Energiekrise: Und wer sagt jetzt Ja?

Nichts wie weg: Japaner fliehen vor dem radioaktiven Wind. Die Katastrophe in Fukushima hat geschafft, was deutsche Politik in vielen Jahren verweigert hat: den schnellen Ausstieg aus der Kernenergie. Zeit für eine neue Energiepolitik. Aber auch die wird nicht nur Freunde finden.

Nichts wie weg: Japaner fliehen vor dem radioaktiven Wind. Die Katastrophe in Fukushima hat geschafft, was deutsche Politik in vielen Jahren verweigert hat: den schnellen Ausstieg aus der Kernenergie. Zeit für eine neue Energiepolitik. Aber auch die wird nicht nur Freunde finden.

Der Westen engagiert sich in Libyen zur Not auch militärisch; im Jemen verhängt die Regierung den Ausnahmezustand und lässt Scharfschützen auf Demonstranten schießen. Langsam nehmen wir wieder Nachrichten wahr, die nicht aus Japan stammen – und die dennoch ebenfalls eine Art Kernschmelze beschreiben. Jemen und Japan, Atomkatastrophe und Aufstand – zwei Seiten einer Medaille.

Nennen wir die Medaille: Energieversorgung. Gerade hat ein gewaltiges Erdbeben unseren ohnehin brüchigen Glauben an die Kernenergie nachhaltig erschüttert. Gleichzeitig führen uns zum Tod bereite Demonstranten in Nordafrika und Arabien vor Augen, dass unsere ebenfalls als sicher erachteten Ölquellen in höchst unsicheren Gegenden sprudeln – betrieben von höchst zweifelhaften Despoten. Zwei Grundpfeiler von Wärme und Wohlstand sind dahin.

Wer in dieser doppelt misslichen Lage schnelle Lösungen zum Nulltarif verspricht, ist ein Scharlatan. Weder können allein alternative Energiequellen in fünf Jahren alle deutschen Atomkraftwerke ersetzen, noch lässt sich stabil und schnell und billig genügend Gas herbei schaffen. Oder das Kohlendioxid aus Kohlekraftwerken tief unter der Erde deponieren. Oder das Auto mit E100 betanken.

Weil alle Voraussetzungen fehlen: Die Leitungen, die den Strom aus den Windparks im Norden in den Süden transportieren, wo die Kernkraftwerke abgeschaltet worden sind. Die Speicher, die Wind und Sonne aufbewahren für Flauten und Nächte. Die Häfen, in denen die Gastanker mit ihrer flüssigen Fracht festmachen können. Die intelligenten Netze, die den Strom nach Bedarf klug dahin lenken, wo er gebraucht wird. Die Forscher, denen Klügeres einfällt als Solarzellen in sonnenarmen Regionen und Elektroautos, die nur zum Einkauf taugen. Und der Wille, das alles zu beschaffen.

Nein gesagt haben wir jetzt schon mal. Gut so. Aber jetzt wäre auch die Zeit, Ja zu sagen: Zum ganz persönlichen Energiesparen (die Privaten sind die größten Verschwender). Zum Naturstrom, auch wenn er teurer ist. Zum Kohle- und Gaskraftwerk, auch wenn es nicht im Nachbarland gebaut wird, sondern in der Nachbarschaft. Zur neuen Stromleitung, zum neuen Zähler, zum Stausee des Pumpspeicherkraftwerks nebenan.

Das alles wird vorübergehend die Umwelt belasten, weil an Kohle kein Weg vorbei führt. Und es wird teurer. Teurer noch als die bisher prognostizierten 50 Euro pro Haushalt und Monat. Aber billiger als eine Kernschmelze, billiger als außer Rand und Band geratene Abklingbecken, billiger als Flüchtlingsströme aus Öl-Diktaturen.

JA. Ja, es wird funktionieren, in wenigen Jahren von der unkontrollierbaren Atomkraft los zu kommen. Und weniger Öl von Despoten zu kaufen. Wenn wir anfangen, JA zu sagen.

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