Erneuerbare auf Platz 2 – zweischneidiger Erfolg

Windräder hinterm Deich

Ein gutes Jahr war 2011 für die Windenergie - sie baute ihre Führungsposition bei den Erneuerbaren aus.

Die Erneuerbaren sind auf dem Vormarsch. Wind, Biomasse, Photovoltaik und Wasser haben sich zum zweitwichtigsten Energieträger im deutschen Strommix entwickelt. Das ist ein erfreuliches Indiz dafür, dass die
Energiewende in Deutschland gelingen kann. Kann, aber nicht muss. Es sind noch  etliche Aufgaben zu lösen. Dazu gehört auch, den Stromkunden im Land ehrlich zu sagen, dass sie die Rechnung für die Wende bezahlen müssen. Und die ist hoch.

Hinter der billigen Braunkohle (24,6 Prozent) stehen die Erneuerbaren mit einem Anteil von 19,9 Prozent bereits auf dem zweiten Platz im Energiemix Deutschlands, schätzt der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) für 2011. Dahinter liegen die Steinkohle (18,7 %) und die Kernenergie, die nach der Abschaltung von acht Anlagen nur noch 17,7 Prozent des Stroms geliefert hat (Vorjahr: 22,4). Gas bleibt stabil bei knapp 14 Prozent.

Wind erzeugt 7,6 Prozent, Biomasse 5,2 %, Photovoltaik trotz
unglaublicher Milliarden-Subventionen nur 3,2 % (immerhin deutlich mehr als
2010: 1,9) und Wasserkraft bleibt bei gut 3 %.

Das sieht auf den ersten Blick nach wunderbar geordneten Verhältnissen aus, ist aber in Wirklichkeit nicht so stabil. Das Wetter ist halt launisch. Deshalb schwanken
die von erneuerbaren Energieträgern erzeugten Strommengen im Monatsdurchschnitt um bis zu drei Milliarden Kilowattstunden – das ist ein Viertel der gesamten deutschen
Stromerzeugung, erfährt man beim BDEW. Deshalb müssen nach wie vor viele konventionelle Kraftwerke zur Stelle sein, wenn Flaute herrscht und dicke Wolken die Sonne verhängen.

Außerdem – hier komme ich mir vor wie eine Gebetsmühle: Die Stromnetze müssen
ausgebaut, besser auch umgebaut werden, damit die Wende gelingt. Sinn der Sache ist es nicht, Windräder  vom Netz zu nehmen, weil der Strom nicht transportiert werden kann (und den Betreibern dafür Entschädigungen zu zahlen).

Womit wir beim Geld wären. Der EU-Energiekommissar Günther
Oettinger hat ausgesprochen, was die deutschen Energie-Wender lieber verschweigen oder
klein reden. Es kostet eine Menge Geld, die Energieversorgung von fossilen
Brennstoffen zu entlasten. Die privaten Haushalte und alle Unternehmen müssen
sich auf Jahrzehnte stetig steigender Strompreise einstellen.

Wie lange sich die Preisspirale dreht, hängt wesentlich davon ab, ob die Wende im bestehenden System vollzogen wird, das auf die Einbindung von gewaltigen Kraftwerksblöcken ausgelegt ist. Oder ob das neue Netz regional und kleinteilig arbeiten kann – und intelligent genug ist, Schwankungen auszugleichen. Von solchen Plänen ist allerdings momentan wenig zu sehen. Am Ende hat es sich ausgewendet, wenn der grüne Strom nicht zu den Verbrauchern kommt – oder der Unmut über steigende Preise den Prozess politisch stoppt.

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