Ford, Opel – Autoindustrie vor Kahlschlag und staatlichen Hilfen

Europas Autobauer schauen in die Röhre. Nur noch wenige große Hersteller dürfen optimistisch in die Zukunft schauen, der große Rest muss Betriebe schließen. Wie Opel in Bochum.

Wie durchsichtig: Angesichts der bevorstehenden Wahlen war zu erwarten, dass sich der FDP-Vorsitzende und Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler zu Opel und der angekündigten Werksschließung in Bochum äußern würde. Und es ist auch nicht überraschend, dass er dem schwer angeschlagenen Autobauer jede staatliche Hilfe versagt. Und was noch? Nur kurz das Bedauern ausdrücken wie seine (?) Kanzlerin? Nein. Rösler analysiert kühn: Die Unternehmensleitung hat Opel in die missliche Lage gebracht. Womit er gleich auch alle anderen Auto-Manager abkanzelt, die schon über Stellenabbau im großen Stil nachdenkenund das ist die Mehrheit. Aus dem Wirtschaftsminister spricht die Sorge um eine ganze Branche. Das hätte er natürlich auch anders sagen können. Vor allem, weil er (oder sein/e Nachfolger/in) wahrscheinlich staatliche Hilfe leisten werden.

Die Autoindustrie, die in Europa mehr als 3,5 Millionen Menschen beschäftigt, steht am Anfang tief greifender Veränderungen. Die Europa-Ableger amerikanischer Hersteller haben die schlechten Nachrichten lediglich zuerst verkündet: Ford legt drei Werke still, Opel macht in Bochum das Licht aus. Aus US-Sicht ist das ein bewährtes Verfahren, denn in den USA sind GM, Ford & Co. durch harte Schnitte wieder auf den Pfad hoher Gewinne zurückgekehrt – auch wenn sich GM dafür zwischenzeitlich in staatliche Obhut begeben musste.

In Europa trifft die Rosskur zumindest jene Hersteller, die kaum globale Geschäfte machen und/oder keine großen Karossen im Angebot haben. Wer sich auf den Heimatmarkt konzentriert – wie Opel oder Fiat – steckt in einem kräftigen Sog nach unten. Seit 2007 ist die Zahl der Verkäufe um etwa vier Millionen Autos gesunken – auf unter 13 Millionen im zu Ende gehenden Jahr.

Weltweit jedoch blüht das Geschäft – Zuwächse gibt es besonders in den aufstrebenden Schwellenländern wie Brasilien, Indien und ganz besonders China. Hier fahren insbesondere die Premiumhersteller wie BMW, Audi und Mercedes ihre Gewinne ein. Zudem bringen große Autos auch große Gewinnanteile. Dieser Erfolg außerhalb Europas hilft den teuren Marken, die Delle in Europa zu kompensieren, die sie natürlich auch spüren.

Außerdem müssen ihnen die neuen Spieler weniger Sorgen machen – Hyundai oder Dacia und Co. zielen auf ganz andere Käuferschichten. Im Gegenteil: Dass die Premiumhersteller inzwischen alle selbst mit schicken Modellen im Kompaktsegment vertreten sind, bringt Opel, Ford, Peugeot und Fiat in eine Sandwich-Position. Von oben drückt Premium, von unten beißen die Billiganbieter.

Die nachlassende Konjunktur verschärft diese Probleme. Die Auslastung der meisten europäischen Autofabriken war schon vorher dürftig. Vor allem die Volumenhersteller ohne akzeptable Exportquote und Premium-Modelle dürften schon seit Jahren unter jenen 85 Prozent gelegen haben, die als Untergrenze gelten – vielleicht mal abgesehen von den goldenen Zeiten der Abwrackprämie, die sich just bei diesen Marken segensreich (und die Realität verschleiernd) ausgewirkt hat.

Heute legen sie drauf. Die Zeit hat neulich aufgelistet, welcher Hersteller an seinen Autos verdient – und wer verliert (1. Halbjahr 2012). Porsche führt die Liste an mit fast 17.000 Euro Gewinn pro Fahrzeug; BMW und Audi liegen noch über 4000 Euro; Mercedes bei 3.600. Volkswagen, ein cleverer Volumenhersteller mit globaler Ausrichtung, kommt immerhin noch auf gut 900 Euro. Die Verlierer: Fiat legt auf jeden Wagen 140 Euro drauf, Ford 580, Peugeot/Citroen fast 800 und deren Partner Opel verliert bei jedem Neuwagenverkauf gar 938 Euro.

Und der Markt wird härter – selbst die Premiumhersteller legen Sparprogramme auf und bieten enorme Rabatte (die sie sich leisten, um Marktanteile zu erobern). Da hilft keine Modelloffensive, nur noch gnadenloses Kostensenken – viele der fast 200 europäischen Autofabriken sind in Gefahr.

In den kommenden Monaten wird es Herrn Rösler immer schwerer fallen, staatliche Hilfen abzulehnen wie bei Opel. Die Franzosen haben Peugeot schon kräftig unter die Arme gegriffen mit Garantien für deren Autofinanzierer – was sich auch auf den deutschen Markt verzerrend auswirkt. Die Amerikaner verweisen auf erfolgreiche vorübergehende Verstaatlichung. So weit wird es bei uns nicht kommen – aber einige Hersteller deuten bereits auf Frankreich, wo der Staat inzwischen 7000 Euro auf jedes neue Elektro-Auto draufpackt.

Sicher wird es in Deutschland ein bisschen subtiler: Steuernachlässe für Firmen, die Elektromobilität erforschen; Steuergeschenke für Firmenwagen mit Elektromotor. Und natürlich hilft auch die längere Kurzarbeit.

Statt des beliebten Bosse-Bashings kann sich der Wirtschaftsminister schon mal mit staatlichen Förderprogrammen befassen, die der Autoindustrie helfen, ohne dass Herr Rösler und die FDP ihr Gesicht verlieren.

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