Energiewende: Irrweg Biosprit wird langsam abgedreht

Auch die Biosprit-Träume wachsen nicht in den Himmel. Die EU bremst. Was aber wird aus Bio-Strom, der in Deutschland die Mais-Monokultur wachsen lässt?

Der Begriff „Energiewende“ hat eine völlig neue Bedeutung bekommen: Zick-Zack-Kurs statt Umkehr. Wer sich an der Hoffnung auf verlässlich fließende Fördermilliarden berauscht und in die Wende investiert hat, wacht nun mit einem mächtigen Kater auf. Die Solarbranche liegt schon am Boden; jetzt folgt der Biosprit. Zwei Irrwege der Energiewende werden gesperrt, gewaltige Summen sind verloren, neu entstandene Branchen sterben. Es werden nicht die letzten sein. Das nennt man in Deutschland und Europa Energiepolitik.

Der Anteil von Biosprit als Energiequelle im Verkehr wird auf fünf Prozent gedeckelt (Stand: 4 Prozent). Die Förderung läuft wahrscheinlich bald aus. Entschuldigend bringen die Verantwortlichen in Brüssel nun vor, dass es neue Erkenntnisse gibt und beim Aufbruch ins Biosprit-Zeitalter niemand die Folgen abschätzen konnte. Klar. Dabei hätte ein Blick auf Sacramento, Kalifornien, 1848, helfen können. Dort wurde im Januar 1848 beim Bau eines Sägewerks das erste Gold gefunden. Ein Jahr später waren schon 80.000 Menschen zur Stelle, die reich werden wollten.

Die Energiewende folgt denselben Regeln wie der Goldrausch: Die Regierung verspricht Reichtümer in Form von Förder-Milliarden. Das Geld lockt die Investoren an. Die ersten Anlagen werden von Polit-Prominenz eingeweiht; alle geben sich wunderbar nachhaltig und freundschaftlich. Ob die weitere Entwicklung wirklich so überraschend war? Die Dach- und Grundbesitzer überziehen ihr Eigentum mit Solar-Paneelen; wer Äcker hat, sät Mais und pachtet zu überhöhten Preisen Felder dazu, auf denen gestern noch Weizen und Kartoffeln standen.

Überraschung! 1848 und 49 bestiegen die Menschen an der Ostküste der USA speziell gecharterte Schiffe und fuhren um Südamerika herum nach Kalifornien. 2012 fangen die Chinesen an, billigere Solarpaneele zu bauen und nach Deutschland zu verkaufen. Was immer mehr Hausbesitzer davon überzeugt, ihre Dächer neu zu decken. Das nennt man globalen Kapitalismus. Dumm nur, dass die Fördermilliarden nicht vom Himmel fallen, sondern von den Stromkunden aufgebracht werden müssen. Also auch von jenen, die weder Felder noch Dächer ihr eigen nennen. Überraschung: Strom wird teurer. Die Verantwortlichen verteidigen das natürlich nicht, sondern beschimpfen die Stromkonzerne (die weitestgehend unschuldig sind) und fantasieren von Sozialtarifen, während sie große Industriebetriebe längst von der Abgabenlast befreit haben.

Und beim Biosprit? Auch der fällt nicht vom Himmel, sondern kommt vom Acker. Landwirtschaftliche Flächen sind endlich – warum sonst kaufen die Chinesen halb Afrika? Wird die Maisernte in Tanks umgeleitet (40 % in den USA), fehlt Mais für die Tortillas. Was die Politik offenkundig vergessen hat: Nachfrage und Angebot regeln den Preis. Essen wird teurer. Natürlich kommt erschwerend hinzu, dass Klimaveränderungen in wichtigen Anbaugebieten die Ernte zerstören – was seit vielen Jahren vorhergesagt wird (man sollte auch unbequeme Expertisen lesen). Natürlich führt der neue Reichtum in den Schwellenländern zu einem stärkeren Pro-Kopf-Verbrauch von Fleisch – und damit einer Vervielfachung der Nachfrage nach Getreide zur Mast. Aber das ist auch keine neue Erkenntnis. Mehr Nachfrage, sinkendes Angebot – höherer Preis. Überraschung?

Immerhin: Besser man wird spät klug als niemals. Jetzt wird der Solarwahnsinn gestoppt, wird der Biosprit abgedreht. Aber HALT! So einfach geht das nicht, wie man schon bei der Photovoltaik beobachten darf: In der Politik wird ganz langsam gestoppt und abgedreht. Zum einen zahlen ja andere die Rechnung, zum anderen will keiner die Lobby der Profiteure der Energiewende vergraulen. Denn die Fördermilliarden sind ja nicht ganz umsonst geflossen. Es wurden Produktionsanlagen gebaut und Wiesen umgepflügt und Tankstellen umgerüstet. Und (Achtung! Zauberwort!) Arbeitsplätze geschaffen.

Deshalb wird Politik aus Schaden nur langsam klug. Die EU gewährt folglich ihren Mitgliedern freie Hand, wie sie auf die Erkenntnis reagieren, dass Biosprit nicht nur teuer, sondern auch noch umweltschädlich ist. Deutschland wird diese Freiheit nutzen, um den Ausstieg sorgfältig abzufedern. Dem falsch investierten Reichtum werden weitere Milliarden folgen bis das bittere Ende erreicht und eine weitere Hoffnungsbranche im engsten Kreis der Verantwortlichen und Nutznießer beigesetzt ist.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

I accept that my given data and my IP address is sent to a server in the USA only for the purpose of spam prevention through the Akismet program.More information on Akismet and GDPR.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.