Wasser: Wir sparen uns noch arm

Nur noch ganz sparsam soll das Wasser fließen, wenn es nach Plänen der EU geht. Das kann teuer werden.

Nur noch ganz sparsam soll das Wasser fließen, wenn es nach Plänen der EU geht. Das kann teuer werden.

Der Rhein fast nur noch ein Rinnsal, der Garten staubtrocken. Keine Frage: Wasser ist knapp und kostbar. Die EU meldet: Es häufen sich Dürreperioden. Und spätestens 2050 rechnet der slowenische EU-Umweltkommissar Janez Potocnik mit „erheblichem Wassermangel in vielen Regionen Europas“. Deshalb soll gespart werden – vor allem in Landwirtschaft und Industrie. Aber auch daheim. Zwar dementiert die EU heftig, dass sie sparsamere Duschen, Toiletten und Wasserhähne vorschreiben will. Aber es wird dennoch offiziell untersucht, wie private Haushalte noch mehr Wasser sparen können. Das kann teuer werden – auch ohne den Wasser-Cent, den die rot-grüne Landesregierung einführen will.

Denn wir sparen uns heute schon arm. Seit Jahrzehnten geht der Wasserverbrauch zurück. Das hat zum einen mit der deutschen Gründlichkeit beim Einsatz von Spar-Stopp-Tasten an Toiletten zu tun – also einem sinkenden Pro-Kopf-Verbrauch –, mehr aber noch damit, dass Industrie und Gewerbe Wasser sparen – und die Bevölkerung kleiner wird.

Diese positive Entwicklung bereitet an anderer Stelle Probleme – vor allem im Leitungsnetz. Das Wasser wird nicht besser, wenn es länger in den Rohren bleibt – die Versorger rechnen mit „hygienischen Problemen“. Da lässt sich perspektivisch immerhin Abhilfe schaffen durch kleinere Leitungsdurchmesser. Schwieriger wird es beim Abwasser. Hier müssen die Rohre dick sein und bleiben für den Fall, dass es heftig regnet. Aber in Dürrezeiten und bei immer weniger Wasserverbrauch ist der Abfluss zu schwach. Dann müssen die Betreiber nachhelfen und spülen – die Kubikmeter Trinkwasser, die bei den Kunden gespart werden, fließen dann in Sondereinsätzen, um die Rohre zu säubern. Am Ende wird die Unterhaltung der Netze teurer (Wasseraufbereitung und –transport machen 80 Prozent der Kosten aus – unabhängig von der Menge, die entnommen wird), und damit steigt der Wasserpreis. Wir sparen uns arm.

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) meldet, dass der Trinkwasserverbrauch in Deutschland heute niedriger ist als 1990. Haushalte, Industrie und Kleingewerbe bezogen 2010 zusammen 4,5 Milliarden Kubikmeter. 1990 waren es noch 5,9 Milliarden. Dabei stehen jährlich 188 Milliarden Kubikmeter Wasser in Deutschland zur Verfügung.

Die Landwirtschaft bekommt Wassermangel am ehesten zu spüren. Kein Wunder: Für ein Kilo Rindfleisch braucht sie 15.500 Liter.

Die Landwirtschaft bekommt Wassermangel am ehesten zu spüren. Kein Wunder: Für ein Kilo Rindfleisch braucht sie 15.500 Liter.

Deshalb laufen Verbände und Politik gegen die EU Sturm, um Sparvorschriften für Haushalte zu verhindern. Sie verlangen von Brüssel, dass das Thema Wasser regional unterschiedlich bewertet wird – und nach Branchen sortiert: Zur Energieerzeugung wird in der EU fast die Hälfte des Wassers verbraucht: 44 Prozent. Dann kommt die Landwirtschaft mit 24 Prozent (nach UNESCO-Angaben werden für die Erzeugung eines Kilogramms Rindfleisch 15.500 Liter Wasser verbraucht, für ein Kilogramm Mais 900 Liter und für einen Liter Milch 1000 Liter Wasser). Öffentliche Wasserversorgung: 17 Prozent und Industrie: 15 Prozent.

Während der persönliche Verbrauch von Wasser in der EU bei etwa 150 Liter pro Tag liegt (Deutschland: 125 Liter), sieht es völlig anders aus, wenn man das ganze Wasser berücksichtigt, das für die von uns in Anspruch genommenen Waren und Dienstleistungen verbraucht wird, vom T-Shirt über den Urlaub bis zum Auto. Da landen wir bei mehr als 5000 Liter am Tag – jede Menge davon wird importiert in Form von Kaffee, Kakao, Baumwolle, Blumen u.s.w.

Die Agenda des Wassersparens hat also ganz andere Prioritäten als die Spartaste an der Toilette oder die neue Düse am Wasserhahn. Das wird auch die EU einsehen.

Dieser Beitrag wurde unter Ökonologie veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

12 Kommentare zu Wasser: Wir sparen uns noch arm

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

I accept that my given data and my IP address is sent to a server in the USA only for the purpose of spam prevention through the Akismet program.More information on Akismet and GDPR.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.