Benzin und Öl: Angst regiert den Markt

Ausgerechnet während der Einführung des angeblichen Biosprits E10 treiben die Unruhen in Arabien die Preise für Benzin und Diesel. Wohl dem, der durchblickt - und die richtigen Preise vergleicht.

Ausgerechnet während der Einführung des angeblichen Biosprits E10 treiben die Unruhen in Arabien die Preise für Benzin und Diesel. Wohl dem, der durchblickt - und die richtigen Preise vergleicht.

Die EU hat Zwangsmaßnahmen gegen Libyen beschlossen. Auch ein besonderes Embargo. Ein Waffenembargo. Das bedeutet zum einen: Gaddafi bekommt keine Waffen mehr. Und zum anderen: Bisher hat sich dieser wirre, brutale Despot mit Flugzeugen, Gewehren und Raketen komfortabel ausstatten dürfen. Aber das ist vorbei. Nur gute Diktatoren werden bedient. Besonders, wenn sie auf Ölquellen sitzen und außerdem noch die bösen Islamisten in Schach halten. Die Welt ist abhängig von solchen Finsterlingen; sie hat ihre Machtapparate finanziert und ihre Schweizer Konten gefüllt. Hauptsache, es bleibt ruhig im Land, und das Öl sprudelt. Ruhig ist es nicht mehr im nördlichen Afrika und auf der arabischen Halbinsel. Ob das Öl trotzdem fließt?

Eine wichtige, aber dennoch nicht maßgebliche Antwort gibt es an der Zapfsäule. Super für 1,60 Euro, Diesel jenseits 1,40 Euro. Weil die Ölpreise gestiegen sind, heißt es (und weil die momentan laufende Einführung des angeblichen Bio-Kraftstoffs E10 das Angebot sowieso unübersichtlich macht). In der Tat: Rohöl ist in den vergangenen Monaten kontinuierlich teurer geworden. Das liegt zum einen daran, dass die Weltwirtschaft wieder in Fahrt kommt und besonders schnell in Schwellenländern wächst – die entwickeln einen gnadenlosen Energiehunger. Zum anderen setzt sich die Erkenntnis durch, dass Öl endlich ist. Beides zusammen bildet den besten Nährboden für Spekulationen.

Wie Spezialdünger wirken jetzt noch die Unruhen in Arabien. Schon trauen sich Finanzexperten (deren ärgste Prognose-Fehler gerade erst mit billigen Staatsmilliarden zugedeckt worden sind) Ölpreise von 150 US-Dollar pro Fass (159 Liter) vorherzusagen – oder gar 200 Dollar. Und Spritpreise jenseits 2 Euro. Das hilft im realen Leben nur den Spekulanten in ihren Wettbüros.

Die Wirklichkeit gibt noch keinen Grund zur Sorge. Fangen wir bei Libyen an: Deutschland hat sich in den vergangenen Jahren so nett mit Gaddafi angefreundet, dass er auf den fünften Platz unserer Öllieferanten vorgerückt ist – mit mehr als sieben Millionen Tonnen pro Jahr. Russland, dieser stabile Hort der Demokratie und Menschenrechte, steht auf Platz 1 mit knapp 34 Millionen Tonnen. Und kann sicher mehr liefern.

Und Libyen verschwindet eh nicht vom Markt. Die Nachfolger des Gaddafi-Clans werden sich diese Einnahmen sichern. Und Wintershall, eine BASF-Tochter mit hohem Einsatz in Libyen, wird ihre Millionen-Investitionen nicht abschreiben, sondern möglichst bald wieder liefern: 100.000 Fässer am Tag.

Und wenn es doch kritisch wird? Weltweit sind die Vorratslager gefüllt wie nie. Und Saudi-Arabien, das seine Bevölkerung gerade mit neuen Bildungsoffensiven und höheren Sozialleistungen beruhigt, kann seine Förderung deutlich ausweiten, wenn der Ölpreis in kritische Höhen schießt. Es ist nicht der Markt, nicht ein knappes Angebot, das den Preis momentan treibt, sondern die Angst. Und Spekulanten.

Aber die momentane Preisentwicklung deutet langfristig in die richtige Richtung. Lassen wir den täglichen Schock an der Tanke heilsam sein. Die Wirtschaft muss weg vom Öl. Weil es knapper wird. Weil es dem Klima schadet. Und weil es in den Händen unberechenbarer Lieferanten liegt.

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7 Kommentare zu Benzin und Öl: Angst regiert den Markt

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