Her mit der Pleite: Erlöst Griechenland

Ob daraus jemals ein modernes Staatsgebäude wird? Irgendwann mal hat das gut funktioniert in Griechenland - Säulenreste in Olympia beweisen es. Lange her.

Die Hoffnung stirbt zuletzt. Das gilt ganz besonders für unheilbar Kranke, etwa für Griechenland. Die Medizin, die von Euro-Land und IWF verabreicht wird, ist nicht nur bitter: Übertriebener Aderlass führt auch dann zum Tod, wenn der Patient zwischendurch mit Süßigkeiten vollgepumpt wird. Während sich harte Sparprogramme und Milliarden-Überweisungen munter aneinander reihen,  brauchen die nötigen tief greifenden Veränderungen zu viel Zeit. Die Bevölkerung verarmt, die Wirtschaft siecht dahin, Griechenland hat keine Chance, sich zu erholen. Das viele Geld, das die Steuerzahler quer durch Europa zur Rettung schicken, landet auf den Konten der Banken und in den Säckeln eines undurchschaubaren Staatsapparats – und dient nicht dazu, Infrastruktur zu modernisieren oder Forschung,  Bildung und Unternehmertum zu fördern. Euro-Land kauft Zeit, um sich auf die Pleite Griechenlands vorzubereiten.

Was in Brüssel und Athen inszeniert wird, dient in erster Linie der Beruhigung der eigenen Klientel: Die Griechen, die um jede Million ringen, müssen eine immer stärker rebellierende Bevölkerung von der Erkenntnis ablenken, dass ihre Regierung nicht mehr Herr im Haus ist und Fremde ihnen Armut verordnen. Und die
Steuerzahler in Deutschland und dem übrigen wohlhabenden Teil des Eurolandes
sollen durch Drohgebärden in Richtung Athen auf alternativlose Verluste in Milliardenhöhe vorbereitet werden.

Beides wird nicht funktionieren. Die Schnitte in Athen treffen nicht nur Renten- und Steuerbetrüger, sondern auch die große Mehrheit der ehrlichen Bevölkerung bis ins Mark. Höhere Ausgaben für Medikamente, Mindestlöhne unter 6 Euro, jeder Fünfte arbeitslos. Die Wirtschaft kann sich so nicht erholen – auf keinen Fall schnell genug, um über Steuern das Staatsdefizit auszugleichen. Merke: Sogar das reiche Deutschland hat in den fetten Jahren stets neue Schulden gemacht und nicht einen Euro getilgt. Gut möglich, dass bei den nahenden Neuwahlen in Athen eine Regierung gewählt wird, die einen völlig neuen Kurs einschlägt.

Dass in Deutschland der Eindruck erweckt wird, die Griechen seien alleine durch das harte Spardiktat und Kredite (also quasi kostenfrei) zu retten, wird sich ebenfalls
als wirkungsloser Bundes-Baldrian herausstellen. Schon der nötige Bankenverzicht auf ca. 70 Prozent der Forderungen an Griechenland trifft die Bürger – es sind ja deren Anlagen (Fonds, Lebensversicherungen). Außerdem wird die Zentralbank EZB ebenfalls verzichten müssen. Sie hat Griechenpapiere im Nennwert von 50 Milliarden Euro gekauft – zum Preis von 40 Milliarden. Bei einem „Haircut“ müsste sie auf gut 20 Milliarden verzichten – Deutscher Anteil: um die 6 Milliarden.

So endet die Phase, in der Kredite und Bürgschaften die Probleme vorerst kostenlos zudecken. Jetzt geht es ans Geldverlieren. Aber keiner will der erste Überbringer der schlechten Nachricht sein. Dann lieber noch mehr gutes Geld dem schlechten hinterherwerfen.

Dabei wäre eine Pleite der Griechen inzwischen auszuhalten. Was wir momentan zusätzlich überweisen müssen, dürfte genügen, im Falle der Insolvenz die griechischen Banken zu stützen. Da wären sogar noch einige Millionen übrig, um neue Drachmen zu drucken und zu prägen. Für die Menschen in Griechenland würde der Übergang hart – aber inzwischen ist es fraglich, ob das Ende mit Schrecken so viel schlimmer wäre als der Schrecken ohne Ende.

Die dann mögliche Abwertung der Landeswährung (um 40 oder gar 50 Prozent) wäre ein echtes Konjunkturprogramm für die griechische Wirtschaft. Euroland könnte sich auf die Rettung der weiteren Pleitekandidaten konzentrieren. Die EU würde ihr gefallenes Mitglied mit Förderprogrammen stützen – aber hoffentlich nicht mehr mit Geld überfluten – und dabei helfen, nachhaltig über Jahre hinweg nötige Strukturreformen zu verwirklichen. Über einen neuen Beitritt in die Eurozone reden wir dann gerne wieder. Vielleicht 2030. Denn die Hoffnung stirbt zuletzt.

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