Opel wird beschnitten und aus Deutschland ausgelagert

Der Blitz glänzt nicht mehr. Opel-Mutter GM will endlich Gewinne sehen und verordnet den Rüsselsheimern Sparmaßnahmen. Und mehr.

Wenn Opel noch ein „Flaggschiff“ hat, dann ist es der Golf-Rivale Astra, das mit Abstand wichtigste Modell des (deutsch-)amerikanischen Herstellers. Und der wird ab 2015 nicht mehr in Deutschland gebaut. Wir werden uns daran gewöhnen müssen: Während Volkswagen erfolgreich eine globale Mehrmarkenstrategie gestaltet, ist Opel auf dem Weg,
einer solchen Strategie seiner Mutter GM zum Opfer zu fallen. Zunächst werden
überflüssige Produktionskapazitäten in Deutschland abgebaut. Das topmoderne
Werk am Stammsitz Rüsselsheim kann Opel nicht völig dicht machen – dort wird
wohl in drei Jahren neben dem Insignia der Mini-Van Zafira gebaut, nach dessen Abgang das Werk Bochum wohl geschlossen wird. Oder ein Chevrolet? Der Grund liegt auf der Hand: Opel verkauft zu wenig Autos.

Autofabriken produzieren dann am günstigsten, wenn sie jeden Tag, Tag und Nacht arbeiten. Die Astra-Bauer in Rüsselsheim, Gliwice (Polen) und Ellesmere Port (GB) hingegen schließen ihre Fabriken täglich für acht Stunden ab. Weil die Auftragslage keinen Drei-Schicht-Betrieb hergibt. Es braucht keinen Guru, auf die nächstliegende Lösung zu kommen: Wenn die Verkaufszahlen nicht um ein Drittel steigen, müssen die Produktionskapazitäten um ein Drittel verringert werden.

Dieses Drittel heißt Rüsselsheim. Ausgerechnet der Stammsitz der Traditionsmarke muss sein wichtigstes Produkt abgeben. Das Werk ist modern, aber die Mitarbeiter sind zu teuer. Die Polen produzieren eh günstiger, und die Briten haben sich Astraproduktion und Arbeitsplatzsicherheit mit Lohnverzicht gekauft.

Ob Rüsselsheim am Ende in 2015 tatsächlich wenigstens den Zafira bauen darf, ist anzunehmen. Sicher ist das aber nicht. Die Chefs weisen schon mal darauf hin, dass sie auch hier ein Entgegenkommen der Belegschaft erwarten. Statt des kräftigen Schlucks aus der Flasche in den laufenden Tarifverhandlungen steht also bei Opel eine Nullrunde an.

Die Belegschaft ist in einer schlechten Position: Opel kann die drastischen Verkaufsrückgänge (vor allem in den Krisenländern Südeuropas) nicht auf anderen Märkten ausgleichen. Vor allem in Asien, wo andere deutsche Hersteller hervorragend verdienen, ist Opel kaum vertreten. Das lässt sich nicht schnell ändern – neben der Zustimmung aus Detroit fehlt auch das nötige Geld für den Markteintritt.

Auf die deutschen Belegschaften drückt auch die Erkenntnis, dass inzwischen Kooperationspartner etliche Jobs übernehmen können – sogar in der Entwicklung, für die Rüsselsheim bisher so gepriesen wird. Vor allem die Zusammenarbeit mit den Franzosen (PSA, Peugeot, Citroen) bietet den Konzernlenkern viele Möglichkeiten. In einigen Segmenten sogar bessere.Opel kann zügig aus Deutschland ausgelagert werden.

Gut möglich, dass der neue Zafira von Citroen entwickelt wird. Ob Opel wenigstens bei den wichtigsten Modellen Astra und Corsa das Sagen behält, ist nicht ausgemacht. Bislang scheint allenfalls die Fortentwicklung des „Insignia“ unter Opel-Hoheit gesichert zu sein.

Wie weit die Opel-Peugeot-Zusammenarbeit wirklich reichen soll, wie tief sie in Einkauf und Logistik greift, wer welche Motoren für die Gruppe baut, das lässt noch viel Raum für Spekulationen. Und für Sparmaßnahmen, angedrohten und tatsächlichen Stellenabbau.

Und für Alternativen, die bisher nur am Rande angedeutet werden: Was die Rüsselsheimer wohl sagen werden, wenn ihnen nicht der Zafira angedient wird, sondern irgendein Modell der amerikanischen Mutter? Ein Chevrolet aus Rüsselsheim als Opel-Konkurrent in Europa? Aber ob sie da mit ihren guten Gehältern konkurrieren können – die Mitbewerber um den europäischen Anteil am Fertigungskuchen von GM sitzen nicht mal in Polen oder England, sondern in China, Korea und Mexiko.

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