Euro-Krise verbindet Schäuble mit Pippi Langstrumpf

Zwei mal drei macht vier,

widewidewitt und drei macht neune,

ich mach mir die Welt, …

Schön anzusehen, aber beim kleinsten Pieks ist die Luft raus. Nicht belastbar. Wie die angebliche Brandmauer, die den Euro retten soll. Jetzt aber wirklich.

… widewide wie sie mir gefällt

Seit der hoch gelobten Einigung der Euro-Finanzminister auf den Superrettungsschirm, der nach Euro gerechnet 800 Milliarden groß ist – und in Dollar sogar die von einigen geforderte BILLION erreicht, geht mir Pippi Langstrumpf nicht mehr aus dem Kopf. „Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt“. Das singt Wolfgang Schäuble wahrscheinlich auf dem Heimweg. Immer dann, wenn er angeblich mal wieder den Euro gerettet hat.

Geht es nicht immer darum, zu gefallen? Der Welt? Wie das täglich grüßende Murmeltier sind auch die Euroländer offenkundig in einer Zeitschleife gefangen, in der sie stets aufs Neue mit gewaltigen Rettungsschirm „die Finanzmärkte“ beeindrucken. Wollen. Was nichts anderes bedeutet als die Botschaft: Schau her! Wir sind bereit, Fantastillionen Euro auszugeben, um alle Euroländer zu retten, die eigentlich pleite sind. Deshalb, liebe Geldhäuser und Investoren, könnt ihr ihnen ohne großen Risikoaufschlag das Geld leihen, das sie brauchen. Bitte!

Die Finanzminister und ihre Regierungschefs scheinen die Investoren für ganz schön einfältig zu halten. Bisher haben sie sie jedenfalls immer unterschätzt. Die Folge: Neue Rettungsschirme mussten her. Aber so durchsichtig wie dieses Mal war noch kein Täuschungsmanöver der Euro-Dagoberts. Der neue Rettungsschirm wird schon nicht mehr Schirm genannt, sondern Brandmauer. Deshalb muss er auch viel dicker sein als ein Schirm. Eine Billion Euro – das hatten die Franzosen gefordert (weil sie selbst Feuer unterm Dach haben).

Jetzt sind es immerhin eine Billion DOLLAR geworden. Hauptsache: Billion. Weil die Deutschen sich die Welt machen, wie sie ihnen gefällt. Und diese Welt ist eine Show: Die 800 Milliarden sind keineswegs mit frischem und zusätzlichen Mitteln erreicht worden, sie sind lediglich eine kunstvoll frische Additition von bereits vorhandenen Notfallkrediten. Allerdings müssen nötige Bareinzahlungen jetzt schneller erfolgen – aber das Gebot der Bareinzahlungen trifft die Deutschen nur mit insgesamt 22 Milliarden. Die lassen sich auch schneller finden. Es trifft ja keinen Armen.

Am Ende bleibt es bei den vereinbarten 500 Milliarden; die restlichen 300 sind längst verbraten. Und das sollen die Finanzmärkte nicht merken – Haie oder Tölpel? Naja. Ich mach mir die Brandmauer, widewide wie sie mir gefällt.

Wirken wird es eh nicht, das hat auch schon Schäuble erkannt. Auf den Punkt gebracht, ist auch er der Meinung, dass immer nur an den Symptomen gedoktert wird. Was nicht hilft.

Aber es ist ja nicht sein Geld – womit wir beim nächsten Pippi-Phänomen sind: Dem sensationellen Abschluss im Öffentlichen Dienst. Die Arbeitgeber rechnen ihn gewohnt klein, die Gewerkschaft jubelt über den großen Schluck aus der Pulle – im Hinterzimmer
werden sie sich in den Armen liegen, weil ihre Einigung ja das Geld anderer kostet. Das der Steuerzahler heute, die weniger Leistungen bekommen, und das künftiger Generationen, die einen wachsenden Schuldenberg abzutragen haben.

Ich nehm fremdes Geld, widewide wie es mir gefällt.

Worüber würde ein Unternehmen in dieser Lage reden? Über schmerzhafte Sanierungen, über Stellenabbau, unbezahlte Überstunden, kürzeren Urlaub oder den Verzicht auf Weihnachtsgeld. Der Öffentliche Dienst redet über viel mehr Geld. Perfekt. Die Kommunen blechen für das tolle Ergebnis in den kommenden Jahren mehr als sechs Milliarden Euro. Und sie sind fast alle pleite. Die Städte, die noch nicht unter der Aufsicht eines Insolvenzverwalters (hier halt die Aufsichtsbehörde) stehen, sind seltener als ein Sechser im Lotto. Aber es gibt den Schluck aus der Pulle. Unglaublich. Wenn es einen weiteren Beispiels dafür bedurft hätte, dass Deutschland über seine Verhältnisse lebt: Hier ist es.

Nachschlag Spritpreise

Die Autofahrer gucken in die Röhre. Da helfen keine Preisbremsen nach australischem Vorbild - höchstens eine Zerschlagung der Marktführer in ihre Sparten. Aber das ist kein Thema.

Noch ein Nachtrag zur Diskussion über die Spritpreise. Ich habe mit einem Tankwart gesprochen – der muss mehrfach am Tag die Preise der Konkurrenz (gegenüber, in der Nähe) notieren und an die Zentrale (z. B.: in Hamburg) melden. Dort wird entschieden, welche Tankstelle die Preisbewegungen mitmacht (natürlich auch, wo sie Vorreiter sind). Und ZACK sind die Preise verändert – manchmal merkt das weder das Personal noch der Chef. Alles ferngesteuert. Und kartellrechtlich absolut in Ordnung.

Wer dem entgehen will, muss halt agieren. Oder schweigen. Am Samstag wollte ich tanken, bin zu meiner Stamm-Tanke gefahren und habe den Preis der Konkurrenz gegenüber gesehen. Vier Cent der Liter Diesel BILLIGER. Natürlich bin ich sofort auf die andere Straßenseite gewechselt. Erstaunlich: Da waren alle Zapfsäulen frei, die teuren Säulen waren fast alle belegt …

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