Euro-Rettung: Last wird halbautomatisch geteilt

Euro-Dämmerung. Die Gemeinschaftswährung wird gerettet durch den Einstieg in die Gemeinschafts-Haftung. Euroland führt die Transfer-Union ein, einen Länderfinanzausgleich mit Deutschland als größtem Geber.

Euro-Dämmerung. Die Gemeinschaftswährung wird gerettet durch den Einstieg in die Gemeinschafts-Haftung. Euroland führt die Transfer-Union ein, einen Länderfinanzausgleich mit Deutschland als größtem Geber.

Irgendwie fällt es doch schwer, sich dem Jubel über die Rettung – wahlweise des Euro und/oder Griechenlands – anzuschließen. War das wirklich alles? Wir tragen noch mehr Euro nach Athen, längst gewöhnt an Summen jenseits der 100 Milliarden, und fertig? Alles gut? Lag es nur an der Größe der Geldkoffer?

Skepsis ist angebracht. Was hinter dem neuen Milliardenpaket steckt, steht im Kleingedruckten: Euroland steigt ein in eine Art Länderfinanzausgleich. Aber im großen Stil. Ab sofort wird halbautomatisch Geld (und damit Wohlstand) verschoben.

Zwar gibt es noch keine gemeinsamen Anleihen, keine Eurobonds, mit denen ich fest gerechnet hatte. Aber die Regierungschefs haben es trotzdem geschafft, die Verantwortung für arme Euroländer auf alle zu übertragen. Wenn das gemeinsame Rettungssparschwein in großem Stil Staatsanleihen leidender Staaten kaufen darf – sogar vorbeugend, dann haften alle, die das Sparschwein füttern. Also alle. Wir alle. Mitgegangen, mitgefangen. Das gilt für alle Euroländer – keine Eurobonds, aber ein Euro-Bündnis. Wie sich das auf die Haushaltsmoral und die Sparsamkeit der Pleiteländer auswirkt, wird sich zeigen. Die wohlhabenden Nationen – allen voran Deutschland – schultern ja künftig verlässlich die Last der Ärmeren mit.

Ob es sich lohnt? Auf die als „Spekulanten“ überwiegend falsch bezeichneten Investoren (Banken, Versicherungen, Fonds) wirkt der Beschluss wahrscheinlich beruhigend. Immerhin hat Euroland deutlich gemacht, dass es zur Rettung um jeden Preis bereit ist – und dafür zur Not auch die Notenpresse noch schneller laufen lässt. Das sollte neues Vertrauen schaffen.

Die Banken werden jenseits des zu erwartenden Gejammers ohnehin aufatmen. Ihnen bleiben die Folgen eines Staatsbankrotts erspart, der den Wert der Griechen-Anleihen mindestens halbiert hätte. Sie zahlen nur 20 Prozent und kriegen im Gegenzug all die Sicherheit, die die vereinten Steuerzahler Europas geben können.

Und auch die Griechen können vorerst ruhiger schlafen. Sie werden für ein Jahrzehnt unter Schutz gestellt und vor den Regeln der bösen realen Geldwelt bewahrt. Leider bleibt der Schuldenstand fast unverändert, nur die Zinsen sinken. Keine Ahnung, ob das genügt. Aber vorerst ist Athen aus dem Schneider.

Das Kleingedruckte verteilt die Sorgen der ärmeren Euroländer auf die Gemeinschaft. Mal wieder wird ohne Beteiligung der Parlamente eine weit reichende Entscheidung gefällt – sie behebt einen Geburtsfehler der Gemeinschaftswährung und versieht Euroland jetzt auch mit einer Gemeinschafts-Haftung. Die Transfer-Union ist Wirklichkeit geworden, der Euro ist gerettet. So richtig freuen kann ich mich noch nicht.

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