Was war das noch? Weltspartag?

Bald ist wieder Weltspartag. Jener Tag, der Generationen davon überzeugt hat: Geld gehört auf die Bank. Am besten: auf ein Sparbuch. Der Gang zur Bank gehörte zu den freudigen Ereignissen des Jahres. Weil es von netten Menschen kleine Geschenke gab. Und danach Zinsen. Verbunden mit dem beruhigenden Gefühl, dass die Spargroschen gut aufgehoben sind. Diese Vertrauen haben heute nicht mal mehr die Banken untereinander. Deshalb ist heute jeder Tag ein Weltspartag, weil die ganze Welt sparen muss – allerdings nicht für die eigene Zukunft, sondern für die Zukunft der Banken. Weil wir uns offenkundig keine Bank sparen können.

Wir lernen: Vertrauen ist nicht zu ersetzen. Vertrauen setzt Klarheit voraus. Wer einst mit dem Sparschwein unterm Arm zur Bank ging, hatte das Geschäftsmodell verstanden: Geld aufs Sparbuch und am Jahresende gibt es Zinsen, weil die Bank „mit meinem Geld arbeitet“.

Die Banken selbst haben diese Modell zerstört und das Sparbuch in Misskredit gebracht. Modern sind Aktien, Fonds, am besten mit hohen Erträgen und Steuersparfaktor. Schon damals hatte man den Eindruck, dass nicht jeder Anlageberater mehr von diesen Produkten verstand als sein Verkaufsprospekt.

Kaufe nur Geldanlagen, die Du Deiner Oma erklären kannst. An diesen Rat hat sich die Welt nicht gehalten. Was da gezockt wurde und wird, was die Geldbeträge weit über alle Sicherheiten hinaus aufbläht, verstehen nicht mal alle so genannten Experten. 

So undurchsichtig ist das ganze Geschäft, dass die Banker im Ernstfall zuerst ihren eigenen Kollegen misstrauen. Weil sie fürchten, dass die Leichen im Keller haben. So unseriös ist das Geschäft geworden. Kein Wunder, dass die Menschen auf die Straße gehen und ihr persönliches Unbehagen zu Marke tragen, ihren Zweifeln am System Luft machen und fordern: Wer sich verspekuliert, muss zahlen. Auch Banken.

Das Gegenteil passiert. Die überschuldeten Staaten bereiten für diese treulose Branche neue Rettungsschirme vor. Geld soll Vertrauen ersetzen. Das geht nicht lange gut. Deshalb müssen endlich auch die Banken die Konsequenzen ihrer Spekulationsgeschäfte tragen. Sie müssen sich wieder ausweisen als Einrichtungen, die Vertrauen verdienen, so wie es die meisten Sparkassen und Genossenschaftsbanken geschafft haben. Oder sie müssen ihre Eingangstüren mit dem Totenkopfsymbol versehen: Wer hier investiert, erkauft sich hohe Renditen mit Lebensgefahr für sein Erspartes.

Bis dahin sollten wir den Weltspartag ausfallen lassen. Als Mahnmal der Vertrauenskrise. Wer unser Vertrauen verspielt hat, soll nicht auch noch mit unserem Geld belohnt werden.

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