Spritpreise: Wer traut sich an die Multis?

Vertraute Frühlingsboten - und weit erfreulicher als die Frühlingsboten, die mit absoluter Zuverlässigkeit an den Zapfsäulen auf uns warten: saftige Preiserhöhungen.

Nicht alles, was im Frühling sprießt, wird mit Freude, Blütenkränzen, Gesang und Gedichten begrüßt. Am allerwenigsten die sprießenden Spritpreise. Dass regelmäßig zu Beginn der Cabrio-Saison die Säfte deutlich teurer werden, treibt allen Autofahrern die Zornesröte ins Gesicht. Zum Glück sind die Schuldigen schnell ausgemacht: die Ölmultis. Und zum Glück haben wir Politiker, die beherzt versprechen, sofort etwas gegen diese Preistreiberei zu tun. Und zwar immer wieder – und täglich grüßt das Murmeltier. Auf diese Art bleibt ihnen das dankbare Thema erhalten – und mit ihm hohe Steuereinnahmen.

Wie zu erwarten war: Kaum lockt das schöne Wetter zu Ausflugsfahrten, kaum stehen die Osterferien ins Haus, steigen die Spritpreise rasant an. Wie alle Jahre wieder. Und nicht nur „alle Jahre“ – auch unterjährig erleben wir Preisanstiege – immer dann, wenn es weh tut. Vor Feiertagen und Ferien. Mit schöner Regelmäßigkeit fordern Politiker dann, diesen Markt endlich zu regulieren, sie führen Modelle wie das in Österreich oder einem Teil Australiens als Beispiele ins Feld.

Reguliert wurde aber bislang noch nichts. Solche Diskussionen kühlen (nach den Feiertagen) rasch mit dem Volkszorn ab. Was auch nicht schlimm ist, weil es nicht funktioniert. In beiden Regulierungs-Beispiel-Fällen geht es darum, die Preisspirale zu entschleunigen: Die Mineralölfirmen müssen ihre Preissteigerungen mit einem Vorlauf von 12 bis 24 Stunden anmelden – Preissenkungen sind jederzeit erlaubt.

Unterm Strich (wenn man die unterschiedlichen Steuersätze ausgleicht) ist Benzin jedoch in Österreich teurer als in Deutschland – offenkundig schlagen die Tankstellen ordentlich zu, um auf Nummer Sicher zu gehen. Das australische Modell besticht auch nicht durch Preissenkungen, sondern allenfalls durch Transparenz: Die von den Tankstellen gemeldeten Preissteigerungen sind zentral im Internet anzuschauen – wer will, kann also die jeweils preiswerte Zapfsäule ansteuern.

Aber genau das ist auch in Deutschland bereits möglich. Mir fallen gleich zwei Freie Tankstellen in der Nähe ein, die regelmäßig billiger sind als die fünf Markt-Diktatoren Aral, Shell, Total, Esso und Jet. Aber die Freien sind nicht einmal vor den Ferien überlaufen – Autofahrer sind halt markentreu, auch wenn sie beim Blick auf die Preistafel die Faust in der Tasche ballen. Sie wollen ihrem blechernen Baby keine Billigware eintrichtern. Selbst schuld – fast immer stammt der Sprit bei den Freien aus derselben Quelle wie bei den Multis.

Was ein Teil des Problems ist: Die Großen halten die gesamte Wertschöpfung in der Hand: Sie verdienen von der Quelle über die Raffinerie bis zur Tanke – und drücken der Tankstellenkonkurrenz ihre hohen Preise auf. Da langt es immer noch zu Milliardengewinnen – obwohl die fettesten Überschüsse in den Förderländern bleiben.

Hier sollte Politik ansetzen: Das Oligopol der Benzingiganten müsste ebenso zerteilt werden wie einst das der Stromriesen – getrennt in Raffinerie und Tankstellennetz, zum Beispiel. Und Freie Tankstellen müssten stets zu günstigsten Bedingungen der Multis einkaufen können. Aber das traut sich Politik nicht. Sie würde ja auch nicht die Steuern auf Sprit senken (gut 90 Cent je Liter Super) – sie droht lieber mit Regulierungen, die nicht mal funktionieren würden, wenn sie denn kämen – und zudem den Freien noch das Leben schwerer machen würden.

Außerdem könnte Politik ganz im Sinne der Energiewende noch ein bisschen mehr Dampf machen für weniger Verbrauch. Denn das ist der Kern des Übels. Weltweit wird ständig mehr Öl verbrannt – vor allem im Verkehr sind Benzin und Diesel nach wie vor quasi ohne Alternative. Aber es gibt immer weniger leicht zugängliche Quellen, und die liegen in politisch unsicheren Gegenden. Die Förderung aus Ölschiefer (wie in Kanada) ist ebenso teuer wie ökologisch bedenklich; zur Förderung aus der Tiefseee muss man nach Deepwater Horizon und der (Gas-)Katastrophe in der Nordsee nichts mehr schreiben.

Was bleibt, ist die Gewissheit, dass Öl knapper und teurer wird. Und dass es nur wenige Möglichkeiten gibt, den Preisspiralen ein bisschen zu entgehen – sie sind alle unsexy: Mehr mit Bussen und Bahnen reisen, weniger Auto fahren, Verbrauch senken und häufiger Preise vergleichen.  Kein Wunder, dass auch in Zeiten hoher Spritpreise die Autobahnen voll sind mit schweren SUV-„Gelände“wagen. Oder?

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