Bildungspaket: Keiner will die Wundertüte

Wer denkt sich bloß solche Wohltaten aus wie das Bildungspaket, das keiner haben will? Dieses Bündel kann doch nur ein Verein zum Schutz bürokratischer Hemmnisse oder ein Ärmelschonerfabrikant geschnürt haben. Ausgerechnet die Ärmsten, die am wenigsten Gebildeten, die am wenigsten der deutschen Sprache Mächtigen sollen nicht nur den Wert einer Vereinsmitgliedschaft erkennen, den richtigen Verein wählen, das Geld für Sportklamotten oder Musikinstrumente aufbringen, sondern auch noch die paar Beitrags-Euro alle drei Monate im Job-Center beantragen. Bevor wir jedoch in Trauer darüber versinken, dass 1,6 Milliarden Euro angeboten aber nicht abgerufen werden: Das Päckchen ist ohnehin nicht geeignet, den Bildungsnotstand zu bekämpfen. Schicken wir es an den Absender zurück.

Erfolgreiche Bildung (in einem Sinne, der über das Faktenregime des Lehrplans hinaus geht) beginnt in der Familie. Und genau da hakt es. Kinder, die von Geburt an Kurs nehmen auf die Fortsetzung ihrer Hartz-IV-Dynastie, haben selten Eltern, die sich um eine bessere Bildung ihrer Kinder sorgen. Das fehlende Interesse am Bildungspaket fußt auf fehlendem Interesse an Bildung und einem Bürokratiemonster.

In der Hälfte der Familien mit Migrationshintergrund werden den Kindern keine Geschichten erzählt, jedes dritte Elternpaar liest nie vor. In bildungsschwachen deutschen Familien dürften sich diese Erkenntnisse der Stiftung Lesen wahrscheinlich wiederholen. Damit fehlt den Kindern der wichtigste Schlüssel zum Erwerb von Grundkompetenzen: die Sprache. Daran ändert das Bildungspaket auch dann nichts, wenn die Entscheidungswege verkürzt, die Zuteilung von Nachhilfe und warmem Essen vereinfacht würde.

Was wirklich fehlt, ist längt bekannt: eine zumindest teilweise Betreuung der Kinder aus schwierigen Verhältnissen fast von Geburt an. Den vielen Eltern helfen, die mit der Erziehung ihrer Kleinen schlicht überfordert sind. Die Angebote an Ganztagsbetreuung ausbauen. Das dürfte zwar teurer sein als das Bildungspaket, aber wirken – benachteiligte Kinder, die in Krippen gehen, wechseln häufiger aufs Gymnasium, sagt die Bertelsmann-Stiftung.

Weil wir die sozialen Folgen nicht bezahlen und aus demografischen Gründen auf kein einziges kluges Kind verzichten können, dürfen wir es uns nicht erlauben, Kinder aus armen Familien am Rand der Gesellschaft zu lassen. Das erfordert aber ein deutliches beherzteres Vorgehen, als teure Wundertüten namens Bildungspaket möglichst kompliziert verwalten zu lassen. Zurück zum Absender; neu machen. Bis dahin: Setzen! Mangelhaft!

Dieser Beitrag wurde unter Ökonologie abgelegt und mit , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Kommentare zu Bildungspaket: Keiner will die Wundertüte

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

I accept that my given data and my IP address is sent to a server in the USA only for the purpose of spam prevention through the Akismet program.More information on Akismet and GDPR.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.