Griechen in Not: Banken zuerst in die Boote

Rette sich, wer kann! Banken und Versicherungen zuerst in die Boote. Steuerzahler bleiben an Bord.

Es ist nicht zu glauben: Schon wieder retten sich die größten Spekulanten davor, einen kleinen Teil der Rechnung zu bezahlen, die für die erneute (und sicher nicht letzte) Rettung Griechenlands präsentiert wird. Ihre Strategie grenzt an Erpressung. Die Banken drohen mit einer neuen Krise wie nach der Lehman-Pleite – ein fettes Kanonenrohr, das sie vorsorglich auf alle Versuche abfeuern, sie irgendwie an den Lasten der Staatspleite zu beteiligen – und sei es nur zum Schein, um das Wahlvolk zu beruhigen.

Diese Taktik geht wahrscheinlich auf, der Bundestag wird murrend zustimmen, und die Steuerzahler müssen wieder mal akzeptieren, dass sie als letzte systemrelevante Instanz mangels Alternative immer zur Kasse gebeten werden.

Die Erkenntnis ist in den Bankentürmen längst gedämmert: Griechenland ist nicht zu retten, ohne die Schuldenlast zu verringern. Die griechische Regierung überlebt ihre Sparpakete nicht – jeder Nachfolger wird weniger hart sein, wenn er überleben will. Genau deshalb verlangen die feinen Herren Geldgeber kräftige Risikoaufschläge. Das war bisher eine prächtige Strategie: Geld billig besorgen und teuer verleihen. Und wenn der Kunde tatsächlich in die Zahlungsunfähigkeit rutscht, sollen andere das Risiko übernehmen. Tolles Geschäft mit Risikoaufschlägen auf letztendlich null Risiko.

Natürlich wäre eine Staatspleite Griechenlands eine Katastrophe. Sie muss verhindert werden – aber nicht nur mit frischem Geld, sondern auch durch Verzicht. Deshalb müssen jene, die als Geldverleiher in voller Kenntnis des Risikos bisher gut verdient haben, an den Rettungskosten beteiligt werden.

Das ist im Bankgeschäft an der Tagesordnung für den Notfall: Kredite werden gestreckt, Zinsen nach Möglichkeit gesenkt, vielleicht Teile der Kredite erlassen – aus Angst, dass die Bank am Ende noch größere Einbußen hinnehmen muss, wenn der Kunde überhaupt nicht mehr auf die Beine kommt.

Für Griechenland soll das aber nicht gelten. Hier wird mit dickem Pinsel schwarz gemalt, damit die Regierungen und ihre Parlamente die Geldbörsen der Bürger öffnen. Und es sind in der Tat unsere Geldbörsen: Mit den Milliarden, die nun definitiv verloren gehen, können in Deutschland keine Schulen renoviert, keine Forschungsvorhaben finanziert, keine Straßen gebaut, keine Renten bezahlt werden. Und der Spielraum für Steuersenkungen wandert nach Athen.

Wer will dem Parlament und seinen Wählern da erklären, warum die Kreditgeber erneut ungeschoren davon kommen? Der lahme Versuch, die Herren Bankiers völlig freiwillig mit Anleihen längerer Laufzeiten und besserer (in Teilen natürlich auch deutscher) Absicherung zu beglücken, ist ja schon eine unglaubliche Trickserei und Augenwischerei. Aber nicht einmal das lässt sich durchsetzen – wahrscheinlich, weil sich die Europäische Zentralbank auf politischen Druck selbst kräftig mit griechischen Anleihen eingedeckt hat und nun beim Verzicht eigentlich mit gutem Beispiel voran gehen müsste. Wird sie aber nicht.

Gegen diese privat-staatliche Koalition der Null-Risiko-Staatsanleihen-Spekulanten richtet momentan keine Regierung, kein Bundestag etwas aus. Am Ende wird es bei fadenscheinigen Empfehlungen bleiben, sich freiwillig mit einem bescheidenen Obolus zu beteiligen. Bitte, bitte.

Und so begibt sich Euroland noch mehr in die Hand der Geldverleiher. Deren Faustpfand wächst mit jeder Milliarde, die nach Athen überwiesen wird. Gerade möchte man den Einsatz von 110 Milliarden Euro mehr als verdoppeln. Das Risiko steigt – aber nicht das Risiko der Banken (obwohl die dafür kassieren), sondern das der Steuerzahler. Sie sind zwar systemrelevant, aber ohne Lobby. Und sie können ihren Firmensitz nicht verlagern.

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