Mehr Maschinen, Gentechnik und Dünger gegen den Hunger?

Vielfalt, immer verfügbar - Wohlstand bedeutet auch viel und gut essen. Diesen Wunsch haben auch die Bewohner der Schwellenländer. Nahrungsmittel werden knapp und teuer.

Zum ersten Mal seit mehr als zwei Jahrzehnten genügte die heimische
Getreideernte nicht, den Bedarf der Deutschen an Weizen, Roggen, Hafer und Mais im vergangenen Jahr zu decken. 3,5 Millionen Tonnen mussten im Ausland zugekauft werden, das sind knapp acht Prozent der benötigten Menge (44 Millionen Tonnen). Gut möglich, dass der Trend zum ökologischen Wirtschaften in den kommenden Jahrzehnten das Gegenteil der guten Absicht beflügelt: Mehr Gerät, Gentechnik und Düngemittel auf den Feldern.

Denn schon heute landet in Deutschland jede 16. Tonne Getreide im Tank statt auf dem Teller – als politisch korrekt verordneter Anteil an Biosprit im Benzin (E10). Und aus Biomasse wird schon deutlich mehr Strom erzeugt als durch Photovoltaik oder Wasserkraftwerke. Weiter steigende Energiepreise werden diesen Trend noch verstärken.

Dass Nahrungsmittel weltweit knapp werden, hat zwar viel mit dem ökologischen Umbau der Energieversorgung zu tun. Aber noch mehr mit Bevölkerungswachstum und zunehmendem Wohlstand. Die Menschen in den Schwellenländern feiern steigende Löhne mit besserem Essen – sie steigen schnell um auf Fleisch, Eier und Milch, deren Erzeugung jede Menge Futtermittel verschlingt. Sie nehmen sich uns zum Vorbild und werden von weltweit tätigen Lebensmittel-Konzernen an die Kühltheken gelockt. Gleichzeitig steigt die Erdbevölkerung immer noch an – auf gut neun Milliarden bis 2050.  Dann wird sich der Nahrungsbedarf verdoppelt haben.

Die Anbauflächen lassen sich nicht nennenswert ausdehnen – 40 Prozent der eisfreien Fläche werden schon als Feld oder Weide genutzt, der Klimawandel schränkt die Landwirtschaft in vielen Weltgegenden bereits ein. Handelshemmnisse auf der einen, hohe Exportsubventionen auf der anderen (auch EU-)Seite behindern Wachstum. Das ist die Stunde der Spekulanten. Sie treiben die Preise zusätzlich.

Essen wird teurer; das kann auch eine gute Nachricht sein. Vielleicht trägt das in den Wohlstandsgesellschaften dazu bei, dass nicht mehr fast die Hälfte der Ernte weggeschmissen, dem Frische-, Auswahl- und Optik-Wahn geopfert wird. Bewusster essen – das wird helfen, aber nicht genügen, um Hungersnöte zu verhindern.

Mehr produzieren. Das ist wohl die Lösung. Also: noch mehr Maschineneinsatz,
Gentechnik und Dünger. Die guten Bauern der Zukunft werden nicht mehr die braven
Öko-Landwirte sein, sondern jene, die fette Ernten einfahren, um die Welt zu
ernähren.

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