Euro-Rettung: heute preiswerter als morgen

Es ist nur noch Gold, das glänzt. Euro und Dollar sind stumpf geworden. Im Euroland macht sich immerhin die Erkenntnis breit, dass Baldrianreden und immer neue Rettungsschirme nicht mehr genügen, um die gemeinsame Währung zu retten.

Es ist nur noch Gold, das glänzt. Euro und Dollar sind stumpf geworden. Im Euroland macht sich immerhin die Erkenntnis breit, dass Baldrianreden und immer neue Rettungsschirme nicht mehr genügen, um die gemeinsame Währung zu retten.

Viele Köche verderben den Brei. Aber nicht immer. Wenn jeder auf seinem eigenen Herd sein eigenes Süpplein kocht, kann es klappen – das wird ein prima Büffet. In der EU hingegen funktioniert das gemeinsame Kochen momentan nicht. Alle rühren in einem einzigen Topf, der mal überkocht, mal anbrennt. Und alles dreht sich nur noch um die Frage, wer den Schlamassel auslöffeln muss.

Griechenland ist pleite. Merke: Wer eine Weile weniger Schulden macht, verkleinert seinen Schuldenberg nicht, sondern vergrößert ihn weiter. Die Last wächst, dabei ist sie den Griechen jetzt schon viel zu schwer. Deshalb helfen die anderen Euroländer – allen voran Deutschland – beim Tragen. Auch den Iren und Portugiesen nehmen wir einen Teil der Last ab. Aber sie wächst ebenfalls. Weil keiner so viel sparen kann, wie nötig wäre, um endlich Kredite zu tilgen. Weil der ganze Geiz nicht nur die Rentner, Lehrer und Kranken trifft, sondern die Wirtschaft abwürgt. Weniger Rente, weniger Lohn, weniger Gewinne, weniger Geschäfte, weniger Steuern. Mehr Rotstift.

Es führt also kein Weg daran vorbei, die überschuldeten Länder von einem großen Teil ihrer Schulden zu befreien. Das ist leichter gesagt als getan, weil das bedeutet, dass irgendwer auf Geld verzichten muss, das er einst in gutem Glauben verliehen hat. Oder dass ein anderer die Rechnung bezahlt. Die deutschen (und französischen und niederländischen und und und) Steuerzahler zum Beispiel.

Das kostet Milliarden. Aber es ist heute billiger als morgen und morgen preiswerter als übermorgen. Die Politiker haben schon viel zu lange gezockt und gezögert – als würde sich wie durch Zauberei doch noch die eine oder andere Zwangslage entspannen. Immer neue Rettungsschirme und sich wiederholende Marktberuhigungsformeln ersetzen eines nicht: gemeinsames Handeln.

Viele Köche, ein Brei: der Euro, viele verhärtete Positionen. Die PIIGS (Portugal, Irland, Italien, Griechenland, Spanien) wollen gerettet werden und möglichst wenig von ihrem gepumpten Wohlstand abgeben – verständlich. Das bedeutet zum einen, dass die reicheren Länder (allen voran Deutschland) so lange Alimente zahlen müssen, bis Griechenland seine Olivenhaine, Weinberge, Schafsweiden und Strandhotels in einen hochtechnisierten industriellen Produktionsverbund mit weltweiter Wettbewerbsfähigkeit verwandelt hat. Also: noch lange. Zum anderen bedeutet das, dass die Geberländer (allen voran Deutschland) die (Spar-)Politik der Nehmerländer diktieren. Was da nicht immer gut ankommt und durchaus zu Regierungswechseln führen kann.

Die reichen Euroländer haben andere Wünsche als die PIIGS, aber sie sind sich nicht einig. Die Franzosen haben den Griechen so viel Geld geliehen, dass sie die Banken im Land vor Verlusten schonen wollen. Ein winziges Beiträgelchen sollen sie freiwillig leisten. Ende. So lange es nur um Griechenland geht, wollen die Deutschen einen erheblich größeren Beitrag der Geldverleiher einfordern. Weil wir weniger betroffen sind. Was schon in Spanien anders wäre. Und erst recht in Italien.

Und die Europäische Zentralbank? Sie hat ebenfalls den Pfad der Tugend verlassen und sich – unter dem Druck der Politik – zum Kauf von Staatsanleihen bereit erklärt. Ein Schuldenschnitt würde sie also hart treffen. Deswegen kämpft die EZB an der Seite der Banken gegen eine Gläubigerbeteiligung.

All die Köche haben aber inzwischen erkannt, dass sie sich rühren müssen. Ein Ende mit Schrecken ist unvermeidlich. Aber welches? Die sanfte Lösung mit längeren Laufzeiten und niedrigeren Zinsen kommt nicht in Frage, weil sie den Schuldenberg erhöht statt abträgt. Bleibt die härtere aber wirkungsvollste Gangart: Die Gläubiger müssen ungefähr auf die Hälfte ihrer Forderungen verzichten (entweder bei einem Schuldenschnitt oder beim Rückkauf von Staatsanleihen zu Marktpreisen). Das würde Banken ins Trudeln bringen – zunächst die griechischen für Griechenland. Ein bisschen auch die französischen. Aber Banken retten können wir – und auch wenn sie Milliarden kostet, die Bankenrettung ist immer noch billiger als abwarten und ständig neue Rettungsschirme für ganze Staaten spannen.

Aber ich fürchte, es wird anders. Mit einem Kuschelkompromiss: Euroland tut so, als ob es tatsächlich ein Land ist. Und tritt den Gläubigern gegenüber auch so auf. Euroland kriegt billiges Geld und von den Ratingagenturen gute Noten für seine „Eurobonds“ – wenn auch nicht so gute wie deutsche Staatsanleihen. Die Deutschen müssten deshalb etwas höhere Zinsen bezahlen als heute (merke: Auch wir leben über unsere Verhältnisse und geben jedes Jahr Milliarden aus, die wir nicht einnehmen). Aber die PIIGS würden plötzlich wieder Geld zu Superkonditionen kriegen, weil alle dafür bürgen. Wie damals. Als mit billigem EU-Geld die Party los ging. Und dann? Sparen war gestern. Jámas! Salute! Salud!

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