Euro-Krise: Rettung bis zum Gehtnichtmehr

Es brennt mal wieder lichterloh - Euroland ist noch nicht abgebrannt, aber es werden viele weitere Milliarden zum Löschen verteilt. Dabei fehlt kein Geld.

Es brennt mal wieder lichterloh - Euroland ist noch nicht abgebrannt, aber es werden viele weitere Milliarden zum Löschen verteilt. Dabei fehlt kein Geld.

Je größer der Schirm, desto früher reißt er, wenn es stürmt. Die Haltbarkeit der europäischen Rettungsschirme wird folgerichtig immer kürzer. Sie ist bei ca. zwei Wochen angelangt. Seit Tagen regnet es wieder durch. Flicken muss die Zentralbank EZB und erneut widerwillig giftige Staatsanleihen kaufen. Ihre (zu frühe?) Zinswende ist schon wieder vorbei; die EZB dreht den Geldhahn auf – aber Feuer mit Feuer zu bekämpfen, das gelingt allenfalls bei Waldbränden. Und auch da nicht immer.

Das Kernproblem der Finanzkrise ist nicht: zu wenig Geld, sondern: zu viel Geld. Nach der Lehman-Pleite haben die Notenbanken vieler Länder die Zinsen gesenkt – praktisch auf Null. Und Anleihen der eigenen Länder gekauft. Bezahlt wurde (und wird) durch frisches Geld aus der virtuellen Notendruckerei.

Das hat zunächst die Banken und dann die Not leidenden Staaten gerettet. Vorerst. Dank der Kraftspritze aus der Staatskasse konnten die Banken wieder das tun, was sie am liebsten tun: Geld zu niedrigen Konditionen von der Staatsbank borgen und zu höheren Zinsen verleihen. Zum Beispiel an die Staaten – schon da fängt das System an, irgendwie paradox zu scheinen. Ist es auch. Und momentan wird es noch doller.

Die Milliarden, die momentan wieder reihum locker gemacht werden, landen zwar vorübergehend in den Kassen der kränkelnden Nationen. Aber sie fließen eher nicht in Universitäten und Forschungsinstitute, um die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern, oder in den Bau von Straßen, Schienennetzen oder Schulen. Nein. Sie fließen an die Gläubigerbanken und andere Investoren. Entweder, um die hohen Zinsen zu bezahlen, oder um Staatsanleihen zurück zu kaufen.

Eigene Staatsanleihen kaufen – das ist momentan das einzige Rezept gegen die Pleite. Getauscht wird privates Risiko (der Anleger, der Banken und Versicherungen) gegen staatliches Risiko. Obwohl sich die Politik – vor allem die deutsche – massiv gegen so genannte „Eurobonds“ wehrt, also gemeinsam abgesicherte Euro-Staatsanleihen, sind sie schon da. Was die EZB momentan tut und – in naher Zukunft, wenn alle Entscheidungen gefällt sind – der neue Rettungsschirm EFSF leisten soll, ist nichts anderes als „Eurobonds“ durch die Hintertür.

Die Banken fliehen aus den maroden Staatsanleihen, die Zentralbank kauft sie. Das Risiko für die gemeinsam haftenden Länder steigt – das für Deutschland (und die deutschen Steuerzahler) besonders kräftig.

Aber wer treibt das Spiel? Die Finanzbranche insgesamt, weil sie an den Risikoaufschlägen und Kreditausfallpapieren fett verdient – Ausfälle sind im Preis enthalten, werden aber nur minimal realisiert. Die Amerikaner, denen die Schulden ebenfalls bis zum Hals stehen, und die ihren Dollar als Leitwährung verteidigen müssen – sie tun alles, um Euro-Land zu schwächen. Dabei helfen die Rating-Agenturen, die ruckzuck (meist zu Recht) europäische Randstaaten zu Ramsch-Staaten degradieren, aber die Ramsch-Nation USA (zu Unrecht) immer noch mit höchsten Weihen ausstatten.

Eine echte Chance, auf dem bisherigen Kurs ohne unglaubliches Wachstum aus diesem Dilemma heraus zu kommen, hat Europa leider nicht. Dagegen spricht schon allein die unfassbare Größe der Geldmenge, die einzig und allein zur Spekulation um den Globus getrieben wird – und die den Wert aller Waren und Dienstleistungen um ein Vielfaches übersteigt. Dieser Geldmacht mit der Notenpresse zu begegnen, hilft nur kurz. Schon bald steigt die Inflation, die zwar die Schulden frisst, aber auch das Wachstum. Und das Vertrauen in die Staatsgarantien.

Bleibt als Ausweg: die Insolvenz, die Staatspleite. Die Geldgeber (die ja damit rechnen und seit Monaten entsprechende Risikoaufschläge kassieren) zur Kasse bitten. Auf die Gefahr, dass dann einige Banken zu retten sind. Aber das ist eine Rechnung, die täglich größer wird, so lange man zögert. Zu verhindern sind solche Pleiten nicht. Deshalb muss schnell gehandelt werden – die Investoren denken in Sekunden, die Politik bis zum nächsten Wahltag.

Bleibt als Konsequenz: Auch Staaten dürfen nur in Krisenzeiten mehr Geld ausgeben als sie einnehmen. Die Staatsverschuldung – auch die in Deutschland – ist nicht durch die Krise angehäuft worden, sondern dadurch, dass die Politik in einer Mediendemokratie immer seltener NEIN sagt, wenn nennenswert große Wählergruppen um Gaben bitten oder entlastet werden wollen.

Lektion gelernt? Die Wirklichkeit sieht leider anders aus: Deutschland diskutiert über Steuersenkungen, die EU über einen noch größeren Rettungsschirm, der auch Italien und Spanien überspannt. Der wird wohl schon beim Öffnen reißen.

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7 Kommentare zu Euro-Krise: Rettung bis zum Gehtnichtmehr

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