Energiewende treibt Konzerne auch ohne Fördertopf

Die Energiewende treibt häufig seltsame Blüten - meist auf dem Nährboden staatlicher Steuerung und Förderung. Aber der Wandel findet auch ohne rechtlichen Einfluss statt. Die Energiewende nimmt Gestalt an.

Kein Tag vergeht, ohne dass über die Energiewende geklagt wird. Manchmal wegen der damit verbundenen Kosten (die noch steigen werden), manchmal wegen der Abmagerungskur für Förderopfer, etwa Hersteller von Solarzellen, und fast immer darüber, dass alles zu langsam geht. Dabei wird häufig übersehen, dass die Wende in vollem Gang ist. Und dass sie schon beachtliche Dimensionen erreicht hat. Belege dafür findet man regelmäßig im Wirtschaftsteil der Zeitung – auch wenn nicht „Energiewende“ drüber steht oder die Firmen nicht aus der Öko-, Öl- oder Strombranche kommen. Hier sind aktuelle Beispiele von der Telekom und Audi.

Die Telekom steigt ins Stromgeschäft ein. Sie offeriert regionalen Versorgungsunternehmen, also Stadtwerken, die nicht von einem der vier Riesen dominiert werden, eine ungewöhnliche Dienstleistung: Netze von Minikraftwerken in Kellern privater Wohnhäuser bauen und betreiben. Diese Blockheizkraftwerke springen dann an, wen der Strom gerade besonders teuer ist. Dann erzeugen sie Strom und nutzen die Abwärme für Heizung und Warmwasser.

So seltsam das klingt: Das passt zur Telekom. Denn der Schlüssel zum Erfolg dieser zukunftsträchtigen Technik ist ihre Vernetzung. Die Wuchtzwerge im Keller müssen wissen, wann sie gebraucht werden. Viele Kellerkraftzwerge müssen so zusammengeschaltet werden, dass sie wirken wie ein „großes“ Kraftwerk. Was im Internet die „Cloud„, ist beim Strom „Smart Grid“ – das intelligente Netz mit virtuellen Kraftwerken.

Da passiert in Deutschland noch wenig – lediglich einige Feldversuche -, während die USA bereits Milliarden Dollar in die nötige Infrastruktur investieren. Der Aufbau der Netze ist nicht erprobt. Und er wird sehr teuer – ein lohnendes Geschäft für Netzwerkspezialisten, Telekommunikationsunternehmen und deren Lieferanten. Aber weder die Stromriesen noch der Staat zeigen sich zurzeit bereit, das Geld in die Hand zu nehmen. Die Telekom legt vor. Sie hat die Mittel, die Technik und die Verbündeten: die regionalen Energieversorger. Dezentrale Stromerzeugung und lokale Netze sind ein wesentlicher Bestandteil der Energiewende. Und dazu gehört das intelligente Stromnetz mit seinen Kellerkraftwerken.

Die werden übrigens von kleinen Dieselmotoren angetrieben. Volkswagen stattet bereits seit zwei Jahren ein Netz von Blockheizkraftwerken mit Golf-Antrieben aus. Eine solche Kooperation lässt sich irgendwann auch beim Aufbau von Stromtankstellen denken – die werden ja nicht unbedingt bei Shell oder Aral angedockt, sondern vielleicht beim Autohändler. Oder am Supermarkt.

Was die VW-Konzernschwester Audi momentan vor hat, zielt nicht direkt in diese Richtung. Aber auch auf die Energiewende. Audi will den italienischen Motorradhersteller Ducati kaufen. Was soll das?

Nun: Audi denkt systemisch. Denn im Verkehrsmix der Zukunft spielen Winzlinge eine wichtige Rolle – vor allem im individuellen Stadtverkehr. Kleiner als A1 oder Smart: Zweirad. Vielleicht irgendwann mit Stromantrieb – immerhin sind Elektro-Fahrräder heute bereits das erfolgreichste Verkehrskonzept der viel beschworenen E-Mobilität. Und das, obwohl diese Vehikel nicht im Fokus stehen und keinen Cent öffentlicher Förderung erhalten.

Telekom, VW und Audi stehen für den Kurswechsel in der deutschen Wirtschaft. Für zunächst unscheinbare Veränderung durch Markt. Für Energiewende ohne staatliche Unterstützung und Einmischung – was hoffen lässt.

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