Klima? Zuerst noch kurz die Bank retten

Überflutungen in Thailand - während die Zahl von Naturkatastrophen als mögliche Folgen des Klimawandels steigt, ist die Klimapolitik erlahmt.

Überflutungen in Thailand - während die Zahl von Naturkatastrophen als mögliche Folgen des Klimawandels steigt, ist die Klimapolitik erlahmt.

In normalen Zeiten wären die Hungersnot am Horn von Afrika und das schreckliche Hochwasser in Thailand von den Klimaschützern als Menetekel inszeniert worden. Als unübersehbare Signale, dass die Welt endlich Ernst machen muss im Kampf gegen die Erderwärmung. Aber es sind keine normalen Zeiten. Die Welt hat andere Sorgen als den Klimawandel. Die Politik steckt ihre Kraft in Rettungsschirme für marode Staaten und Banken – die Rettung der Umwelt wird verschoben. Wenige Tage vor dem Beginn des Klimagipfels in Südafrika beschränken sich die Akteure mal wieder darauf, alle Hoffnungen zu zerstören und Ausreden dafür zu finden, dass die Mammutkonferenz trotzdem stattfindet.

Über allem steht: Kyoto. In der japanischen Kaiserstadt verpflichteten sich die Industriestaaten schon 1997, im Zeitraum von 2008 bis 2012 fünf Prozent weniger Treibhausgase in die Luft zu blasen als 1990. Was nach 2012 kommen soll, darüber verhandeln fast 200 Staaten seit Jahren erfolglos. Dabei gibt es kaum noch Zweifel daran, dass es wärmer wird, und dass (neben der Sonne) die Menschen dafür verantwortlich sind.

Aber während immer deutlicher wird, dass unser Klima sich verändert, halten die Diplomaten an ihren Positionen fest. Die USA, die bereits das Kyoto-Protokoll abgelehnt haben, wollen China, Indien, Brasilien und die übrigen rasant wachsenden Schwellenländer stärker in die Pflicht nehmen – der CO2-Ausstoß Chinas liegt bereits über dem der Amerikaner und Europäer. Doch die aufstrebenden Staaten fürchten um Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit und wollen den alten Industrienationen mehr Engagement (und Geld) abtrotzen. In diesem Dilemma sind die Verhandlungen seit Jahren festgefahren.

Außerdem finden sich inzwischen weitere Gründe, die Klimapolitik auf der politischen Prioritätenliste nach unten zu schieben, wie es u. a. Japan, Russland und Kanada bereits getan haben. Wichtigstes Argument ist die Wirtschaftskrise – da möchte kaum einer den Unternehmen auch noch die mit neuen Klima-Auflagen verbundenen Kosten zumuten.

Die Enttäuschung wird sich in Grenzen halten; das Thema hat auch in der Öffentlichkeit an Bedeutung verloren, weil sich der Alarmismus der vergangenen Jahre abgenutzt hat und prominente Klimaschützer als Datenfälscher entlarvt wurden.

Wo sowohl politischer Wille als auch öffentlicher Druck fehlen, ist mit nennenswerten Taten nicht zu rechnen. Der Klimagipfel in Durban wird die kleinen Schritte feiern: Vielleicht die Verlängerung der dürren Kyoto-Regeln, um Zeit zu gewinnen. Oder eine neue Selbstverpflichtung der Europäer, die bereits eine bescheidene Reduktion von 20 Prozent bis 2020 zugesagt haben. Oder die scheinheilige Bereitschaft der größten Dreckschleudern, freiwillig die Emissionen ein bisschen zu bremsen und den ärmsten Ländern mit weiteren Milliarden beim Umweltschutz zu helfen.

Damit ist dem Klima nicht geholfen. Trotz des Kyoto-Protokolls und der Beteuerungen der Klimagipfel steigt der CO2-Ausstoß rasant. Im vergangenen Jahr lag er mit 33 Milliarden Tonnen fast um die Hälfte über dem Ausstoß 1990, dem Vergleichsjahr des Kyoto-Protokolls. Eine Abkehr von fossilen Brennstoffen sieht anders aus.

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