Strombilanz 2012: Kohle verdirbt Erfolg der Saubermänner

Wenn es richtig kalt ist und die Windräder stehen, dann springen immer häufiger nicht die sauberen Gaskraftwerke an, sondern Kohlemeiler.

Die Strombilanz, die der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) für 2012 veröffentlicht hat, wirkt auf den ersten Blick erfreulich: Der Anteil der regenerativen Energien an der Deckung des Strombedarfs ist auf 23 Prozent gestiegen (von 20 % in 2011). Mal abgesehen davon, dass dieser Anstieg teuer erkauft wird (die Quittung finden wir alle auf der Stromrechnung 2013), hier wirkt die Energiewende. Leider setzt sie aber nicht überall die Marktkräfte außer Kraft.

Während die Erneuerbaren so schön wachsen, schrumpft der Anteil der mit Erdgas betriebenen Kraftwerke. Das ist eigentlich überraschend – immerhin sollten die Gaskraftwerke, weil sie effizient und recht klimafreundlich sind und recht schnell hochgefahren werden können, eine wichtige Rolle im Kraftwerke-Mix spielen. Stattdessen ist ihr Anteil bis September 2012 um 14 Prozent gesunken.

Gewinner ist, wer hätte das gedacht, die Kohle. Der Klimakiller ist deshalb so gefragt, weil Kohle deutlich preiswerter zu haben ist als Erdgas. Wenn die Energiewirtschaft ihre Kraftwerke anwirft (zum Beispiel, wenn an windarmen Tagen die Sonne hinter dicken Wolken verschwindet), geht sie natürlich nach Wirtschaftlichkeit vor – und da werden zunehmend Kohlekraftwerke bevorzugt.

Der Kohlestrom drückt nicht nur in Deutschland das Gas aus dem Markt, sondern auch im Ausland. Deshalb brummt der Kohlestromexport – Deutschland hat im zu Ende gehenden Jahr 23 Milliarden Kilowattstunden mehr exportiert als importiert. Hauptabnehmer sind nach Angaben des BDEW die Niederlande, die überwiegend Gaskraftwerke betreiben, sich aber zunehmend mit billigerem Kohlestromaus Deutschland versorgen.

Merke: Die Energiewende ist auch jenseits der teuren Förderpolitik mit ihren problematischen Anreizen kompliziert. Der Markt schielt auf den Preis, nicht auf CO2. Und er macht an Landesgrenzen nicht halt.

Statistik der Erneuerbaren 2012

Auf Platz 1 natürlich der Wind mit einer Jahresproduktion von 45 Milliarden Kilowattstunden/kWh (2011: 48,9). Die Photovoltaik holt aber auf – bis Oktober wurden Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von 6800 Megawatt gebaut; im ganzen Jahr 2011: 7500 MW. Zum Stromverbrauch im Inland von insgesamt knapp 600 Milliarden kWh steuern die Regenerativen folgende Anteile bei. Wind: 8 Prozent, Biomasse: 6 Prozent, Photovoltaik: 5 Prozent und Wasserkraft: 3 Prozent.

 

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

I accept that my given data and my IP address is sent to a server in the USA only for the purpose of spam prevention through the Akismet program.More information on Akismet and GDPR.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.