Spekulieren mit „Bundesschätzchen“?

Ob er auf einer Bank gut aufgehoben ist? Und was, wenn die Bank ihn in Staatsanleihen anlegt? Inzwischen gilt das schon als Spekulation.

Ob er auf einer Bank gut aufgehoben ist? Und was, wenn die Bank ihn in Staatsanleihen anlegt? Inzwischen gilt das schon als Spekulation.

Es ist nicht leicht, heutzutage noch Verständnis zu äußern für die Lage der Banken. Spätestens seit die Rettung hoch verschuldeter Staaten in den Hintergrund getreten ist, weil jetzt ja wieder Banken gerettet werden müssen, haben die großen Geldhäuser auch die letzte Sympathie verspielt. Da würde man eher den Griechen noch einige Milliarden Euro zustecken als diesen Bankern und Boni-Bunkern. Aber spätestens, wenn auch noch alle Parteien in dieses Horn tuten, wird es Zeit zum Nachdenken.

Ganz sicher ist hier nicht die Rede von bösen Spekulanten und ihrem magisch verschachtelten System von Seifenblasen aus Wettscheinen und Casino-Angeboten. Solche Zockerei gehört verboten. Mir geht es hier nur um Banken (und Versicherungen und Rentenfonds), die Staatsanleihen gekauft haben. Und die jetzt damit rechnen müssen, dass sich ein Teil ihrer (ja: und teilweise unserer) Geldanlagen in Luft auflöst.

Diese Banken (und Privatanleger) haben nichts anderes getan, als Regierungen mit Geld zu versorgen und schrecklich gewöhnliche Anlagemöglichkeiten für das ihnen anvertraute Bare zu finden. Sie trafen auf Staaten, die über ihre Verhältnisse gelebt haben (und leben), weil sie ihren Bürgern zu viel Gutes tun und nicht die geringste Härte zumuten wollten. Die in der Regel niedrigen Renditen wurden den Anlegern dadurch schmackhaft gemacht, dass die Staatsanleihen als risikofrei angepriesen wurden. Zudem hat die Politik die heute so hoch geschätzte Funktion des Eigenkapitals als Sicherheit selbst völlig außer Kraft gesetzt. Banken, die Staaten mit Geld versorgt haben, mussten keine weiteren Sicherheiten leisten. Staatsanleihen waren eine sichere Bank.

Das hat mit Zocken nun überhaupt nichts zu tun. Im Gegenteil. Versicherungen, die sich mit Staatsanleihen eindeckten und nicht mit – zum Beispiel – Aktien, galten als extrem vorsichtig und konservativ. So wie Freunde, die „Bundesschätzchen“ ins Depot legen statt den TecDax, nicht gerade als Spekulanten gelten.

Wo immer die Politik darüber hinaus ihren Einfluss auf Bankgeschäfte geltend machen konnte, hat sie es in ihrem Sinn getan – deshalb haben sich ausgerechnet die Landesbanken besonders stark in der Finanzierung von Staatsschulden engagiert.

Deshalb wundert es mich nicht, dass die Politik den Banken jetzt massiv helfen will. Weil sie selbst als Ursache des Schlammassels einen Rest Vertrauen für künftige Geschäfte retten will. Und weil es um ein Vielfaches schwieriger wäre, die Lage so in den Griff zu kriegen, wie es sich gehört: Dass die verschuldeten Staaten ihre Schuldzinsen ordnungsgemäß zahlen und Kredite, die auslaufen, tilgen – also genau so, wie es staatlich zugesagt war und ist. Dann wären die Banken alle Sorgen los.

Aber weil einzelne Staaten nicht zu retten sind, müssen die Banken gerettet werden, damit sie nach der Krise wieder bereit sind, den Staaten Kredite zu gewähren. Zu kleinen Zinsen – weil Staatsanleihen dann ja wieder ohne Risiko sind. Und weil Politik dazu tendiert, die Wähler der Gegenwart zu Lasten künftiger Generationen zu verwöhnen.

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