Zeit ist Geld: Euro-Land kauft einige Jahre

Applaus für den eigenen Mut: Das griechische Parlament verurteilt sein Land zu einem neuen Sparprogramm. Konkurs verhindert? Vorerst.

Applaus für den eigenen Mut: Das griechische Parlament verurteilt sein Land zu einem neuen Sparprogramm. Konkurs verhindert? Vorerst.

Bitte mit dem Aufatmen noch warten. Griechenland ist nicht gerettet. Die Euro-Union hat sich Zeit gekauft: Zeit, damit sich die Gläubigerbanken noch ein etwas dickeres Polster zulegen können. Zeit, damit die Konjunktur sich ein bisschen länger erholen kann. Zeit, um Irland und Portugal und Spanien (und Italien und Belgien?) aus der Gefahrenzone zu manövrieren, wenn Griechenland dann doch den Offenbarungseid leistet.

Die Wahrscheinlichkeit ist hoch. Zum einen deuten die Proteste in Griechenland heute schon auf vorzeitige Regierungswechsel – oder einen drastischen Kurswechsel nach den nächsten regulären Wahlen. Die neuen Machthaber werden sagen: Was kümmert mich das Sparprogramm meiner Vorgänger?
Zum anderen erstickt das neue Sparpaket jede mögliche Erholung der Wirtschaft im Keim. Die griechische Zitrone ist schon ausgepresst – egal, welche Horrormeldungen über das lockere Leben in Athen serviert werden. Und wer sagt, dass irgendwer für das Tafelsilber der Griechen so viel zahlt wie erhofft – vielleicht ist es billiger, auf den Konkurs zu warten.

Griechenland wird in wenigen Jahren wohl vorbereitet Bankrott anmelden. Wenn die Zwischenzeit gut genutzt wird, hat das nicht annähernd solche Folgen wie die Lehman-Pleite (hätte es wahrscheinlich auch heute nicht, aber die Finanzbranche war mit ihren Horrorvisionen erfolgreich). Was dann an den Schulden geschnitten wird, begleichen weit überwiegend die Steuerzahler Europas, denen das aber kaum auffallen wird, weil immer Dritte als leidende Gläubiger genannt werden – wie die EZB oder Landesbanken oder ein Schutzschirm oder noch zu gründende Zweckgesellschaften. Das Geld ist aber futsch.

Und die Banken, die auch einen Anteil übernehmen sollen? Zum einen ist heute nicht einmal die freiwillige Lösung akzeptiert. Was werden die Bankenvorstände sagen? „Wir sind per Gesetz nur dem Wohl der Aktionäre verpflichtet. Nicht dem Gemeinwohl. Man könnte uns vor Gericht zerren. Am besten, wir lassen die Hauptversammlung abstimmen.“ Dabei haben sie nach dem neuen Modell der Franzosen (deren Banken besonders viele Griechenanleihen im Tresor haben) nur wenig zu verlieren.

Griechenland tilgt ganz regulär ein Drittel der Anleihen (die hohen Zinsen sind längst verbucht). Der Rest wird wieder angelegt: 50 Prozent in Anleihen mit einer langen Laufzeit (bis zu 30 Jahre) und um die 8 Prozent Zinsen (bei Beschaffungskosten unter 2 Prozent!). Die übrigen 20 Prozent werden in andere europäische Anleihen investiert, die bestmögliche Sicherheiten bieten, zudem europäisch (also von den Steuerzahlern) garantiert werden – als Rettungsanker für den Fall der Fälle.

Aus 100 Prozent Griechenlandanleihen mit hohem Risiko mach 50 Prozent Griechen-Anleihen mit kleinerem Risiko. Das ist nun wirklich kein gewaltiger „Beitrag“. Hätten die Griechen gestern NEIN gesagt, wären wohl 30 bis 50 Prozent der Investments futsch gewesen.

Der Anteil der Steuerzahler am Risiko wächst; Euro-Land kauft Zeit auf fremde Rechnung.

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