Energiewende: Radwege statt Prämien für Elektroautos

Für eine gesunde Umwelt und geringere Abhängigkeit von Öllieferungen aus aller Welt will die Bundesregierung mehr Elektroautos auf die Straße bringen. Wie wäre es mit Fahrrädern?

Die Kanzlerin hält Kurs. Da können die Fakten noch so sehr für eine Korrektur sprechen. Wie in der so genannten Elektro-Mobilität. Eine Million Elektro-Autos sollen in acht Jahren in Deutschland unterwegs sein, sagt die Bundesregierung. Und sie hält der Realität zum Trotz an dieser Vorgabe fest. Das ist doppelt schade. Zum einen wird Frau Merkel ganz bestimmt mal wieder ein Förderprogramm auflegen, um den Verkauf der E-Autos anzukurbeln. Zum andern verhindert die Konzentration auf dieses Ziel die Unterstützung einer Alternative, die sich ohne jede staatliche Einmischung sensationell entwickelt: das Fahrrad.

Es ist interessant zu beobachten, wie ausgerechnet eine schwarz-gelbe Koalition dem Staat immer mehr Raum gibt. Auf die Spitze treiben Union und FDP die Verstaatlichung bei der so genannten Energiewende – bis hin zu einer Art Notstandsgesetzgebung für staatlichen Zugriff auf alte, unrentable, umweltschädliche Kraftwerke, die im Winter jene Versorgungslücken schließen sollen, die durch die Energiewende-Politik (oder: Energie-Wendepolitik) der Bundesregierung erst entstehen.

Ähnliches steht uns jetzt bei den Elektroautos bevor. Für die versprochen positive Klimabilanz sollen eine Million deutsche Autofahrer in acht Jahren elektrisch unterwegs sind. Das ist das Ziel. Die Wirklichkeit sieht völlig anders aus: Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland gerade mal 2000 E-Pkw zugelassen; in diesem Jahr werden es vielleicht 3000 sein. Wir dürfen annehmen, dass die meisten davon als Vorführwagen bei Autohändlern oder als Werbewägelchen auf dem Hof von Energieversorgungsunternehmen stehen. Auch in einem ansonsten schrumpfenden Markt (September im Vergleich zum Vorjahr: – 11 %) genügt dieser Anstieg nicht , um für E-Autos einen ohne Mikroskop erkennbaren Marktanteil zu erzielen. Ende September lag er bei 0,087 Prozent – das letzte Quartal wird da nicht mehr viel nach oben korrigieren.

Zu geringe Reichweite und zu hohe Preise – noch sind die elektrischen Pkw nicht massentauglich. Die deutschen Hersteller, die ohnehin über sinkendes Interesse klagen, wünschen sich folgerichtig eine Neuauflage der Abwrackprämie – dieses Mal mit dem Fokus auf Elektroautos. Ein guter Zeitpunkt wäre das Jahr 2013 – dann lässt sich die Stromerprämie als Wahlgeschenk nutzen, und dann dürfte auch der letzte deutsche Hersteller endlich ein E-Auto im Angebot haben.

Dabei haben die Deutschen längst die für sie beste Alternative gefunden: das Fahrrad. In diesem Jahr werden um die vier Millionen Räder verkauft – deutlich mehr als Autos. Und sie werden gefahren. Der Anteil des Fahrrads an den täglichen Fahrten ist auf 13 Prozent gestiegen. Dafür gibt es jede Menge Gründe: Spritpreise, Verkehrschaos in den Städten, Parkplatznot – neben dem Einsehen, dass man so auch etwas für die Gesundheit und die Umwelt tut. Und – überhaupt nicht nebenbei! – schon jedes zehnte neue Fahrrad hat einen Elektroantrieb. Die Zahl der verkauften E-Bikes hat von 200.000 in 2010 auf voraussichtlich 400.000 im laufenden Jahr verdoppelt. Ohne Prämie und Förderprogramm und staatliche Ziele.

Und es wäre so einfach, diese Entwicklung zu stärken: Radwege, die diese Bezeichnung auch verdienen. Radparkplätze mit ähnlichem Komfort wie Parkhäuser. Verkehrsplanungen, die die Dominanz des Autos durchbrechen. Ob auch die Bundesregierung irgendwann erkennt, dass Hunderttausende ihrer Mitbürger schon elektromobil geworden sind – und dass die Elektro-Mobilität mit zwei Rädern auskommt?

 

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