Nur Sicherheit stoppt Spekulanten

Nach langem Zögern schnallt Italien den Gürtel enger. Ein zweites Sparpaket soll zeigen: Es ist uns Ernst. Schadenfreude in Deutschland ist unangebracht - auch uns stehen Wohlstandsverluste ins Haus.

Nach langem Zögern schnallt Italien den Gürtel enger. Ein zweites Sparpaket soll zeigen: Es ist uns Ernst. Schadenfreude in Deutschland ist unangebracht - auch uns stehen Wohlstandsverluste ins Haus.

Spekulation ist eine nicht bewiesene Aussage; ein Blick in die Ferne (speculari = spähen), in eine Zukunft, die noch unklar ist. Es gibt zwei Methoden, Spekulationen zu verhindern: Man verbietet sie, wie einige Länder zurzeit die Spekulation mit Leerverkäufen verbieten. Oder man schafft Sicherheit und Vertrauen. Aber beides ist gerade wieder Mangelware. Und schon kehrt das Misstrauen zurück; die Banken halten ihr Geld zurück.

Dass die Finanzmärkte an die Kandare gehören, ist eine Forderung, die in jeder Krise Konjunktur hat. Noch während des Absturzes nach der Lehman-Pleite versprachen die Regierungen in aller Welt schärfere Regeln. Und manche Bankenvorstände baten ebenfalls inständig darum wie Einbrecher, die nach mehr Polizei rufen. Aber kaum ging es bergauf, waren die Ankündigungen vergessen. Aus den scharfen Vorschriften wurden zarte Ermahnungen, aus bösen Spekulanten wurden nützliche Rentenkassen, Lebensversicherungen und Anleger wie Du und ich.

Gerade steht der Silberstreif am Horizont, schon wird wieder gezockt. Woher sonst holen die Banken ihre Milliardengewinne? Wie sind sie zu fetten Bonuszahlungen zurückgekehrt? Durch Spekulationen. Natürlich. Nur Wetten bieten Gewinne weit jenseits dessen, was Wirtschaftswachstum solide einbringen kann. Das dazu nötige Geld ist ja vorhanden – in Hülle und Fülle bereitgestellt von den Staaten, die aus lauter Angst, der Finanzsektor könne austrocknen, das Land überflutet haben.

Spekulanten lieben billiges Geld und Unsicherheit: Wie lange sind Italien und Spanien noch zahlungsfähig? Hat sich Frankreich schon kaputt gerettet? Kann Deutschland noch mehr Last schultern? Den drängenden Fragen und sekundenschnellen Entscheidungen der Finanzmärkte und ihrer Computer setzen die Regierungen quälend langsame Entscheidungsprozesse, verunsichernde Fensterreden und häufige Kurskorrekturen entgegen. Der neue Rettungsschirm der Euro-Länder? Ist doch beschlossen. Ja. Aber. Die nationalen Parlamente müssen noch zustimmen. Bis Ende September. Dann ist der Schirm wahrscheinlich schon wieder zu klein.

Die USA erwecken auch nicht den Anschein, um Sicherheit bemüht zu sein. Wenn es dem Wahlkampf dient, nehmen Demokraten wie Republikaner die ganze Nation in Geiselhaft.

Als würde die Unsicherheit der vom Bankenretten angeschlagenen Staaten nicht genügen, um Spekulationen Tür und Tor zu öffnen, beginnt auch noch die Wirtschaft zu schwächeln. Nein: Es geht nicht um eine Rezession. Nur um langsameres Wachstum. Aber das genügt: Keiner traut den Regierungen zu, dass sie die Konjunktur wenigstens auf niedrigem Niveau stabilisieren. Die Angst kehrt in die Märkte zurück. Was den Spekulanten gefällt, schadet der Wirtschaft. Die Banken misstrauen den politisch Verantwortlichen – und zweifeln an der Zukunft. Schon fangen sie wieder an, Geld zu horten statt zu verleihen. Wenn das um sich greift und die Geldversorgung der Unternehmen behindert, ist das Wachstum dahin.

Höchste Zeit für klare Aussagen, die länger gelten als bis zum nächsten Rettungspaket. Für riesige Rettungsversprechen, schmerzhafte Ausgabenkürzungen, Schuldenbremsen, Abschied von politischer Prinzipienreiterei. „Speculari“ heißt spähen. Aber noch ist kein Land in Sicht.

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12 Kommentare zu Nur Sicherheit stoppt Spekulanten

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