlkämpfer versprechen. Die wesentlichen Faktoren, die die Renten bedrohen (Demographie, Volksgesundheit), haben sie nicht in der Hand. Natürlich könnte man Mindestlöhne überall einführen und so anheben, dass sie zur gewünschten Rente (850 Euro) führen – theoretisch. Dann müssten aber mehr als 14 Euro die Stunde bezahlt werden. Realistisch?

Es gibt aber doch einen Weg, der Rente beizuspringen – womit wir beim Zitat vom Anfang wären: bessere Bildung. Denn Bildungsferne führt gnadenlos zu Arbeitslosigkeit und Mini-Löhnen und Altersarmut. Wir können es uns nicht leisten, rund 50.000 junge Menschen jedes Jahr ohne Schulabschluss ins Leben zu entlassen und gleichzeitig deren Rente auf hohem Niveau zu garantieren. Bildung und eine florierende Wirtschaft sind die einzigen Variablen, die in der Rentendebatte zu verändern sind – und die Gewicht haben. Dass die Rentenkasse momentan gut gefüllt ist, hat ja nichts mit Rentenpolitik zu tun, sondern mit der gesunden Konjunktur.

Die Politik muss sich also von den haarsträubenden Diskussionen um Rentengarantien verabschieden und dafür sorgen, dass unser Land nicht weniger, sondern mehr Geld in die Bildung investiert, dass geforscht wird und dass Wissen in der Gesellschaft wieder höher angesehen wird als die Fähigkeit, Kakerlaken und Kamelhoden zu verspeisen.

Merke: Die Deutschen können es sich vielleicht leisten, gleichzeitig weniger und älter zu werden – aber auf keinen Fall können wir es uns leisten, gleichzeitig weniger, älter und dümmer zu werden.

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