Der „Missionar“ der Moderne ist tot

Visionär, Techniker und Verkäufer: Steve Jobs.

Visionär, Techniker und Verkäufer: Steve Jobs.

Der Tod ist wohl die mit Abstand beste Erfindung des Lebens„, sagte Steve Jobs 2005 vor Uni-Absolventen in Kalifornien. „Er ist der Katalysator des Wandels. Er räumt das Alte weg, damit Platz für Neues geschaffen wird.“ Steve Jobs ist tot und die ganze Welt fragt sich, wer wohl jetzt für das Neue zuständig ist.

Natürlich wird es weiter Erfindungen geben und kreative Menschen, die erstaunliche Produkte ausdenken. Aber keiner ist in Sicht, der wie er die Welt verändert: Steve Jobs, Herz und Kopf des wertvollsten Unternehmens der Welt, Erfinder, Manager, Zauberer, Pop-Idol. Der Mitbegründer von Apple hat in den vergangenen Jahren ganze Branchen zerstört und neu aufgebaut. Wie wir Computer bedienen, Nachrichten konsumieren, Musik kaufen und hören, Filme auswählen und uns an das Internet anschließen – das ist sein Werk.

Einem Techniker wäre das nicht gelungen, auch keinem Kaufmann oder Designer. Steve Jobs vereinte viele Talente in einer Person – in einer Werbekampagne für den iMac ließ er Albert Einstein und Jim Henson, den Vater der Muppets, gleichzeitig abbilden. Das passt. Genie und Showstar. Während sein größter Konkurrent Bill Gates noch die Software-„Industrie“ personalisierte, wagte Steve Jobs den Schritt ins Netz wie kein anderer. Er überwand die Grenzen zwischen bislang spezialisierten Geräten und schuf neue Verbindungen zwischen Mensch und Maschine.

Das begann mit dem simplen Apple II. Aber Standards für Jahrzehnte setzte der Macintosh mit seiner grafischen Benutzeroberfläche. Lange vor Windows. Doch als der Siegeszug von Apple Computer Inc. Mitte der 80er Jahre an Fahrt verlor, wurde der charismatische Gründer gefeuert. So gnadenlos kurzsichtig kann Gewinnorientierung sein. In der Folgezeit geriet die Firma in einen konstanten Sinkflug. Auch Steve Jobs hatte nicht mit allen Erfindungen Glück. Sein fantastischer „Next“ war kaufmännisch ein Flop, aber die Technik ist bis heute der Grundstein des Betriebssystems OS. Fast nebenbei läutete Steve Jobs eine neue Ära der Filmbranche ein, als seine Firma Pixar Kinohits wie „Toy Story“ komplett im Computer generierte.

1997 wurde Jobs zu Apple zurückgeholt und leitete die erstaunlichste Wiedergeburt der Wirtschaftsgeschichte ein. Schon nach einem Quartal verdiente das Unternehmen wieder einen Gewinn, kein Jahr danach kam der durchscheinende iMac auf den Markt, das fröhlich-bunte Symbol der Wende. Apple wurde zur Ikone des modernen Lebens, die fanatischen Mitglieder der Apple-Gefolgschaft begegneten Steve Jobs mit beinahe religiöser Bewunderung. iGod.

Dabei fing er erst an. Als einziger der Technologiebranche begriff Jobs, dass das Internet nicht nur Produkte digitalisiert, sondern auch den Handel. Und den Konsum. Und Apple lieferte die passenden Geräte dafür und richtete die Läden ein. Damit begann das spektakulärste Jahrzehnt im Leben des Steve Paul Jobs. Sein letztes. 2000 stellte er den iPod vor, das Musikabspielgerät des digitalen Zeitalters. Sensationell schlicht. Hochwertig auf den ersten Blick. Mit Abstand Marktführer bis heute. Dann das Geschäft dazu: iTunes, der Medienladen, der das Geschäft mit Musik-CDs zerstört hat und gerade dabei ist, die Software-Branche zu revolutionieren. So marktbeherrschend ist Apple, dass sich Hass und grenzenlose Bewunderung die Waage halten.

Und dann der Durchbruch. 2007. Wieder ein Gerät, das Standards setzt und Konkurrenten zu Kopisten degradiert: das iPhone, das Smartphone. Der kleine Computer, mit dem man auch telefonieren kann. Das kluge Handy, auf dem sich Mini-Programme für Spaß und Büro installieren lassen, die „Apps“; das immer und überall im Internet angemeldet bleibt und stets seinen Standort ermittelt (und mitteilt und speichert).

Seit 2010 der flache Tablet-PC iPad präsentiert wurde, treten die mobile Internetnutzung und Apples Apps endgültig ihren Siegeszug an. Sie werden die alte PC-Welt überrollen. Nicht Geräte verbinden sich mit dem Internet, sondern Menschen – und Jobs hat uns die Schnittstellen geliefert.

Steve Jobs, der Star, war auf einer Mission. Weder die Lebertransplantation noch schwere Rückschläge durch seine Erkrankung an Bauchspeicheldrüsenkrebs konnten ihn stoppen. Erst im August nahm er offiziell Abschied von Apple – seine Jünger warteten vergebens auf seine Rückkehr zur Präsentation des neuen iPhones vor wenigen Tagen. Und sie warteten vergebens auf ein ganz neues iPhone.

An solche Enttäuschungen werden wir uns gewöhnen müssen. Wie sagte er? „Der Tod räumt das Alte weg, damit Platz für Neues geschaffen wird.“ Aber Steve Jobs ist tot. Wer schafft jetzt das Neue?

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